Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nierentransplantation trotz unterschiedlicher Blutgruppen gelungen

13.09.2005


Nach erfolgreicher Behandlung: Christoph Frobenius (vorne rechts) mit dem Ärzteteam des Universitätsklinikums Heidelberg.


Das OP-Team des Transplantationszentrums Heidelberg bei der Arbeit.


Premiere am Universitätsklinikum Heidelberg: 50-jähriger Mann konnte als erster von der neuen Technik profitieren


Als die Nieren von Christoph Frobenius zu versagen drohten, war sein Bruder sofort bereit, eine Niere zu spenden. Trotz unterschiedlicher Blutgruppen konnte der 50-jährige aus Weinheim von der Lebendspende profitieren, als erster Patient am Universitätsklinikum Heidelberg.

Möglich macht dies die so genannte ABO-inkompatible Nierentransplantation, eine Technik, die in Deutschland bisher nur an wenigen spezialisierten Kliniken durchgeführt wird. Mit dieser neuen Behandlungsmethode konnte das Transplantationszentrum Heidelberg unter Leitung von Professor Dr. Dr. h.c. Markus W. Büchler in enger Kooperation mit dem Heidelberger Nierenzentrum das Therapieangebot erweitern.


"Derzeit sind bei uns rund 500 Dialysepatienten registriert, die auf eine neue Niere warten", sagt der Leiter des Nierenzentrums, Professor Dr. Martin Zeier. Die durchschnittliche Wartezeit auf ein gespendetes Organ beträgt rund fünf Jahre. Bei dialysepflichtigen Patienten gilt jedoch: Je früher durch eine Lebendspende eine gesunde Niere eingepflanzt werden kann, desto besser sind die Behandlungserfolge.

Wartezeit auf Spender-Niere soll verkürzt werden

"Wir bieten die Blutgruppen-unabhängige Nierentransplantation ab sofort als zusätzliche Behandlungsoption an, um die Anzahl der Lebendspenden zu erhöhen und die Wartezeiten bei geeigneten Patienten zu verkürzen", erklärt Professor Dr. Jan Schmidt, Geschäftsführender Oberarzt am Heidelberger Transplantationszentrum und Leiter der Viszeralen Organtransplantation, der die Operation am 18. August bei Christoph Frobenius durchgeführt hatte. Derzeit werden in Heidelberg mehr als 100 Nieren pro Jahr verpflanzt. Die Anzahl der Lebendspenden von nahen Verwandten oder Ehepartnern liegt mit rund 40 Prozent bereits über dem bundesdeutschen Durchschnitt von circa 18 Prozent.

Ausreichende körperliche Fitness ist Voraussetzung / Antikörper gegen fremde Blutgruppe werden über Filter entfernt

Wichtig sei, dass der Patient über eine ausreichende körperliche Fitness verfüge. "Obwohl sich an der Operationstechnik nichts ändert, ist die Behandlung aufwändiger als bei einer herkömmlichen Nierentransplantation. Das Immunsystem des Empfängers muss vor und nach dem Eingriff mit starken Medikamenten unterdrückt werden", sagt der Chirurg. Außerdem führten die Heidelberger Nierenexperten vor der Transplantation eine Blutwäsche mit speziellen Membranen durch. So können die Antikörper, die aufgrund der unterschiedlichen Blutgruppen zu lebensbedrohlichen Abstoßungsreaktionen führen würden, aus dem Blut des Organempfängers gefiltert werden.

Auch diese Behandlungsmethoden werden am Universitätsklinikum bei anderen Fällen bereits durchgeführt. "Neu ist die Kombination der Techniken in diesem speziellen Fall", erklärt Dr. Jörg Beimler, Oberarzt am Nierenzentrum und Projektleiter der ABO-inkompatiblen Lebendspende. Sie werde seit 1995 in Schweden durchgeführt, in Deutschland habe Freiburg im vergangenen Jahr den Anfang gemacht. "Die Ergebnisse bisher zeigen: Verlaufen die ersten vier Wochen nach der Operation gut, so sind die Langzeitchancen genauso gut wie bei einer blutgruppen-kompatiblen Transplantation", sagt Dr. Jörg Beimler. Das bedeutet: Das gespendete Organ kann im Durchschnitt circa 15 Jahre volle Dienste leisten, bei einer Leichennierenspende sind es nur rund 10 Jahre.

Empfänger und Spender haben Eingriff gut überstanden

Christoph Frobenius hatte Glück im Unglück: Obwohl er seit rund 30 Jahren an einer chronischen Nierenentzündung litt und seit Dezember 2004 dreimal pro Woche zur Dialyse musste, war sein allgemeiner Gesundheitszustand ausreichend für die neue Behandlung. "Bereits beim Aufwachen nach der Operation fühlte ich: Es hat geklappt", erinnert sich Christoph Frobenius. Der Systemverwalter erholt sich sehr gut von den Strapazen der Behandlung und konnte bereits entlassen werden. "Ich werde bald wieder arbeiten, aber ein paar Wochen lasse ich mir noch Zeit", blickt er in die Zukunft.

Auch sein Bruder hat den Eingriff sehr gut überstanden. "Seine verbleibende Niere wird um einige Zentimeter wachsen und die volle Funktion übernehmen", erklärt der Dr. Jörg Beimler. Außer jährlichen Kontrollen bei einem Nephrologen habe die Nierenspende für den Bruder keine Auswirkungen.

Schon bald könnte ein weiterer Patient von der neuen Technik profitieren. Im Moment untersuchen die Heidelberger Ärzte, ob Spender und Empfänger die notwendigen Voraussetzungen mitbringen.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Martin Zeier
Nierenzentrum Heidelberg
Tel. (Sekretariat, Frau Handermann): 06221 / 91 12 09
E-Mail: martin_zeier@med.uni-heidelberg.de

Prof. Dr. Jan Schmidt
Transplantationszentrum Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 62 04
E-Mail: jan_schmidt@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-heidelberg.de
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Weitere Berichte zu: Blutgruppe Lebendspende Niere Nierentransplantation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Berner Forschende entdecken Schlaf-Wach-Schaltzentrale im Hirn
11.06.2018 | Universität Bern

nachricht Malaria: Kooperierende Antikörper verbessern Immunreaktion
08.06.2018 | Deutsches Krebsforschungszentrum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Abwehrmechanismus gegen Sauerstoffradikale entdeckt

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umwandlung von nicht-neuronalen Zellen in Nervenzellen

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Im Fußballfieber: Rittal Cup verspricht Spannung und Spaß

18.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics