Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie wir uns Gesehenes merken: RUB-Forscher in "NeuroImage"

28.10.2005


> Wann Bilder im Kopf zu Wörtern werden


Versuchsaufbau: Bilder und Wörter wurden den Probanden abwechselnd dargeboten.


Typisches Aktivierungsmuster während des Gedächtnistests.


> Erforscht: Wie wir uns Gesehenes merken
> RUB-Forscher berichten in NeuroImage

... mehr zu:
»NeuroImage »RUB-Forscher


Jeder kennt die Situation: Man wird aufgefordert sich einen Gegenstand, etwa einen Schuh, für kurze Zeit zu merken. Wäre es kein Bild, sondern ein Wort, könnte man es ständig wiederholen um es nicht zu vergessen. Wie aber funktioniert das mit einem kurz gesehenen Bild? Bislang nahm man an, man würde es sofort in den Begriff umwandeln und es sich in dieser Form merken. Dass das nicht stimmt, fand Dr. Boris Suchan (Lehrstuhl für Neuropsychologie, Prof. Dr. Irene Daum) in Zusammenarbeit mit der Abteilung Radiologie des RUB-Klinikums St. Josef-Hospital (Prof. Dr. Odo Köster) heraus. Mittels funktioneller Kernspintomographie und einem speziellen Gedächtnistest wies er nach, dass ein gesehenes Bild erst in dem Moment in den dazugehörigen Begriff umgewandelt wird, in dem die Versuchsperson das Wort tatsächlich hört. Die Ergebnisse sind in der renommierten Fachzeitschrift NeuroImage veröffentlicht.

Ständige Wiederholung gegen das Vergessen

Man geht davon aus, dass wir, um etwas in unserem Arbeitsgedächtnis zu speichern, es ständig wiederholen, um dem Vergessen entgegenzuwirken. Für diesen Prozess nutzen Wissenschaftler den Begriff des "Rehearsals", der Wiederholung. Wie aber können Bilder wiederholt werden? "Bisher ging man davon aus, dass Bilder zur Speicherung in ihren phonologischen Code, d.h. in Worte umgewandelt werden", erklärt Dr. Boris Suchan. "Wenn das so wäre, müsste es Versuchspersonen leichter fallen, Bilder zu erinnern, die sie zu einem späteren Zeitpunkt mit gesprochenen Worten vergleichen müssten, da sie der Modalität des Speicherungscodes eher entsprechen als das ursprüngliche Bild", folgert der Neurowissenschaftler.

Bild merken - Wort wiedererkennen

Auf der Basis dieser Annahme entwickelte er einen speziellen Gedächtnistest, bei dem er Versuchspersonen im Wechsel Bilder von Gegenständen und vorgesprochene Wörter darbot, die die Gegenstände repräsentierten. Die Versuchspersonen mussten sich einen Gegenstand merken und ihn dann unter den angebotenen Bildern oder Wörtern wieder erkennen. "In einigen Fällen war es so, dass die Gegenstände als Bild gezeigt, später aber als gesprochenes Wort abgefragt wurden oder umgekehrt", erläutert Suchan. Während des gesamten Tests beobachteten die Forscher die Gehirnaktivität der Versuchspersonen mit der funktionellen Kernspintomografie.

Parallelen zum Lippenlesen

So konnten sie zeigen, dass die Umwandlung des Bildes in das dazugehörige Wort entgegen bisheriger Annahmen erst dann passiert, wenn ein Bild mit einem gesprochenen Wort, das dem Bildinhalt entspricht, verglichen wird. Diese Umwandlung passiert im auditorischen Kortex, der Hirnregion, die hauptsächlich für die Verarbeitung gehörter Informationen zuständig ist. "Interessanterweise sind ähnliche Phänomene auch bei Menschen aufgezeigt worden, die Worte von den Lippen lesen", so Dr. Suchan. "Sie nehmen die sich bewegenden Lippen bildhaft wahr und formen das so gesehene dann in Wörter um." Weitere Hirnregionen, die an der Speicherung beteiligt sind, sind der präfrontale Kortex, ein Teil der Großhirnrinde direkt hinter der Stirn, und die primär gedächtnisrelevanten Hirngebiete Hippokampus und Thalamus.

Titelaufnahme

Boris Suchan, Britta Linnewerth, Odo Köster, Irene Daum, Gebhard Schmid: Cross-modal processing in auditory and visual working memory. In: NeuroImage 2005, doi:10.1016/j.neuroimage.2005.08.014, http://www.ruhr-uni-bochum.de/neuropsy/publikation/boris_suchan.html

Weitere Informationen

Dr. Boris Suchan, Institut für Kognitive Neurowissenschaft, Abt. Neuropsychologie; Ruhr Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel.: 0234/32-27575, E-Mail: boris.suchan@rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/neuropsy/publikation/boris_suchan.html

Weitere Berichte zu: NeuroImage RUB-Forscher

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie