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Innsbrucker Wissenschaftler entdecken neuen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

27.09.2005


Herz-Kreislauferkrankungen stellen die häufigste Todesursache weltweit dar


Wissenschaftler der Medizinischen Universität Innsbruck haben nun in Zusammenarbeit mit Experten des Arbeitskreises für Vorsorge- und Sozialmedizin in Vorarlberg und der Abteilung Epidemiologie der Universität Ulm einen Zusammenhang zwischen erhöhten Werten des Leberenzyms Gamma-Glutamyl-Transferase und der Wahrscheinlichkeit an Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems oder an einem Schlaganfall zu versterben, festgestellt. Die entsprechende Studie wird in der aktuellen Ausgabe von „Circulation“, der renommierten Fachzeitschrift der American Heart Association, vorgestellt.

Eine Forschergruppe um Univ.-Prof. Dr. Hanno Ulmer, Professor für Medizinische Statistik, und Dr. Elfriede Ruttmann-Ulmer, Assistenzärztin der Abteilung für Herz- und Thoraxchirurgie an der Medizinischen Universität Innsbruck, hat herausgefunden, dass das Enzym Gamma-Glutamyl-Transferase (GGT) – bislang nur in der Leberdiagnostik und der Evaluierung des Alkoholkonsums von Bedeutung – häufig bereits Jahre vor Auftreten einer tödlichen Herzerkrankung oder eines Schlaganfalls deutlich erhöht ist. Durch die Messung von GGT im Blut kann im Verbund mit den bereits bekannten Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen, erhöhte Cholesterin-Werte oder Diabetes die Früherkennung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbessert werden. Damit eröffnen sich neue, möglicherweise entscheidende Möglichkeiten für die Vorsorgemedizin. Die Studie stützt sich dabei auf die Analyse von knapp 164.000 Gesundenuntersuchungen (89.000 Frauen und 75.000 Männer), die zwischen 1985 und 2001 in Vorarlberg durchgeführt und vom Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin gesammelt, dokumentiert und ausgewertet wurden. „Studienteilnehmer mit erhöhter GGT hatten im Vergleich zu Personen mit normalen GGT Blutwerten ein mehr als 1,5-fach erhöhtes Risiko an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu versterben“, betont Prof. Hanno Ulmer. „Für Personen unter 60 Jahren war das Risiko sogar mehr als doppelt so hoch.“


Einfache Blutuntersuchung gibt Aufschluss GGT ist ein einfaches Leberenzym, das zur Überprüfung der Leberfunktion bereits seit vielen Jahren standardmäßig in der klinischen Routine gemessen wird. Zur Bestimmung von GGT ist lediglich die Abnahme einer Blutprobe erforderlich. Obwohl der Zusammenhang von Alkoholkonsum und kardiovaskulären Erkrankungen Gegenstand unzähliger Studien war, gab es bisher nur wenige Studien, die einen Zusammenhang von erhöhtem GGT und Herzerkrankungen oder Schlaganfall untersucht haben und dem wurde in der Fachwelt keine besondere Bedeutung beigemessen. Dies änderte sich auch nicht, nachdem Forscher der Universität Pisa in einer experimentellen Studie zeigen konnten, dass erhöhtes GGT ein möglicher Indikator für die frühe Entwicklung der Arteriosklerose darstellen könnte.

Bessere Chancen für die Früherkennung Für Primarius Dr. Hans Concin, wissenschaftlicher Leiter im Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin in Bregenz und Koautor der Studie, bekommt GGT in der Gesundheitsförderung und Prävention einen völlig neuen Stellenwert: „Bisher als unspezifischer Parameter abgetan, ergibt sich nun daraus auch für Ärzte in der Zusammenschau mit anderen anerkannten Risikofaktoren eine neue Situation. Eine erhöhte GGT bedeutet ein erhöhtes Risiko und somit in der Prävention und Gesundheitsförderung eine exaktere Abklärung und frühzeitige Behandlung“. Da GGT auch mit bekannten Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes und Hypercholesterinämie korreliert, dürften bisherige Empfehlungen zur Primärprävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch einen günstigen Einfluss auf die Reduktion der GGT haben: Rauchstopp, mehr Bewegung, gesunde Ernährung sowie die medikamentöse Therapie von Bluthochdruck und erhöhten Cholesterinwerte. Die Ergebnisse der Studie könnten auch zum Umdenken in der Prävention und Therapie der Atherosklerose führen, denn erhöhtes GGT ist auch ein hilfreicher Risikofaktor für die Identifizierung von Patienten mit der höchsten Risikokonstellation für drohende Gefäßverschlüsse.

„Weitere klinische und experimentelle Studien sind allerdings noch notwendig, um die genauen Pathomechanismen und deren Auswirkungen zu untersuchen“, so die Autoren. „GGT sollte in zukünftigen klinischen Interventionsstudien nicht wie bislang unberücksichtigt bleiben“ betonen sie. Auch die Übertragbarkeit der gewonnenen Ergebnisse auf andere Bevölkerungsgruppen, muss durch weitere epidemiologische Studien erst bestätigt werden.

Weitere Ergebnisse der Studie im Detail:

  • 21,9% der männlichen und 15,6% der weiblichen Studienteilnehmer hatten ein erhöhtes GGT (>28 U/I bei Männer und >18 U/I bei Frauen).

  • Insgesamt ereigneten sich in dem Studienzeitraum 6990 Todesfälle, 3027 (43,3%) waren dabei kardio- oder cerebrovaskulär bedingt.

  • Männer mit erhöhten GGT (>28 U/I) hatten ein um 28% erhöhtes Risiko an einer Herzkreislauferkrankung zu versterben, Männer mit stark erhöhtem GGT (>56 U/I) sogar ein um 64% erhöhtes Risiko. Bei Frauen war das Risiko um das 35%-fache (>18 U/I) bzw. um das 51%-fache (>36 U/I) erhöht.

  • Erhöhtes GGT bei jüngeren Personen stellt eine noch höhere Risikokonstellation dar als bei Älteren.

  • Männer mit erhöhtem GGT zeigten eine erhöhte Mortalität bei chronischen Koronarerkrankungen, Herzinsuffizienz, ischämischen Insulten (Schlaganfall durch Gefäßverschluss) und hämorrhagischen Insulten (Schlaganfall durch Einblutung). Kein statistisch signifikanter Effekt zeigte sich bei akuten Koronarerkrankungen (z.B. akuter Herzinfarkt) oder anderen Formen der Herzerkrankungen.

  • Frauen mit erhöhtem GGT wiesen für alle Formen von Herzerkrankungen ein erhöhtes Risiko auf. Statistisch nicht signifikant war dieser Zusammenhang bei Todesfällen durch Gehirnschlag.

  • GGT ist ein statistisch unabhängiger Risikofaktor, auch die Einberechnung von Alter, Geschlecht, Rauchen, Blutdruck, Cholesterin, Triglyzeride, Blutzucker und Sozialstatus ändert nichts an dieser Einschätzung.

  • Erhöhtes GGT ist im Vergleich zu den etablierten Risikofaktoren gesehen ein relativ starker Risikofaktor und rangiert bezüglich des Risikos an 3. Stelle nach Rauchen und Bluthochdruck, jedoch noch vor erhöhtem Blutzucker, Cholesterin und Triglyzeride.

  • Die Studienergebnisse zeigen eine Dosiswirkungsbeziehung zwischen GGT und kardiovaskulären Todesursachen. Das Muster (je höher das GGT, desto höher die Mortalität) ist konsistent über die verschiedenen Subtypen der Herzkreislauferkrankungen.

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Univ.-Prof. Mag.Dr. Hanno Ulmer | Med. Universität Innsbruck
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