Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Körperbildtherapie hilft bei Essstörungen: Frauen lernen sich anders wahrzunehmen

27.10.2005


Gruppentraining für Frauen mit Magersucht und Bulimie an der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie wird dauerhaft etabliert



Frauen mit Essstörungen haben oft ein sehr negatives Bild von ihrem eigenen Körper: Sie finden sich zu dick, unattraktiv und hässlich. Durch ein gezieltes Training können betroffene Frauen dieses negative Bild zumindest teilweise korrigieren und damit einen Grundstein zur Überwindung von Magersucht oder Bulimie legen. Dies ergaben Untersuchungen an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die in Zusammenarbeit mit der Ruhr-Universität Bochum durchgeführt wurden. Aufgrund der positiven Ergebnisse wird das Gruppentraining für Frauen mit Essstörungen an der Poliklinischen Institutsambulanz der Mainzer Universität sowie an der Universität Bochum nun als dauerhaftes Angebot eingerichtet.



Magersucht (Anorexia nervosa) und Ess-Brech-Sucht (Bulimie), die beiden häufigsten Essstörungen, gehen meist mit einer Störung des Körperbildes einher. Dies kann sich darin äußern, dass die Frauen sich als viel dicker wahrnehmen als sie tatsächlich sind oder ihren Körper völlig ablehnen. Wie in einem Teufelskreis führt dies wiederum dazu, dass diese Frauen es vermeiden, sich mit ihrem Körper auseinander zu setzen. Sie empfinden es als unerträglich, sich im Spiegel zu betrachten und tragen nur noch weit geschnittene, den Körper verhüllende Kleidung. Freizeitaktivitäten, wie z.B. ins Schwimmbad gehen, werden vermieden, da sich die Frauen wegen ihres Körpers schämen.

Für die dauerhafte Überwindung einer Essstörung ist der Aufbau eines positiveren Körperbildes ein zentraler Aspekt, der in der Vergangenheit oft vernachlässigt wurde. An den Universitäten in Mainz und Bochum wurde Frauen mit Magersucht und Bulimie ein Training angeboten, bei dem sie lernen sollten, sich ihrem Körper wieder anzunähern. "Durch praktische Übungen wie beispielsweise die Konfrontation mit der eigenen Figur per Video und Spiegel sollen die Frauen wieder zu einer realistischeren und positiveren Einschätzung ihres eigenen Körpers kommen", erläutert die Leiterin des Essstörungsschwerpunkts der Poliklinischen Institutsambulanz, Hochschulambulanz für Forschung und Lehre, Dr. Tanja Legenbauer.

Das Training bestand aus acht bis zehn 90-minütigen Gruppensitzungen und wurde zwischen Juli 2003 und dem Jahresbeginn 2005 in Mainz mit 24 Teilnehmerinnen und in Bochum mit 30 Teilnehmerinnen durchgeführt. "Während sich die Überschätzung der eigenen Körperausmaße durch die Körperbildtherapie nicht verbessert hat, zeigten sich deutliche Verbesserungen hinsichtlich der Bewertung des eigenen Körpers. Auch vermieden die Patientinnen nach dem Training nicht mehr so oft Situationen, in denen sie mit dem eigenen Körper konfrontiert waren und das Essverhalten besserte sich deutlich", sagte Legenbauer zum Therapieerfolg.

Dennoch ist es mit diesem einmaligen Gruppentraining in der Regel noch nicht getan. "Die Frauen müssen den positiven Impuls mitnehmen und sich auch anschließend mit der Problematik auseinandersetzen. Ein Teil der Patientinnen macht darum unterstützend bzw. nachfolgend eine Einzeltherapie", so Legenbauer. Dabei sei es auch wichtig, den Einfluss der Medien auf das Schlankheitsideal zu erkennen und sich davon unabhängig zu machen. "Neuere Untersuchungen an unserem Institut zeigen, dass sich figurbetonte Werbespots negativ auf die eigene Körperwahrnehmung auswirken."

Die Körperbildtherapie bei Essstörungen wird an der Poliklinischen Institutsambulanz nunmehr fest etabliert. Beginnend ab November sollen dann jährlich vier Gruppen mit jeweils sechs bis acht Teilnehmerinnen das Gruppentraining durchlaufen. Dieses Training wird nach einem Therapiemanual durchgeführt, das seit Oktober auch im Handel erhältlich ist: "Körperbildtherapie bei Anorexia und Bulimia Nervosa - Ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Behandlungsprogramm" von Silja Vocks und Tanja Legenbauer. Im Februar 2005 wurde bereits der Ratgeber zum Gruppenprogramm veröffentlicht, den die Teilnehmerinnen erhalten: "Wer schön sein will muss leiden? Wege aus dem Schlankheitswahn - ein Ratgeber".

Kontakt und Informationen:
Dr. Tanja Legenbauer
Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. 06131 39-22442
Fax 06131-3934623
E-Mail: legenbau@uni-mainz.de

Dr. Silja Vocks
Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie
Ruhr-Universität Bochum
Tel. 0234 3223106
Fax 0234 3214304
E-Mail: vocks@kli.psy.ruhr-uni-bochum.de

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://psycho.sowi.uni-mainz.de/abteil/kl/subsites/esstoerungen/koerperbild.html
http://www.uni-mainz.de

Weitere Berichte zu: Bulimie Essstörung Körperbildtherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schwere Infektionen bei Kindern auch in der Schweiz verbreitet
26.07.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie