Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DSG: Lysetherapie auch im klinischen Alltag sicher und wirksam

30.09.2005


Eine so genannte Thrombolyse (oder Lysetherapie) könnte mehr Schlaganfall-Patienten als bisher helfen. Viele Ärzte setzen die Therapie jedoch trotz guter Ergebnisse in klinischen Studien nicht ein. Eine aktuelle Untersuchung aus Kanada belegt jetzt, dass die Behandlung nicht nur unter optimalen Studienbedingungen, sondern auch im normalen Klinikalltag gute Ergebnisse erzielt. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft hofft nun auf eine höhere Akzeptanz der Behandlung, die zur Zeit in Deutschland erst bei rund drei Prozent der Schlaganfallpatienten durchgeführt wird.


"Den Schlaganfallpatienten in Deutschland wird sicher zur Zeit mehr Schaden durch die ’nicht-Anwendung’ der Thrombolyse zugefügt, als durch deren Anwendung", sagt Professor Dr. med. Martin Grond aus dem Vorstand der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft. Je schneller ein Arterienverschluss sich auflöst, desto mehr Hirngewebe kann gerettet werden. Der in der Lysetherapie eingesetzte Wirkstoff Alteplase kann Blutgerinnsel in den Hirnarterien auflösen und dadurch den Anteil der Patienten, die nach einem Schlaganfall tot oder schwer behindert sind, signifikant reduzieren. Die Lysetherapie ist, neben der Stroke Unit Behandlung, aktuell noch die einzige effektive Therapie des akuten Schlaganfalls. Es kann jedoch in Einzelfällen zu schweren Hirnblutungen kommen. Die kanadischen Behörden verlangten deshalb 1999 bei der Zulassung, dass die Ärzte alle behandelten Patienten an ein zentrales Register melden. Kürzlich wurden die Ergebnisse in einer Studie (Canadian Alteplase for Stroke Effectiveness Study, CASES) ausgewertet. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft bewertet die Ergebnisse, die kürzlich im Kanadischen Ärzteblatt (CMAJ: 2005; 172: 1307-12) vorgestellt wurden, sehr positiv: "Die Studie zeigt, dass die Thrombolyse mit Alteplase bei akutem Schlaganfall in der klinischen Routine ebenso wirksam und sicher durchgeführt werden kann wie unter Studienbedingungen."

Die kanadischen Mediziner berichteten über ein ’ausgezeichnetes’ Behandlungsergebnis bei mehr als einem Drittel der Patienten (37 Prozent). Diese erholten sich weitgehend von dem Schlaganfall. Anders als befürchtet kam es nicht häufiger als in den klinischen Studien zu Hirnblutungen. Auch eine weitere gefürchtete Nebenwirkung war selten: Das Angioödem, eine Schwellung im Bereich von Mund und Zunge, trat nur bei 1,3 Prozent der Patienten auf. Eine ähnliche, von der europäischen Zulassungsbehörde (EMEA) geforderte Studie läuft zur Zeit in Europa unter dem Titel SITS-MOST (www.acutestroke.org).


Professor Grond hebt die hohe Disziplin der kanadischen Ärzte hervor, die in 87 Prozent der Fälle die Behandlung entsprechend den Vorschriften durchführten, was bei der Thrombolyse eine gute Organisation und hohe Kompetenz voraussetzt. Die Behandlung muss innerhalb von drei Stunden nach Symptombeginn durchgeführt werden und vorher muss zwingend eine Hirnblutung durch Computer- oder Kernspintomographie ausgeschlossen werden. Damit möglichst viele Patienten von der Lysetherapie profitieren, müssen die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen werden: "Bei Verdacht auf Schlaganfall und erst kurz bestehender Symptomatik sollte der Notarzt umgehend die Einweisung möglichst in eine Klinik mit Stroke Unit veranlassen", fordert Grond.

Pressekontakt für Rückfragen:

Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft
Pressestelle
Silke Jakobi
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel: 0711 8931 163
Fax: 0711 89 31 167
E-Mail: info@medizinkommunikation.org

Medizin - Kommunikation | idw
Weitere Informationen:
http://awmf.org
http://www.dsg-info.de

Weitere Berichte zu: Alteplase Hirnblutung Lysetherapie Schlaganfall Thrombolyse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Proteomik hilft den Einfluss genetischer Variationen zu verstehen
27.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE