Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

In der Medizintechnik sticht Deutschland mit mehreren Trümpfen

14.09.2005


Die Medizintechnik gehört zu Deutschlands innovativsten Branchen schlechthin, was sich auch in einer Spitzenposition auf dem Weltmarkt dokumentiert. So lautet das Resümee einer breit angelegten Studie, welche die Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE (DGBMT) zusammen mit dem AMK Aachener Kompetenzzentrum Medizintechnik für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) durchgeführt hat.

... mehr zu:
»BMBF »Chirurgie »Medizintechnik »OrthoMIT »VDE

Bereits die Zahlen sprechen für sich: Mit einem Produktionsvolumen von rund 14 Mrd. Euro steht Deutschland als drittgrößter Produzent von medizintechnischen Produkten dicht hinter Japan, das ohne Diagnostika ein Produktionsvolumen von knapp 15 Mrd. Euro erreicht. Die USA sind mit 83,7 Mrd. Euro der weltgrößte Hersteller. Innerhalb der Europäischen Union produziert Deutschland mehr als doppelt so viele medizintechnische Waren wie Frankreich, das auf den zweiten Platz folgt.

Ausschlaggebend für diesen Trend ist nicht zuletzt die Bereitschaft der Unternehmen, konsequent in Forschung und Entwicklung zu investieren. So liegt der Anteil der FuE-Aufwendungen am Umsatz der Medizintechnik-Unternehmen mit 8.2 Prozent mehr als doppelt so hoch wie der Industriedurchschnitt von zurzeit 3.5 Prozent. Dabei ist der Schwerpunkt der FuE-Arbeiten im Bereich der Medizintechnik auf die Themenschwerpunkte Computerisierung, Molekularisierung und Miniaturisierung fokussiert – eine Einteilung, die den DGBMT-Experten zufolge auch in den kommenden fünf bis zehn Jahren gültig bleiben dürfte. "Wir beobachten eine wechselseitige Durchdringung und Ergänzung dieser Schlüsseltechnologien", begründet Prof. Olaf Dössel, Vorsitzender der DGBMT im VDE.


Ein aktuelles Beispiel liefert die intensitätsmodulierte Bestrahlungstherapie: Die technologischen Fortschritte der letzten Jahre haben die Leistungsfähigkeit der Computertomographie enorm gesteigert und sie in ihrer Rolle als ein wichtiges Werkzeug der nichtinvasiven Diagnostik gestärkt. So sind heutzutage Ganzkörperaufnahmen innerhalb einer Atempause dreidimensional und mit Auflösungswerten im Submillimeterbereich möglich. Dadurch haben sich vielfältige neue Anwendungsgebiete ergeben, wie zum Beispiel in der Herzbildgebung. Hochaufgelöste Abbildungen des Herzens und der Herzkranzgefäße können in 5-10 Sekunden erstellt werden – auch im zeitlichen Bewegungsablauf des Herzens.

Statt der Leistungsfähigkeit steht jedoch häufig die Diskussion über eine vermeintlich hohe Patientendosis bei CT-Untersuchungen im Mittelpunkt der öffentlichen Berichterstattung. Es ist ein erklärtes Ziel des Projektes, Verfahren zur Dosimetrie, Berechnung und Optimierung der Patientendosis neu und weiter zu entwickeln. Die exakte Angabe der Dosis für einzelne Untersuchungen soll dazu dienen, die Diskussion rational zu führen, Information anzubieten und damit dem Patienten und der Öffentlichkeit unnötige Ängste zu nehmen. Allgemein liegen die Werte der effektiven Dosis nämlich typischerweise im Bereich des 1- bis 10-fachen der natürlichen Umgebungsstrahlung pro Jahr.

Ein weiteres Beispiel liefern minimal invasive Techniken im Bereich der orthopädischen Chirurgie. Letztere betrifft in Europa Jahr für Jahr über 1 Mio. Patienten. Über 150.000 Hüft- und 80.000 Kniegelenkersatzoperationen werden jedes Jahr in Deutschland durchgeführt, wobei 20 % dieser Eingriffe eine Revisionsoperation darstellen, bei der ein früher implantiertes Kunstgelenk ersetzt wird. Mit steigender Lebenserwartung nehmen die Bedeutung von Operationen und die damit verbundenen Risiken und Kosten für jeden einzelnen Patienten zu. Nebenfolgen eines Eingriffs können zu einer Minderung der Lebensqualität und zu hohen Kosten durch Kranken¬hausaufenthalt und Rehabilitation sowie zum Verlust von Arbeitskraft, Mobilität und Eigenständigkeit führen.

Heute tendiert auch die orthopädische Chirurgie zu minimal-invasiven Eingriffen mit den Vorteilen einer schnelleren Mobilisierung und kürzeren Erholungszeiten aufgrund eines geringeren Weichgewebetraumas. Minimal invasive Prozeduren und neue Implantatkonzepte fordern hohe Präzision, Geschicklichkeit und Erfahrung spezialisierter Chirurgen sowie auch zusätzliche technische Unterstützungssysteme wie beispielsweise Bildgebung und Navigation.

Das Hauptziel des mit annähernd 13 Mio. Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Großprojekts zur minimal-invasiven orthopädischen Chirurgie (OrthoMIT) ist die Entwicklung einer integrierten Plattform für die schonende operative Therapie von Knochen- und Gelenkerkrankungen in Orthopädie und Traumatologie. Das Erlanger Institut für Medizinische Physik (IMP) unter Leitung von Prof. Dr. Willi Kalender ist an OrthoMIT mit dem Teilprojekt intraoperative 3D-Bildgebung beteiligt. Die 3D-Bildgebung mit Röntgen-Computertomographie (CT) hat in den letzen Jahren ein beachtliches Leistungsniveau erreicht und sich für viele minimal-invasive bildgestützte Interventionen als Methode der Wahl etabliert.

Als eines der führenden Institute auf dem Gebiet der Medizinischen Bildgebung widmet sich das Erlanger Institut der Entwicklung und Integration von Methoden zur intra¬operativen multiplanaren und volumetrischen CT-Bildgebung. Ziel des Projektes ist ein hohes Bildqualitätsniveau mit deutlich verbesserter Ortsauflösung bei einer akzeptablen Strahlendosis im Operationssaal bereitzustellen. Die VAMP GmbH, ein Spin-off des Institutes, übernimmt die Integration der entwickelten Bildgebungskonzepte in die Demonstratorplattform von OrthoMIT. Die Projektdurchführung erfolgt in Kooperation mit Siemens Medical Solutions.

Rolf Froböse | Rolf Froböse
Weitere Informationen:
http://www.vde.com/VDE/Fachgesellschaften/DGBMT/

Weitere Berichte zu: BMBF Chirurgie Medizintechnik OrthoMIT VDE

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften