Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Prager Studien: MCT-Fette helfen schlank zu bleiben, erhöhen den Energiebedarf und schränken den Jo-Jo-Effekt ein!

17.09.2001


Privatdozentin Christine Metzner: MCT-Fette haben Vorfahrt im Organismus - MCT-Fette haben einen energiesparenden Effekt

DIET: Wir richten dauerhaft einen ernährungsmedizinischen Beratungsdienst "MCT-Fette" ein und führen weitere Forschungsprojekte durch

Das Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.) präsentierte in der vergangenen Woche in Hamburg und München die an der Universität Prag durchgeführten MCT-Studien. Diese zeigten, dass mittelkettige Triglyzeride (MCT) über eine Erhöhung des Energiebedarfs helfen schlank zu bleiben und gleichzeitig den gefürchteten Jo-Jo-Effekt einschränken, teilt heute Institutsprecher Sven-David Müller mit. Der vom DIET neu eingerichtete ernährungsmedizinische Beratungsdienst "MCT-Fette" konnte schon 450 Anrufer über die Effekte von MCT-Fetten aufklären. Der Beratungsdienst ist werktags von 9.00 bis 12.30 Uhr unter 0241-4450230 und von 14.00 bis 17.30 Uhr unter 0241-4450600 erreichbar.

Der Einsatz von mittelkettigen Triglyzeriden (= Medium/middle chain triglycerides = MCT) in der Ernährungsmedizin und der Diätetik reicht bis in das Jahr 1964 zurück. Bisher erhielten jedoch nur die Menschen MCT-Fette, die herkömmliches LCT-Fett nicht vertragen, verdauen oder resorbieren konnten. Der Einsatz bei Menschen, die schlank bleiben möchten oder bei Übergewichtigen ist neu, so Müller. MCT-Fette sind Fette mittelkettiger Triglyzeride, die in Kokosnussöl, Palmkernöl und in kleinen Mengen auch in Milchfett vorkommen. Durch ein spezielles Verfahren werden aus Kokosnussöl reine MCT-Fette gewonnen, deren Fettsäuren eine Länge von 6 bis 12 Kohlenstoffatomen aufweisen. Normale Nahrungsfette wie Butter, Margarine und pflanzliche Öle enthalten fast ausschließlich langkettige Triglyzeride (LCT-Fette) mit 14, 16 und 18 Kohlenstoffatomen. Es kommen daher keine größeren Mengen MCT-Fette in der normalen Ernährung vor.

Eine achtwöchige, an der Karls-Universität Prag mit Unterstützung des DIET durchgeführte Studie*, an der 35 weibliche Probanden teilnahmen, ergab, dass beim Verzehr MCT-haltiger Lebensmittel im Vergleich zu LCT-haltigen mehr Kalorien zugeführt werden können, ohne dass es zur Gewichtssteigerung kommt, betonte Professor Dr. Walter Feldheim, Kurator des Deutschen Instituts für Ernährungsmedizin und Diätetik. Die von der Ethik-Kommission genehmigte Ernährungsstudie an der dritten Medizinischen Fakultät der Karls-Universität in Prag wurde unter der Leitung von Dozent Dr. med. L. Kuchela durchgeführt. Die Wissenschaftler unter der Betreuung von Walter Feldheim untersuchten, ob ein weitgehender Austausch von LCT- gegen MCT-Fette in der üblichen Kost bei normalgewichtigen Studentinnen (n = 35) einen Einfluss auf das Körpergewicht, die Energieaufnahme und einige Stoffwechsel-Parameter ausübt. Die Studie wurde für 2 mal 4 Wochen im Cross over design (blind) mit einer Pause von 2 Wochen (Wash-out-Phase) durchgeführt. Als Ergebnis zeigte sich überraschenderweise, dass beim Ersatz von LCT-Fetten durch MCT-Fette der Energiebedarf signifikant steigt. MCT-Fette sind demnach zur Vorbeugung von Übergewicht geeignet, so Feldheim. Als mögliche Erklärung für diese Ergebnisse führte Professor Feldheim folgende Besonderheiten mittelkettiger Fettsäuren an:

  • 1. MCT haben im Vergleich zu LCT geringere Brennwerte.

  • 2. Bei einem Überschuss von MCT scheint teilweise ein Abbau von LCT zu Dicarbonsäuren und deren Ausscheidung über den Urin zu erfolgen (nur etwa 1 bis 2 Prozent der Gesamtenergie).

  • 3. Die Fähigkeit zur Kettenverlängerung für MCFA (medium chain fatty acids, mittelkettige Fettsäuren) und Speicherung ist begrenzt. Das heißt, MCT können im Körper nur in geringem Umfang zu LCT aufgebaut und auch kaum im Fettgewebe eingelagert werden. Daher werden MCT zum größten Teil oxidiert, was zu einer Zunahme der Thermogenese (Wärmebildung des Körpers, dadurch Abstrahlung von Energie) führt. In diesem Zusammenhang ist eine vorhergehende Prager MCT-Studie interessant, die zeigte, dass bei Gabe von MCT zur strengen Reduktionskost der REE (Energieverbrauch im Ruhezustand, gemessen in KJ/kg KG und Tag) nicht abfällt. Bei den Probanden, die nur die Reduktionskost erhielten, war ein signifikanter Abfall der REE festzustellen. Diese Absenkung des Energieverbrauchs ist für das häufige Auftreten des Jo-Jo-Effekts verantwortlich. Bei Verwendung von MCT wird der Jo-Jo-Effekt weitgehend umgangen.

Privatdozentin Dr. Christine Metzner betonte, dass MCT-Fette einen energiesparenden Effekt aufweisen und dass sie im Stoffwechsel Vorfahrt haben. Die ernährungsmedizinische Leiterin des Deutschen Instituts für Ernährungsmedizin und Diätetik betonte, dass MCT-Fette keine Speicherfette sind und dass der Körper sie nicht in die Fettzellen einlagert. Im Stoffwechsel verhalten sich MCT-Fette bei Schlanken und Übergewichtigen nach Aussagen von Privatdozentin Metzner gleich. Bei adipösen Personen ist die Oxidation von LCT im Vergleich zu normalgewichtigen Kontrollpersonen herabgesetzt, während dieser Oxidationsunterschied bei MCT in diesen beiden Gruppen nicht nachweisbar ist. Der durch die Nahrungsaufnahme gesteigerte Energieumsatz (postprandiale Thermogenese) beträgt bei einer Mischkost rund 8 bis 15 Prozent, davon entsprechen 2 bis 4 Prozent der mit Fett aufgenommenen Energiemenge. Verzehrte MCT tragen hingegen bis zu 7 Prozent zur postprandialen Thermogenese bei, so Metzner. MCT-Fette verbrauchen also mehr Energie als LCT-Fette. Aus ernährungsmedizinischer Sicht ist eine MCT-Kost als Dauerkost geeignet, wenn sie ausreichend essentielle Fettsäuren und fettlösliche Vitamine enthält, so Müller. MCT-Fette liefern dem Körper 10 Prozent weniger Energie als normales Fett (MCT: 8,3 kcal/g und LCT: 9,3 kcal/g). Mit der üblichen Ernährungsweise nimmt der Mensch nur wenig MCT-Fette zu sich. Daher muss der Einstieg in eine MCT-Kost langsam erfolgen. Die MCT-Fett-Zufuhr beginnt mit 10 bis 20 Gramm und wird um 10 Gramm täglich auf bis 40 bis 60 Gramm MCT Fett am Tag gesteigert. Wird der langsame Kostaufbau nicht eingehalten, kann es zu Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall oder Kopfschmerzen kommen.

Für Übergewichtige empfiehlt das Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.) jetzt eine kohlenhydrat- und ballaststoffreiche Reduktionskost mit 1200 bis 1800 Kilokalorien. Durch den Austausch von Butter, Margarine und Öl durch MCT-Produkte erhält der Körper 10 Prozent weniger Energie, der Energiebedarf steigt und der Jo-Jo-Effekt ist eingeschränkt. MCT-haltige diätetische Lebensmittel sind über den Versandhandel und in Reformhäusern erhältlich. Weitere Informationen erteilt das Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.) über seinen Beratungsdienst oder das Internet.

* Die Prager MCT-Studie konnte mit der Unterstützung der Firma Heirler Projekte, München, durchgeführt werden

| ots
Weitere Informationen:
http://www.diet-aachen.de

Weitere Berichte zu: Fettsäure LCT LCT-Fett MCT

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Lymphdrüsenkrebs programmiert Immunzellen zur Förderung des eigenen Wachstums um
22.02.2018 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Forscher entdecken neuen Signalweg zur Herzmuskelverdickung
22.02.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics