Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nachhilfe für die Strahlentherapie

21.10.2005


Verbessert eine Kombination von Strahlentherapie und der Blockade von Integrinen, Schlüsselmolekülen der Angiogenese, die Heilungschancen bei Krebs?



Immer mehr Krebspatienten können heute durch Strahlentherapie - allein oder in Kombination mit Chirurgie oder Chemotherapie - geheilt werden. Im Deutschen Krebsforschungszentrum suchen Wissenschaftler der Klinischen Kooperationseinheit Strahlentherapie unter der Leitung von Professor Dr. Dr. Peter Huber nach Möglichkeiten, die Wirksamkeit dieser Behandlungsform weiter zu verbessern. Eine Achillesferse des Tumors, die die Forscher dabei anvisieren, ist die Neubildung von Blutgefäßen, Angiogenese genannt.



Tumoren sind ab der Größe eines Stecknadelkopfes auf Versorgung durch die Blutgefäße angewiesen. Werden ihnen diese Lebensadern abgeschnitten, kommt das Tumorwachstum zum Stillstand. Um die Gefäßneubildung zu unterdrücken, sind Integrine ein geeigneter Angriffspunkt. Die rund 20 Mitglieder dieser Proteinfamilie koordinieren die Wechselwirkung von Zellen untereinander und regulieren den Kontakt mit der umgebenden Proteinmatrix. Bei der Formierung neuer Blutgefäße sind Integrine unverzichtbar.
Die Heidelberger Forscher testeten erstmals eine Kombination aus Bestrahlung und dem Medikament S247, einer Substanz, die die Funktion der Integrine gezielt blockiert. Bei Untersuchungen in der Kulturschale wirkt die Kombitherapie sowohl gegen Tumorzellen als auch gegen gefäßbildende Endothelzellen wesentlich besser als Bestrahlung allein. Die Kombination wurde auch an Mäusen geprüft, denen Tumoren des Menschen (Glioblastom, Haut- und Prostatakrebs) transplantiert worden waren. Hier verlangsamten beide Behandlungsformen gemeinsam das Tumorwachstum ohne erkennbare Toxizität mehr als doppelt so stark wie eine der Einzeltherapien. Außerdem bildeten Tumoren der kombiniert behandelten Tiere deutlich weniger Blutgefäße.


Wie die Wissenschaftler zeigten, rührt der synergistische Effekt der Kombination daher, dass die Integrin-Blockade einen Angiogenese fördernden Effekt der Strahlen neutralisiert: Als Überlebensstrategie reagieren Endothelzellen mit einer Steigerung ihrer Integrinproduktion auf die Bestrahlung. Dadurch dringen sie leichter in das Tumorgewebe vor. Der Wirkstoff S247 wirkt diesem Effekt entgegen, außerdem fördert die Substanz den programmierten Zelltod von Endothelzellen.

Die Forscher ermitteln nun den optimalen zeitlichen Abstand zwischen Medikament und Bestrahlung, um anschließend in klinischen Studien zu prüfen, ob die Integrin-Inhibitoren auch bei Patienten die Heilungschancen einer Krebstherapie verbessern.

Dr. Julia Rautenstrauch | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

Weitere Berichte zu: Angiogenese Blutgefäß Endothelzelle Strahlentherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

500 Kommunikatoren zu Gast in Braunschweig

20.11.2017 | Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Künstliche neuronale Netze: 5-Achs-Fräsbearbeitung lernt, sich selbst zu optimieren

20.11.2017 | Informationstechnologie

Tonmineral bewässert Erdmantel von innen

20.11.2017 | Geowissenschaften

Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie