Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf Proteinsuche in Netzhaut und Nervenzellen

25.10.2005


Die Netzhaut des Auges enthält nicht nur die sensorischen Photorezeptorzellen, die das Licht wahrnehmen. Am Sehvorgang sind mehr als 50 verschiedene Nervenzelltypen beteiligt. So dient die Netzhaut der Wissenschaft gleichzeitig als relativ einfaches Modell für das Zentrale Nervensystem (ZNS).



Für den Sehprozess müssen im Laufe des Lebens schätzungsweise 25.000 verschiedene Gene in der Netzhaut angeschaltet werden. Viele von ihnen sind ausschließlich in Nervenzellen aktiv. Weltweit arbeiten mehrere Gruppen von Wissenschaftlern daran, diese Gene und ihre Produkte zu erforschen. Sie alle hoffen darauf, neue Einblicke in den molekularen Aufbau und die Funktion der Netzhaut und anderer Gehirnstrukturen zu gewinnen.



Das gilt auch für Heidi Stöhr vom Institut für Humangenetik der Uni Würzburg. Sie hat in den vergangenen Jahren eine Studie koordiniert, die vom Deutschen Humangenomprojekt gefördert wurde. Ziel war die Erstellung eines Genkatalogs der menschlichen Netzhaut. Durch die Studie war die Würzburger Wissenschaftlerin an der Identifizierung zahlreicher, bisher unbekannter Gene beteiligt, die für Netzhaut und Nervenzellen spezifisch sind.

Eine Auswahl dieser Gene und der darin verschlüsselten Proteine hat sie nun an der Universität von British Columbia in Vancouver (Kanada) mit molekularbiologischen Methoden charakterisiert. Ihre Forschungsaufenthalte dort wurden durch ein Stipendium aus der Jubiläumsstiftung zum 400-jährigen Bestehen der Universität gefördert.

Einige der neuen Proteine befinden sich ganz spezifisch an den Synapsen der Netzhaut, also an den Kontaktstellen zwischen Nervenzellen. Synapsen spielen im Nervensystem eine zentrale Rolle, und zwar bei der Informationsweiterleitung sowie bei Lern- und Gedächtnisprozessen. Wenn ihre Funktion gestört ist, kann das zu Netzhautdegenerationen mit schwerer Beeinträchtigung der Sehkraft und zu anderen neuronalen Erkrankungen führen, beispielsweise zur Epilepsie.

Der Untergang von Nervenzellen kann aber auch andere Ursachen haben. So enthalten die lichtempfindlichen Zellen der Netzhaut winzig kleine Strukturen, die mit den feinen Flimmerhärchen (Zilien) verwandt sind, die viele Hohlräume des Körpers auskleiden. Auch an dieser bisher wenig erforschten Stelle ist Heidi Stöhr bestimmten Molekülen auf der Spur - denn Mutationen in den Proteinen der Zilien stehen in Zusammenhang mit erblichen Netzhauterkrankungen, wie zum Beispiel der Retinitis Pigmentosa oder dem Bardet-Biedl-Syndrom. Bei beiden Krankheiten lässt die Sehkraft bis hin zur Erblindung nach.

In derzeit laufenden Projekten erforscht die Wissenschaftlerin die Rolle der neuen Synapsen- und Zilienproteine in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Immunbiologie in Freiburg. Die Grundlage für diese Arbeiten wurde durch die Förderung aus der Jubiläumsstiftung gelegt.

Weitere Informationen:
PD Dr. Heidi Stöhr,
T (0931) 888-4090,
Fax (0931) 888-4069,
E-Mail: heidi.stoehr@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: Nervensystem Nervenzelle Netzhaut Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie