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Krebsfrüherkennung bei Hochrisikofamilien

20.09.2001


Deutsche Krebshilfe fordert Kostenübernahme

"Bei Mitgliedern von Familien mit erblich bedingten Krebserkrankungen müssen die Kosten für die Beratung, für den Gentest und für die engmaschigen Früherkennungsuntersuchungen von den Krankenkassen übernommen werden!". Dies forderte Professor Dr. Peter Propping, Direktor des Instituts für Humangenetik der Universität Bonn und stellvertretender Vorsitzender des Medizinischen Beirates der Deutschen Krebshilfe, im Rahmen des Symposiums "Krankheiten mit erblicher Krebsdisposition". Rund 120 Experten diskutierten am 18. und 19. September 2001 in Bonn über die Effektivität der Früherkennung erblicher Tumoren. Ihr Fazit: Die Heilungschancen der Betroffenen können durch engmaschige Untersuchungen erheblich verbessert werden.

Krebs ist ein genetischer Unfall, darin sind sich Wissenschaftler seit langem einig: Veränderungen in den Genen, die das Wachstum einer Zelle regulieren, führen zu "defekten Wachstumsbremsen". Die Zelle beginnt sich unkontrolliert zu teilen. Ihre Tochterzellen vagabundieren über die Blut- und Lymphbahnen zu anderen Organen und zerstören sie letztendlich. Doch warum erkranken in manchen Familien besonders viele Verwandte an Krebs, während andere verschont bleiben? "Die meisten Krebskrankheiten entstehen spontan, doch fünf bis zehn Prozent der Betroffenen haben ein Krebs-Gen von einem Elternteil geerbt und können es an ihre eigenen Nachkommen weitergeben", sagte Professor Propping. In diesen Familien treten bestimmte Krebsarten daher gehäuft auf. Dazu gehören etwa die erblich bedingten Formen des Brust- und Darmkrebses, die Neurofibromatose, eine bösartige Veränderung der Nervenzellen, die multiple endokrine Neoplasie, bei der es zu Krebserkrankungen der Drüsen kommt, sowie das Retinoblastom, ein Tumor des Auges. Allen erblich bedingten Tumorerkrankungen ist gemeinsam, dass die Betroffenen meist in jungen Jahren erkranken.

Die Möglichkeiten und die Effizienz der Früherkennung dieser erblich bedingten Krebserkrankungen standen daher im Mittelpunkt des Symposiums, das die Deutsche Krebshilfe gemeinsam mit der Deutschen Krebsgesellschaft veranstaltete. Alle Experten waren sich einig: Die Identifizierung der krankmachenden Gene und ihre molekulargenetische Analyse hat die Früherkennung maßgeblich verbessert. Träger einer veränderten Erbanlage müssen engmaschig untersucht werden, damit die Tumoren früh genug erkannt und damit geheilt werden können. Das Gleiche gilt für Personen, die ein hohes Erkrankungsrisiko tragen, sich aber gegen einen Gentest entschieden haben. Es seien jedoch noch weitere Studien erforderlich, um herauszufinden, in welchen Zeitabständen Früherkennungsuntersuchungen erforderlich sind und welche Verfahren am geeignetsten sind.

Dies stellten auch die Wissenschaftler des Verbundprojektes "Familiärer Brust- und Eierstockkrebs" fest. Das Projekt wurde bereits 1996 von der Deutschen Krebshilfe initiiert. Um ein möglichst flächendeckendes Netz von Anlaufstellen zu etablieren, in denen Frauen mit erblich bedingtem Brust- und Eierstockkrebs geholfen wird, hat die Deutsche Krebshilfe mit fast 25 Millionen Mark die Einrichtung von Zentren in Bonn, Berlin, Düsseldorf, Dresden, Frankfurt, Heidelberg, Kiel, Leipzig, München, Münster, Ulm und Würzburg unterstützt. In den beteiligten Kliniken arbeiten Frauenärzte, Humangenetiker, Molekulargenetiker und Psychologen eng zusammen und betreuen die ratsuchenden Familien nach einem bundesweit einheitlichen Konzept. Mittlerweile wurden über 3.000 Familien in Tumor-Risikosprech-stunden beraten. 40 Prozent der Ratsuchenden konnten beruhigt werden: Aufgrund ihrer Familienkonstellation ist kein erhöhtes Brustkrebsrisiko anzunehmen. "Ein Gentest entlastet nicht nur viele Mitglieder aus Risikofamilien, sondern bedeutet letztendlich auch eine Kostenersparnis für die Krankenkassen", so Professor Propping.

Der Erfolg des Verbundprojektes "Familiärer Brust- und Eierstockkrebs" zeigt nach Ansicht der Ärzte, dass großer Handlungsbedarf besteht. Nun sei es an der Zeit, mit den Krankenkassen über die weitere Finanzierung zu sprechen. "Die Deutsche Krebshilfe fördert das Brustkrebs-Projekt noch bis Ende 2003. Uns ist es jedoch nicht möglich, Dauerfinanzierungen zu übernehmen. Maßnahmen, die nachweislich die Versorgung von Krebspatienten verbessern, müssen von den Krankenkassen finanziert werden", sagte Gerd Nettekoven, Geschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. Er kündigte daher an, zunächst gemeinsam mit Vertretern des Verbundprojektes Gespräche mit den Krankenkassen zu suchen und hofft dabei auf positive Resonanz.

Dr. med. Eva M. Kalbheim-Gapp | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de/

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