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Seed - Behandlung erweitert Therapieangebot für Prostatakrebspatienten

20.10.2005


Seit Juni dieses Jahres führt ein Expertenteam aus Urologen und Strahlentherapeuten im Klinikum rechts der Isar (Technischen Universität München) die sogenannte Seedtherapie durch. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, mit dem Prostatakrebs von innen bestrahlt wird. Die Patienten erhalten dafür unter einer kurzen Narkose kleine radioaktive Metallstäbchen (Seeds) in die Prostata implantiert. Im Laufe von mehreren Monaten geben die Implantate ihre Strahlung an das in unmittelbarer Nähe liegende Gewebe ab und zerstören so den Tumor.



Geringe Risiken



Prostatakrebspatienten im Klinikum rechts der Isar steht mit dieser Bestrahlung "von innen" neben der Operation und der Bestrahlung "von außen" eine weitere Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung. Grundsätzlich sind die Heilungschancen für einen rechtzeitig entdeckten Prostatakrebs im frühen Stadium mit allen drei Methoden gleich gut. Nach zehn Jahren unterscheidet sich die Sterblichkeit der therapierten Patienten nicht von einer vergleichbaren Altersgruppe, die nie an Prostatakrebs erkrankte. Auch sind alle drei Therapien mit geringen dauerhaften Nebenwirkungen verbunden, die den Darm oder die Harnröhre betreffen. Die Seedbehandlung kann die Lebensqualität aufgrund geringerer Nebenwirkungen verbessern. Ein weiterer Vorteil der Bestrahlung von innen: Die Patienten können entweder am Tag der Therapie oder nach einem kurzen stationären Aufenthalt die Klinik wieder verlassen.

Arzt und Patient entscheiden gemeinsam

Welche Methode die beste für den Patienten ist, entscheidet ein interdisziplinäres Team aus Urologen und Strahlentherapeuten gemeinsam mit dem Patienten. Dabei spielen nicht nur objektive Kriterien wie Tumorstadium, Alter und Begleiterkrankungen eine Rolle, sondern auch die Wünsche des Patienten. "Mancher Patient fühlt sich wohler, wenn er weiß, dass der Krebs in einer Operation herausgeschnitten wird. Ein anderer bevorzugt die Strahlentherapie. In jedem Fall können wir den Patienten alle Therapiemöglichkeiten unter einem Dach anbieten", erläutert Prof. Dr. Rudolf Hartung, Direktor der Urologischen Klinik im Klinikum rechts der Isar.

Immer wichtiger wird auch die Kombination der verschiedenen Therapiemöglichkeiten. "Für eine individuell auf den Patienten abgestimmte Therapie ist es optimal, wenn Urologen und Strahlentherapeuten gemeinsam die Behandlung planen. Dieses entspricht auch dem interdisziplinären Charakter des Klinikums rechts der Isar", betont Prof. Michael Molls, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie.

Große Erfahrung

Der Erfolg der Seedtherapie hängt unter anderem von der Erfahrung des Ärzteteams ab. Im Klinikum rechts der Isar werden die Patienten gemeinsam von einem Urologen und einem Strahlentherapeuten behandelt, die bereits Erfahrung mit über 400 Seed-Behandlungen haben: Privatdozent Dr. Thomas Block und Privatdozent Dr. Frank Zimmermann. Großen Wert legen die beiden Mediziner auf eine intensive Qualitätskontrolle. Daher führten sie eine zusätzliche Kontrolltechnik ein, die nur wenige Kliniken in Deutschland anbieten. Mithilfe der technisch sehr aufwändigen "Realtime-Dosisüberprüfung" ermittelt der Arzt während der Implantation der Seeds mittels Ultraschall und Röntgen die aktuelle Dosisverteilung. Dadurch ist es den Ärzten möglich, noch während der Behandlung Korrekturen vorzunehmen, um eine optimale Dosisverteilung zu erzielen. So können Darm und die Harnröhre so weit wie möglich geschont und die akuten und langfristigen Nebenwirkungen weiter verringert werden.

Gute Ergebnisse

Die Seed-Behandlung wird bereits seit über dreißig Jahren durchgeführt. Durch die langjährige Erfahrung und die Einbeziehung moderner Technik ist ihre Bedeutung stetig gewachsen. Im Mai 2005 stellte Dr. Thomas Block auf dem Jahreskongress der Deutschen Strahlentherapeuten die neuesten Behandlungsergebnisse der Arbeitsgruppe vor: Von rund 100 Patienten waren 94,4% der Patienten auch knapp vier Jahre nach der Seed-Behandlung noch tumorfrei. Kein Patient litt unter unwillkürlichem Harnabgang. Die Potenz blieb bei über 70% der Krebspatienten erhalten. "Ich gehe davon aus, dass wir die Ergebnisse halten oder verbessern können", betont Privstdozent Dr. Thomas Block. "Zum einen, weil wir durch die Dosisüberprüfung die Wirksamkeit verbessern. Zum anderen, weil durch die genaue Verfolgung der Strahlenbelastung von Harnröhre und Enddarm die Nebenwirkungen deutlich geringer ausfallen."

Das urologische und strahlentherapeutische Team bietet am Klinikum rechts der Isar eine gemeinsame interdisziplinäre Sprechstunde zur Behandlung des Prostatakarzinoms an: Jeden Mittwoch ab 14:00 Uhr in der Urologischen Klinik im Klinikum rechts der Isar, Ismaninger Str. 22, 81675 München (telefonische Vereinbarung unter: 089 4140 2590)

Dr. Fabienne Hübener | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.tu-muenchen.de

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