Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fettdiät nach Operation beschleunigt Heilung

19.10.2005


Nahrung hilft Darmbakterien bei Laune zu halten



Eine Dosis Fett in der Nahrung hilft Darmbakterien beim Überleben - und das sorgt nach neuesten Erkenntnissen für eine deutliche Verringerung von Komplikationen nach einer Operation. Im Rattenversuch konnten holländische Forscher zeigen, dass Fett einen Botenstoff, der eine Darmentzündung verhindern kann, aktiviert. Das berichtet die Online Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature.



Normalerweise werden Patienten dazu aufgefordert vor einer Operation nicht zu essen, um einem möglichen Erbrechen während der Anästhesie vorzubeugen. Wim Buurmann und sein Team von der Universität Maastricht sind nun aber überzeugt, dass genau jene schützenden Fette plötzlich fehlen und dadurch ein erhöhtes Risiko für etwaige Komplikationen besteht. "Es gibt einen eindeutigen Trend in der modernen Chirurgie, der dahin geht, Patienten auch vor der Operation noch Nahrung zu verabreichen", erklärt der Wissenschaftler.

Normalerweise leben Menschen in stillem "Übereinkommen" mit ihren Darmbakterien - viele von diesen produzieren wertvolle Nährstoffe und sorgen für Gesundheit im Körper. Unter gewissen Umständen können diese Mikroben allerdings eine Entzündung als Antwort hervorrufen und "bombardieren" Immunzellen den Darm. Eine Überreaktion in Form einer Entzündung ist wahrscheinlich die Ursache zahlreicher Darmerkrankungen nach Unfällen oder Operationen. Das Ergebnis sind Schockzustände und sogar eine mögliche fatale Sepsis. Buurmann und sein Team hatten bei Ratten festgestellt, dass diese Schockwirkungen nach der Gabe von Fett nicht auftraten. Der Grund für diese Reaktion liegt nach Ansicht der Forscher in einem Neurotransmitter namens Acetylcholin. Fett sorgt nämlich dafür, dass dieser Neurotransmitter, der Entzündungen verhindert, produziert wird. Tatsächlich konnten die Forscher dies bei Ratten feststellen, die ein Molekül erhielten, das die Wirkung des Neurotransmitters aussetzt. Die Folge war die Entwicklung einer Entzündung.

"Ob dies nun auch beim Menschen ebenso ist, wie bei Ratten, bleibt eine Frage", meint etwa der Entzündungsexperte Kevin Tracey vom Feinstein Institute of Medical Research in Manhasset New York. Allerdings gebe es zahlreiche Hinweise, dass Fett auch beim Menschen solche durchaus positiven Effekte habe. "Bei Fetten muss deutlich unterschieden werden, um welche es sich handelt", betont die Ernährungswissenschaftlerin Petra Rust vom Institut für Ernährungswissenschaften an der Universität Wien im pressetext-Interview. "Omega-3-Fettsäuren wie sie etwa in Fisch und Fischölen vorkommen sind bekannt dafür, dass sie eine anti-inflammatorische Wirkung haben", erklärt die Wissenschaftlerin. Aber auch gesättigte Fettsäuren wie sie in Fleisch vorkommen, erzeugen bei der Fettsäureoxidation Acetylchlorin. Im Hinblick auf die postoperative Ernährung betont die Forscherin, dass diese leider häufig "stiefmütterlich" behandelt werde. "Nicht nur Fette, sondern auch Proteine fehlen den frisch-Operierten oft", so die Expertin abschließend.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nature.com

Weitere Berichte zu: Darmbakterium Fettdiät Neurotransmitter

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
21.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

nachricht Schnelltests für genauere Diagnose bei Hirntumoren
17.05.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics