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Herzspezialisten: Diagnose "Matabolisches Syndrom" führt in die Irre

06.10.2005


29. Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, 16. Jahrestagung der Arbeitsgruppen Herzschrittmacher und Arrhythmie; 6. bis 8. Oktober 2005 in Dresden



Eine deutliche Absage erteilten deutsche Herzspezialisten jetzt dem Konzept "Metabolisches Syndrom" ("Tödliches Quartett"), das gemeinhin als Vorstufe von Diabetes, Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Krankheiten gilt. Es wird kritisiert, dass die Definitionen dieses Syndroms voneinander abweichen, dass unklar sei, welche Risikofaktoren welchen Stellenwert haben, und dass in vielen Fällen die Summe aller Risikofaktoren keineswegs gefährlicher sei als die einzelnen. Die moderne Medizin schreibe Millionen Menschen eine angebliche Krankheit zu, die nicht auf sicheren Fundamenten steht. Vielmehr sei noch intensive Forschung erforderlich, hieß es auf dem deutschen Kardiologenkongress in Dresden. Das Matabolische Syndrom wird häufig so definiert, dass mindestens drei der folgenden Risikofaktoren vorliegen müssen: zu großen Hüftumfang, überhöhte Tryglyzerid-Werte, überhöhter Blutdruck, zu niedriges ("gutes") HDL-Cholesterin, erhöhte Blutzuckerwerte. Es existieren auch eine Reihe anderer, davon abweichender Definitionen.

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Dresden, Donnerstag 6. Oktober 2005 - Das Konzept des "Matabolischen Syndroms" muss völlig neu überdacht werden, fordern deutsche Herzspezialisten. Das häufig auch als "Tödliches Quartett" bezeichnete Metabolische Syndrom, das weithin als Vorstufe von Typ-2-Diabetes, Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt, sei nicht eindeutig definiert und werde uneinheitlich verwendet. Außerdem sei nicht eindeutig geklärt, wie - und ob - es therapiert werden soll, hieß es bei der 29. Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und der 16. Jahrestagung der Arbeitsgruppen Herzschrittmacher und Arrhythmie, auf der von 6. bis 8. Oktober 2005 im Congress Center in Dresden rund 2500 Herzspezialisten zusammentreffen.

"Wir sollten bei unseren Patienten besser nicht ein ’Metabolisches Syndrom’ diagnostizieren, weil sie sonst glauben, dass er sich dabei um eine Krankheit handelt", sagt Prof. Dr. Diethelm Tschöpe, Bad Oeynhausen. "Tatsächlich jedoch weisen solche Patienten bloß ein Bündel Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen auf, die sich jedoch in vielen Fällen nicht zu einem höhern Risiko aufaddieren, als es die einzelnen Risikofaktoren mit sich bringen."

Es existiert keine magische Kombination von Risikofaktoren, die eine eigene Krankheit darstellt

Unklare Definition, Das Matabolische Syndrom wird mitunter so definiert, dass mindestens drei der folgenden Risikofaktoren vorliegen müssen: zu großen Hüftumfang, überhöhte Tryglyzerid-Werte, überhöhter Blutdruck, zu niedriges ("gutes") HDL-Cholesterin, erhöhte Blutzuckerwerte. Allerdings sind noch eine Reihe weiterer, davon abweichender Definitionen gebräuchlich. "Individuell betrachtet ist jede der genannten Erscheinungen ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten, der therapiert werden sollte", so Prof. Tschöpe. "Allerdings gibt es keine magische Kombination von Risikofaktoren, die eine eigene Krankheit darstellt, oder das Herz-Kreislauf-Risiko einer Person explosiv ansteigen lässt."

Unklare Definition führt zu irreführenden Diagnosen

Die Definitionen des Metabolischen Syndroms stimmen nicht einmal in der Frage überein, welche HDl-Cholesterin-Werte als "niedrig" zu betrachten sind und welche Blutdruck-Werte als "hoch" zu gelten haben. "In der Folge sind Studienergebnisse, die einen Zusammenhang zwischen den Kombinationen solcher Faktoren und dem Risiko einer Herzkrankheit behaupten, völlig inkonsistent", kritisiert Prof. Tschöpe. "Wir brauchen noch sehr viel Forschungsarbeit, bevor die Bezeichnung solcher Kombinationen von Risikofaktoren als Syndrom gerechtfertigt ist, und bevor der klinische Nutzen dieses Konzepts klar erkennbar ist."

Erforderlich sei zunächst einmal eine kritische Analyse der Frage, wie genau das Metabolische Syndrom überhaupt definiert werden soll. Anschließend sei zu klären, ob alle Risikofaktoren gleich bedeutsam sind, und schließlich, ob bestimmte Kombinationen von zwei, drei oder vier konkreten Risikofaktoren ein größeres Herz-Kreislauf-Risiko mit sich bringen als andere Kombinationen.

Das Konstrukt des Metabolischen Syndroms war sinnvoll, um die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass gewisse Risikofaktoren für Koronare Herzkrankheiten bei bestimmten Menschen zur Clusterbildung neigen. Prof. Tschöpe: "Die vorliegende Datenlage und die fehlenden Informationen werfen allerdings die Frage auf, ob es zu rechtfertigen ist, dass die medizinische Wissenschaft Millionen Menschen eine angebliche Krankheit zuschreibt, die nicht auf sicheren Fundamenten steht."

Im Detail, so der Herz-Spezialist, sollten Patienten mit Diabetes oder klinischen/ diagnostizierten Herz-Kreislauf-Krankheiten von der Diagnose Metabolisches Syndrom ausgeschlossen werden, weil diese keinen zusätzlichen Nutzen bringt. Diese Krankheiten müssen jedenfalls angemessen behandelt werden.

Kontakt:
Prof. Dr. Eckart Fleck, Berlin (Pressesprecher der DGK)
Christiane Limberg, Düsseldorf (Pressereferentin der DGK), D-40237 Düsseldorf, Achenbachstr. 43, Tel.: 0211 / 600 692 - 61; Fax: 0211 / 600 692 - 67 ; Mail: limberg@dgk.org
Roland Bettschart, Bettschart & Kofler Medien- und Kommunikationsberatung GmbH; Mobil: 0043-676-6356775; bettschart@bkkommunikation.at

Christiane Limberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgk.org

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