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Rotweingenuß zur Krebstherapie?

14.09.2005


Trotz aggressiver Behandlungsprotokolle haben viele Krebspatienten weiterhin eine schlechte Prognose, was die Notwendigkeit für neue Therapieansätze verdeutlicht. Die meisten Krebsmedikamente wirken vor allem dadurch, dass sie in Tumorzellen das zelleigene Selbstmordprogramm, die sogenannte Apoptose, auslösen. Da jedoch Apoptose in vielen Tumoren blockiert ist, sind solche Geschwülste auch resistent gegenüber herkömmlichen Behandlungsmethoden. In einem von der Wilhelm-Sander-Stiftung geförderten Projekt entdeckte das Forscherteam von Professor Klaus-Michael Debatin, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin Ulm, und Frau Privatdozentin Simone Fulda, Leiterin des Landesforschungsschwerpunkts Apoptose der Universität Ulm, dass der Naturstoff Resveratrol die Resistenz von Tumorzellen gegenüber Krebstherapien aufhebt.


Resveratrol ist ein Polyphenolderivat, das natürlicherweise im Rotwein vorkommt und insbesondere wegen seiner kardioprotektiven und chemopräventiven Wirkung bekannt ist. So dürfte Resveratrol der Grund für das sogenannte "French Paradox" sein, d.h. der Tatsache, dass dort, wo viel Rotwein getrunken wird, auch weniger kardiovaskuläre Erkrankungen auftreten.

Die Ulmer Forscher fanden nun heraus, dass Resveratrol zahlreiche Krebsarten einschließlich resistenter Tumoren sowohl für Chemotherapie als auch für zytoxische Zytokine empfindlich macht. Untersuchungen zu den molekularen Wirkungsmechanismen entschlüsseln, daß Resveratrol über transkriptionelle und posttranskriptionelle Vorgänge das Apoptose-hemmende Protein Survivin außer Kraft setzt und damit in Krebszellen die Schwelle zur Auslösung von Apoptose durch eine gleichzeitige Zytostatikagabe senkt.


Da die Wirkung der meisten Krebstherapien vor allem auf dem Auslösen von Apoptose in Tumorzellen beruht und folglich Defekte in Apoptoseprogrammen zur Resistenz von Krebszellen führen, eröffnen sich durch die Identifizierung dieser neuartigen Wirkung von Resveratrol als Modulator der Apoptoseempfindlichkeit neue Perspektiven in der Krebstherapie. So ist z.B. der Einsatz von Resveratrol, das bereits in einer klinisch applizierbaren Formulierung vorliegt, in Kombinationsprotokollen denkbar, um resistente Krebsarten für konventionelle Chemotherapien wieder empfindlich zu machen und damit die Behandlungsoptionen und Prognose von Krebspatienten zu verbessern.

Kontakte:
PD Dr. Simone Fulda, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin,
Eythstr. 24, 89075 Ulm, Telefon: (07 31) 500 - 25980
E-mail: simone.fulda@medizin.uni-ulm.de

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

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