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Traditionelle Chinesische Medizin und Schulmedizin: Das Beste aus zwei SChulen

09.09.2005


Fast zwei von drei Deutschen würden sich im Krankheitsfall am liebsten durch eine Kombination von Schulmedizin und Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) behandeln lassen. Das ist das zentrale Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach, nach der sich aktuell 61 v. H. aller Bundesbürger für eine solche Kombinationsbehandlung entscheiden würden. Dagegen, so ein weiteres Ergebnis der Anfang September veröffentlichten Erhebung, bevorzugen lediglich 18 Prozent eine rein schulmedizinische Behandlung.



Die Allensbach-Studie liefert auch Hinweise darauf, dass der Trend zu TCM mehr als eine Mode ist, denn die Zahl der Befürworter der so genannten Integrativen Medizin liegt bei TCM-erfahrenen Patienten mit 89 Prozent noch mal deutlich höher. Professor Dr. Gustav Dobos, am Universitätsklinikum Essen der einzige Inhaber eines Lehrstuhls für Naturheilkunde in Deutschland mit dem Schwerpunkt für Traditionelle Chinesische Medizin: "Das Ergebnis spricht dafür, dass offensichtlich die überwiegende Mehrzahl der mit TCM behandelten Personen mit der Wirkung der Therapie zufrieden sind.

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Die Tatsache, dass die übergroße Mehrheit parallel auf schulmedizinische Methoden setzt, ist ein Beleg für den bedarfs- und patientenorientierten Ansatz der Integrativen Medizin, die den Kranken aus beiden "Schulen" das nachweislich Beste zugänglich macht." Das lasse sich auch an den steigenden Patientenzahlen ablesen, die die Ambulanz für chinesische Medizin am Lehrstuhl für Naturheilkunde in Essen aufsuchen.

Mit der Frage, ob und wie sich Integrative Medizin vor diesem Hintergrund in das deutsche Gesundheitssystem und in die westliche Schulmedizin einbauen lässt, beschäftigt sich Professor Dobos, dessen Lehrstuhl von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung gefördert wird, in einem Vortrag anlässlich des 20. Jahrestag der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft für Medizin (DCGM), die heute (Donnerstag, 8. September) im Universitätsklinikum Essen eröffnet wird. Dobos spricht am Freitag, 9. September ab 13.45 Uhr im Hörsaal des Operativen Zentrums II, Hufelandstraße 55. Schwerpunktthemen der Tagung sind Lebertransplantation, virale Hepatitis und Traditionelle Chinesische Medizin. Als Referenten sind 18 Professoren aus den chinesischen Städten Peking, Wuhan und Schanghai sowie 15 Professoren aus Deutschland zu Gast. Erwartet werden über 100 Tagungsteilnehmer.

Der erste Teil der diesjährigen Tagung beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Leberlebendspende. In China ist die Infektion mit dem Hepatitis B-Virus sehr verbreitet - etwa acht bis zehn Prozent der Bevölkerung sind Virusträger -, wodurch Leberzirrhosen und -karzinome sehr häufige Erkrankungen sind. Für viele der Patienten ist eine Lebertransplantation - ein gut etabliertes Fachgebiet am Universitätsklinikum Essen - die einzige therapeutische Maßnahme. Da auch in China die Spenderorgane sehr begrenzt sind, ist vor allem die Teilleberspende eine Option. Auch dieses Gebiet ist in Essen mit einer DFG-Forschergruppe zur "Leberlebendspende" ein wissenschaftlicher Schwerpunkt.

Der zweite Tagungsteil steht im Zeichen der Neuentwicklungen von alternativen Therapien der chronischen Hepatitis B, zum Beispiel durch therapeutische Schutzimpfung. Diese alternativen Therapien ermöglichen vielleicht in der Zukunft die chronische Infektion so frühzeitig zu stoppen, dass die Zirrhose-Entwicklung gebremst wird und weniger Transplantationen notwendig sind.

Der dritte Tagungsteil trägt einem deutschen Trend Rechnung. Die Traditionelle Chinesische Medizin hat in Deutschland bei einer breiten Bevölkerung großen Anklang gefunden. Deshalb sollen auf der Tagung die Therapiemöglichkeiten dieser Behandlungsmethode näher erläutert werden. Es ist vor allem auch ein Anliegen, die Therapien nach Traditioneller Chinesischer Medizin auf ihre Wirksamkeit durch naturwissenschaftliche Methoden zu überprüfen und so wirkliche Therapieerfolge von eventuellen Placeboeffekten zu differenzieren.

Neben dem wissenschaftlichen Austausch ist es außerdem ein Ziel der Tagung, gemeinsame Forschungsprojekte zu definieren und einen Austausch von jungen Forschern zu vereinbaren. Gerade in Essen besteht eine lange Tradition des Forscheraustausches: Über 400 Ärzte, Wissenschaftler und medizinisches Fachpersonal waren bisher zu Studienaufenthalten in Essen, 90 haben hier promoviert. Zurzeit sind etwa 40 Ärzte und Naturwissenschaftler am Universitätsklinikum in verschiedenen Kliniken und Forschungseinrichtungen tätig. Die Kooperation mit verschiedenen Instituten an Universitäten in China ist inzwischen so weit gediehen, dass echte Kooperationen entstanden sind, bei denen beide Partner für bestimmte Projekte ihren Beitrag geleistet haben. Von der Universität Duisburg-Essen nehmen jedes Jahr vier bis acht Studierende die Gelegenheit wahr, Famulaturen (Praktika im Krankenhaus während des Medizinstudiums) oder Teile des Praktischen Jahres in China durchzuführen.

Durch die rasante wirtschaftliche Entwicklung der letzten 20 Jahre in China konnte auch die medizinische Forschung und die Versorgung der Patienten verbessert werden. So sind auch in China neue diagnostische und therapeutische Behandlungsmethoden weit verbreitet, wodurch auch der wissenschaftliche Austausch ein hohes Niveau erreicht hat.

Gefördert wird die Tagung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Krupp-Stiftung und verschiedenen Firmen.

Redaktion: Christoph Lindemann, Tel.: (0203) 379-1489
Weitere Informationen: Prof. Dr. Michael Roggendorf, Tel.: (0201) 723-3550;
E-Mail: roggendorf@uni-essen.de

Beate Kostka M.A. | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-essen.de/

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