Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine neue Behandlung hilft bei unerfülltem Kinderwunsch

03.11.2005


Erste Zwillingsschwangerschaft in Deutschland nach "In vitro Maturation" in der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg / Entnahme unreifer Eizellen erspart intensive Hormonvorbehandlung



An der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg ist erstmals in Deutschland mit Hilfe einer neuen unterstützenden Technik der künstlichen Befruchtung, der "In vitro Maturation" (IVM), einer Reifung der Eizellen im Reagenzglas, eine Zwillings-Schwangerschaft gelungen. Die Technik erspart den Frauen eine intensive Hormonbehandlung. Für manche Frauen bietet sie die einzige Chance, ohne größere gesundheitliche Risiken schwanger zu werden.



Die 26jährige Schwangere war bei Privatdozent Dr. Michael von Wolff in der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Thomas Strowitzki) wegen ihres seit zwei Jahren unerfüllten Kinderwunsches in Behandlung. Die Zwillingsschwangerschaft ist in der 15. Woche; der voraussichtliche Geburtstermin liegt im April 2006.

Die "In vitro Maturation" ist eine neue Reproduktionstechnik, bei der unreife Eizellen aus den Eierstöcken entnommen werden, die zuvor wenig oder gar nicht mit Hormonen stimuliert wurden. Dies ergänzt das Verfahren der In vitro Fertilisation (IVF, künstliche Befruchtung), welches seit vielen Jahren routinemäßig eingesetzt wird.

Eizellen reifen einige Tage im Reagenzglas

"Normalerweise erhalten Frauen vor einer künstlichen Befruchtung wochenlang eine Hormonbehandlung, um die Reifung der Eizellen zu unterstützen und die Entnahme der Eizellen vorzubereiten", erklärt Privatdozent Dr. von Wolff, Oberarzt der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, der die Behandlung durchgeführt hat.

Bei der "In vitro Maturation" wird auf eine langfristige Hormongabe verzichtet; die Eizellen reifen vielmehr ein bis zwei Tage lang im Reagenzglas und werden anschließend befruchtet. Für die Reifung werden die natürlichen Hormone FSH (Follikel Stimulierendes Hormon) und HCG (humanes Choriongonadotropin) im Reagenzglas zugesetzt. Nach zwei weiteren Tagen werden die befruchteten Eizellen in die Gebärmutter eingesetzt

Überstimulationssyndrom wird vermieden / Indikationen: Polyzystisches Ovar und Chemotherapie

"Diese Behandlung vermeidet die Risiken einer zu starken Reaktion auf die Stimulationsbehandlung mit Hormonen", erklärt Dr. von Wolff. Das so genannte Überstimulationssyndrom, das nach normaler In vitro Fertilisations-Behandlung bei bis zu zehn Prozent der Frauen auftritt, ist von einer Ansammlung von Flüssigkeit in verschiedenen Körperhöhlen gekennzeichnet.

Besonders ausgeprägt ist dieses Risiko bei Patientinnen mit so genannten polyzystischen Ovarien, d.h. bei Frauen, deren Eierstöcke viele kleine Eibläschen haben, die sich nicht zu einer ausreichenden Größe entwickeln: Der Eisprung bleibt aus, der Zyklus ist unregelmäßig. Werden diese Frauen hormonell stimuliert, so wachsen zeitgleich sehr viele Eibläschen heran, so dass sich häufig ein Überstimulationssyndrom entwickelt.

Bei der In vitro Maturation wird die große Anzahl kleiner Eizellen dafür genutzt, auch ohne eine hormonelle Stimulation viele Eizellen für eine anschließende Befruchtung zu gewinnen. Die Chance auf eine Schwangerschaft ist somit für diese Patientengruppe recht hoch. Letztlich sind durch den Wegfall der hochdosierten Hormonstimulation die Kosten für eine solche Behandlung auch deutlich niedriger als bei einer normalen In vitro Fertilisations-Behandlung. Bei Patientinnen ohne polyzystische Ovarien sind die Erfolgsaussichten jedoch geringer, deshalb wird die Therapie bei ihnen mit Zurückhaltung angewendet.

Auch Frauen, die wegen einer Krebserkrankung eine Chemotherapie benötigen, profitieren von der In vitro Maturation: Ohne eine intensive Hormonbehandlung können Eizellen ohne größeren Zeitverzug entnommen, befruchtet und für die spätere Übertragung tiefgefroren werden.

Rund 300 Kinder weltweit nach In vitro Maturation geboren

Weltweit wurden bislang mehr als 300 Kinder nach In vitro Maturation geboren; eine erhöhte Rate an Fehlbildungen konnte nicht beobachtet werden. An einzelnen Zentren, z.B. in Stockholm und Kopenhagen wird sie bereits seit einigen Jahren angewendet.

In Deutschland wird die Behandlung derzeit erprobt; eine Schwangerschaft wurde bislang noch nicht ausgetragen. Seit Anfang des Jahres 2005 bietet die Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen durch Privatdozent Dr. Michael von Wolff und die Biologin Frau Dr. Inge Eberhardt die In vitro Maturation an. Auch die Universitätsfrauenklinik Lübeck hat die Methode in ihr Behandlungsspektrum aufgenommen.

In Heidelberg wird diese Behandlung bei Patientinnen mit polyzystischen Ovarien angewendet. Auch Patientinnen vor einer Chemotherapie haben diese Option im Rahmen eines großen Programms zum Fertilitätserhalt, welches in der Heidelberger Abteilung von Dr. von Wolff eingeführt wurde.

Zwillings-Schwangerschaft nach zwei Jahren unerfülltem Kinderwunsch

Das erfolgreich behandelte Heidelberger Paar hoffte bereits seit zwei Jahren vergebens auf eine Schwangerschaft. Ursache waren polyzystische Ovarien ohne Eisprung. Auch medikamentös konnte kein Eisprung ausgelöst werden. Da eine normale künstliche Befruchtung aufgrund der polyzystischen Ovarien mit einem hohen Risiko für ein Überstimulationssyndrom verbunden gewesen wäre, wurde der Patientin die In vitro Maturation angeboten. Nach sehr gering dosierter Hormonstimulation wurden acht Eizellen entnommen, über ca. 24 Stunden gereift und künstlich befruchtet. Insgesamt sechs der acht Eizellen konnten erfolgreich befruchtet werden; zwei Embryonen wurden Anfang August in die Gebärmutter eingesetzt.

Die Patientin konnte ihr Glück kaum fassen, dass sie nach so langer Zeit auf Anhieb und sogar mit Zwillingen schwanger wurde. Inzwischen ist die Zwillingsschwangerschaft in der 15. Woche, so dass das Risiko einer Fehlgeburt nur noch sehr gering ist.

Bei Rückfragen:

Privatdozent Dr. med. Michael von Wolff
Voßstrasse 9
69115 Heidelberg
E-Mail: Michael.von.Wolff@med.uni-heidelberg.de
Tel.: 06221-56 7856

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-heidelberg.de/gyn-endo-repro
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Weitere Berichte zu: Befruchtung Eizelle Hormon Maturation Ovarien

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Berner Forschende entdecken Schlaf-Wach-Schaltzentrale im Hirn
11.06.2018 | Universität Bern

nachricht Malaria: Kooperierende Antikörper verbessern Immunreaktion
08.06.2018 | Deutsches Krebsforschungszentrum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Dispensdruckkopf, Netzmodul und neuartiger Batteriespeicher

18.06.2018 | Messenachrichten

Brutpflege-Gen steuert Arbeitsteilung bei Ameisen

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics