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Wunden im menschlichen Darm

09.09.2005


"Forschungsoffensive", Teil 10: Medizinstudent der Uni Witten/Herdecke erforscht Ursachen von Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa an renommierter amerikanischer Universität



Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa sind chronische Darmentzündungen, die schubweise verlaufen. Bis heute sind die genauen Ursachen der beiden Erkrankungen nicht bekannt, bisher kann man nur die Symptome lindern und den Verlauf der Krankheit verlangsamen. Für die vielen Erkrankten eine schlimme Situation, die die deutsche Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa Vereinigung (DCCV e.V.) - eine der größten und am besten organisierten Patientenvereinigungen in Deutschland - mit Forschungsprojekten bessern möchte. So unterstützt die DCCV ein Forschungsprojekt, in dem untersucht wird, ob Besonderheiten an der natürlichen Schutzschicht des menschlichen Darms die Krankheit verursachen. Für dieses Forschungsprojekt des Physiologen Prof. Dr. Dr. Frank Thévenod und Cand. Med. Ulrich Bork an der Universität Witten/Herdecke verbrachte Bork vier Monate im Labor des Darmforschers Prof. Dr. Didier Merlin an der Emory University in den USA.



Zum Verständnis: Die Zellschicht, welche den Darm von innen auskleidet, wird Darmepithel genannt. Diese Barriereschicht besteht aus einer Reihe von speziellen Epithelzellen, die verschiedene Aufgaben haben: Sie transportieren Nahrungsstoffe und Flüssigkeit aus dem Darm in das Körperinnere und schützen gleichzeitig den Körper vor den Fremdstoffen, Bakterien und Viren im Darm. Außerdem gelangen über diese Zellschicht Stoffwechselendprodukte aus dem Körper in den Darm hinein. Eines der Probleme bei Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa besteht darin, dass eine einmal entstandene Entzündung im Darm nicht mehr normal ausheilen kann und das Darmepithel seine Funktion verliert. Da in den entzündeten Darmsegmenten von erkrankten Patienten ein bestimmtes Oberflächenprotein (CD98) immer wieder stark gehäuft gefunden wurde, vermuten Bork und seine Mentoren eine besondere Rolle dieses Proteins beim gestörten Wundheilungsprozess.

Daher züchtete Bork eine künstliche Darmschicht in Zellkulturflaschen, an der er das Verhalten von menschlichen Darmzellen unter verschiedenen Bedingungen experimentell untersuchen konnte. Hierfür benutzte er eine moderne elektrophysiologische Technik. Durch Einfügen von Informationen in das Zellinnere mit Hilfe molekulargenetischer Methoden konnte Bork verschiedene Varianten des Oberflächenbestandteiles CD98 in ihren Zellen verstärkt produzieren. Sodann verglich er die veränderten mit den unveränderten Zellen.

Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigen, dass ein bestimmter Teil dieses Oberflächenmoleküls eine entscheidende Rolle in der Regulation des Wundheilungsprozesses bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen spielt. Die Ergebnisse der Forschung von Ulrich Bork könnten für das Verständnis der Ursachen und möglichen Therapien von Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa sehr bedeutsam werden. Deswegen wurden Teile der Studie auf dem Internationalen Kongress "Inflammatory Bowel Disease - Research Drives Clinics" zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, der vom 2. bis 3. September 2005 in Münster stattfand, präsentiert. Außerdem ist die Publikation der Resultate in international renommierten Fachzeitschriften in Arbeit.

Ulrich Bork studiert Medizin an der Universität Witten/Herdecke und schreibt seine Doktorarbeit am Institut für Physiologie und Pathophysiologie bei Prof. Dr. Dr. Frank Thévenod. Bork war im vergangenen Jahr mit einem 9000 Euro dotierten Ausbildungsstipendium der DCCV e.V. für Forschungszwecke ausgezeichnet worden (siehe Pressemitteilung vom 24. 09. 2004). Während eines viermonatigen Forschungsaufenthaltes erarbeitete er im Labor von Prof. Dr. Didier Merlin an der renommierten Emory University in den USA Grundlagen für das bessere Verständnis der Wundheilung bei Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa.

Weitere Informationen bei Ulrich Bork, ubork@uni-wh.de, Tel. 02302/394996 oder bei Prof. Dr. Frank Thévenod, fthevenod@uni-wh.de, Tel. 02302/926-221

Dr. Olaf Kaltenborn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de

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