Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Herbst-Winter-Depressionen" oder depressive Verstimmung?

30.09.2005


Zweiter Europäischer Depressionstag soll über Krankheit aufklären und informieren



Für Donnerstag, 6. Oktober 2005, hat die European Depression Association zum zweiten Mal den Europäischen Depressionstag ausgerufen. Die Koordination in Deutschland übernimmt Privatdozent Dr. Detlef Dietrich aus der Abteilung Klinische Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH): "Die Welt-Gesundheits-Organisation geht davon aus, dass bis zum Jahr 2020 die Depression die weltweit führende Krankheitsursache neben den Herz-Gefäß-Erkrankungen sein wird. Hinzu kommt, dass ein größerer Teil der Betroffenen als depressiv Erkrankte nicht richtig erkannt und oft auch nicht adäquat versorgt wird." Oberstes Ziel der European Depression Association sei es deshalb, die Aufmerksamkeit für diese Erkrankung bei Patienten, Angehörigen, bei Ärzten, Pflegekräften und öffentlichen Entscheidungsträgern zu erhöhen sowie Informationsdefizite abzubauen.

... mehr zu:
»Depression »Psychotherapie »SAD


Dass vor allem im Herbst, wenn die Tage kürzer und dunkler werden, depressive Erkrankungen vorkommen, ist allerdings ein Irrtum. "Depressionen beginnen das gesamte Jahr über und nehmen im Herbst und Winter kaum zu", sagt Diplompsychologe Tim Pfeiffer-Gerschel vom Kompetenznetz Depression, Suizidalität und tätig in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die "Saisonal Abhängige Depression" (SAD), eine Unterform der depressiven Erkrankung, trete jedoch zu dieser Jahreszeit auf. Etwa ein Prozent der Bevölkerung ist davon betroffen. Typische Symptome sind mangelnde Energie und verminderter Antrieb aber auch eine gedrückte Stimmung, Schuldgefühle und Freudlosigkeit. Im Gegensatz zu anderen Formen der Depression treten allerdings weder Schlafstörungen noch Appetitlosigkeit auf.

Wissenschaftler vermuten, dass der Mangel an natürlichem Tageslicht und die verminderte Lichtintensität während der dunkleren Monate verantwortlich für SAD sind. Durch den Lichtmangel werden im Gehirn bestimmte biochemische Veränderungen ausgelöst, die die Depression hervorrufen könnten. Die vermehrte Bildung des Hormons Melatonin, das unter anderem den Schlaf- und Wachrhythmus des Körpers beeinflusst, könnte dazu führen, dass manche Menschen sich schlapp und schläfrig fühlen. Ob man an SAD leidet oder ob es sich nur um eine depressive Verstimmung handelt, ist für den Laien oft schwer zu erkennen.

SAD wird wie andere Formen der Depression auch mit Hilfe antidepressiver Medikamente und psychotherapeutischen Verfahren behandelt. Zusätzlich kann die Behandlung durch eine gezielte Lichttherapie ergänzt werden, die den natürlichen Lichtmangel ausgleicht. Auch ein langer Spaziergang in der Herbstsonne ist ideal. Nebeneffekt hierbei ist außerdem frische Luft und Bewegung, was sich zusätzlich positiv auswirkt.

Grundsätzlich gilt: Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe seines Lebens an einer Depression zu erkranken, liegt bei fünf bis 15 Prozent. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Auffällig ist auch das hohe Suizidrisiko: Etwa zehn bis 15 Prozent der schwer depressiven Patienten sterben durch Selbsttötung. Unter www.kompetenznetz-depression.de können Betroffene im Internet einen ersten Selbsttest machen, zur genaueren Klärung sollte allerdings ein Arzt aufgesucht werden.

Dabei gibt es viele Formen der Krankheit. "Wir kennen unterschiedliche Gesichter der Depression", sagt Professor Dr. Dr. Hinderk Emrich, Direktor der MHH-Abteilung Klinische Psychiatrie und Psychotherapie. Häufig löst das Phänomen des "Verlustes" - zum Beispiel ein Verlust der Geborgenheit, des Partners, der Heimat - eine Depression aus. Bei der Dysthymie hingegen nehmen Menschen immer alles schwer und hadern mit ihrem Schicksal - Ursache ist da oft ein früher seelischer Konflikt. Auch bei organischen Hirnerkrankungen wie einem Schlaganfall kann sich als Folge eine depressive Stimmungslage entwickeln. "Manchmal versteckt sich die Krankheit wie eine Larve hinter körperlichen Symptomen, wir sprechen dann von einer larvierten Depression", sagt Professor Emrich. Eine weitere Form: wiederkehrende Schübe, teilweise auch mit manischen Phasen. Die Ursache für diese so genannten bipolaren Störungen vermuten die Experten heute in Veränderungen von Hirnbotenstoffen. Und schließlich begleitet eine Depression oft andere psychische Erkrankungen wie eine wahnhafte Psychose oder beim Kokainentzug. "Auch hier müssen wir die Depression ernst nehmen, da diese Patienten stark suizidgefährdet sind."

Wenn Sie einen Experten als Interviewpartner suchen, wenden Sie sich gern an Privatdozent Dr. Detlef Dietrich (siehe unten) oder an das Kompetenznetz Depression, www.kompetenznetz-depression.de.

Weitere Informationen gibt gerne Privatdozent Dr. Detlef Dietrich, Abteilung Klinische Psychatrie und Psychotherapie der MHH, unter Telefon: (0511) 532-6749/-6748, Fax: (0511) 532-2415, E-Mail: edd@mh-hannover.de.

Kompetenznetz Depression, Suizidalität
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit - Anke Schlee
Nußbaumstraße 7 - 80336 München
Telefon: (089) 5160-5553 - Fax: (089) 5160-5557
E-Mail:anke.schlee@med.uni-muenchen.de

Medizinische Hochschule Hannover
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit - Dr. Arnd Schweitzer
Telefon: (0511) 532-6771 - Fax: (0511) 532-3852
E-Mail: pressestelle@mh-hannover.de

Dr. Arnd Schweitzer | idw
Weitere Informationen:
http://www.kompetenznetz-depression.de

Weitere Berichte zu: Depression Psychotherapie SAD

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

nachricht Chronische Wunden können heilen
16.10.2017 | Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum - Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Im Focus: Astronomen entdecken ungewöhnliche spindelförmige Galaxien

Galaxien als majestätische, rotierende Sternscheiben? Nicht bei den spindelförmigen Galaxien, die von Athanasia Tsatsi (Max-Planck-Institut für Astronomie) und ihren Kollegen untersucht wurden. Mit Hilfe der CALIFA-Umfrage fanden die Astronomen heraus, dass diese schlanken Galaxien, die sich um ihre Längsachse drehen, weitaus häufiger sind als bisher angenommen. Mit den neuen Daten konnten die Astronomen außerdem ein Modell dafür entwickeln, wie die spindelförmigen Galaxien aus einer speziellen Art von Verschmelzung zweier Spiralgalaxien entstehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Wenn die meisten Menschen an Galaxien denken, dürften sie an majestätische Spiralgalaxien wie die unserer Heimatgalaxie denken, der Milchstraße: Milliarden von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

bionection 2017 erstmals in Thüringen: Biotech-Spitzenforschung trifft in Jena auf Weltmarktführer

13.10.2017 | Veranstaltungen

Tagung „Energieeffiziente Abluftreinigung“ zeigt, wie man durch Luftreinhaltemaßnahmen profitieren kann

13.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-Quelle

16.10.2017 | Physik Astronomie

Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt

16.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren

16.10.2017 | Förderungen Preise