Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Antibiotika gegen Magenkrebs

10.09.2001


Helicobacter von der WHO als Karzinogen anerkannt

Köln (ct) - Eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori führt zur Entstehung von chronischen Magenschleimhautentzündungen. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass sich daraus Magenkrebs entwickeln kann. Ist es möglich, durch eine frühzeitige Antibiotika-Behandlung der Infektion die bösartigen Veränderungen der Magenschleimhaut zu verhindern? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Ärztetagung in der Dr. Mildred Scheel Akademie für Forschung und Bildung am 8. September 2001 in Köln.

Zwischen einer Infektion der Magenschleimhaut mit dem Bakterium Helicobacter pylori und der Entstehung von Magenkrebs besteht ein Zusammenhang. Das ist das Ergebnis zahlreicher epidemiologischer Untersuchungen. Wissenschaftler konnten nachweisen, dass das kleine, stäbchenförmige Bakterium die Konzentration an Vitamin C im Magensaft senkt, Substanzen produziert, welche die Oberfläche der Magenschleimhaut schädigen, und das Zellwachstum anregt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat das Bakterium daher bereits 1994 als "definitiven Krebserreger" eingestuft.

Doch obwohl 30 bis 50 Prozent der deutschen Bevölkerung mit Helicobacter pylori infiziert sind, entwickelt nur ein geringer Teil der Betroffenen tatsächlich Magenkrebs. "Die Voraussetzungen, unter denen bei infizierten Personen ein Magen-Karzinom entsteht, sind daher Gegenstand intensiver Forschungen an Kliniken in Bayreuth, Dresden, Marburg und Sydney", sagte Professor Dr. Manfred Stolte, Direktor des Instituts für Pathologie des Klinikums Bayreuth, bei der Ärztetagung in Köln. Dazu gehört auch die multizentrische Behandlungsstudie "Präventive Interventions-Studie zu neoplastischen Veränderungen des Magens", kurz PRISMA, die von der Deutschen Krebshilfe mit über 1,6 Millionen Mark unterstützt wird.

Darüber hinaus suchen die Forscher eine Antwort auf die Frage, ob die Entstehung von Magenkrebs gestoppt werden kann, wenn die Infektion mit Helicobacter medikamentös bekämpft wird. Dazu Professor Stolte: "Für bestimmte Magenkrebsarten wie etwa das MALT-Lymphom lautet die Antwort: Sehr wahrscheinlich ja!". Es gibt mittlerweile zahlreiche Hinweise darauf, dass eine Behandlung der Infektion zur Rückbildung des Lymphoms und wahrscheinlich auch Zurückbildung der Veränderungen der Schleimhaut, die einen Magenkrebs auslösen können, führt. Bevor man dem Keim jedoch mit Antibiotika zu Leibe rückt, müssen Faktoren wie etwa das Stadium der Zellveränderungen bestimmt werden. Professor Dr. Andreas Neubauer, Leiter der Abteilung Hämatologie, Onkologie und Immunologie der Philipps Universität Marburg, warnte daher vor einer vorschnellen Helicobacter-Behandlung und empfahl den Ärzten, die betroffenen Patienten auf jeden Fall im Rahmen so genannter klinischer Studien zu betreuen.

Die Frage, ob man nach einer erfolgreichen Antibiotika-Therapie auf anschließende Vorsorgeuntersuchungen verzichten könne, beantwortete Professor Stolte eindeutig mit "Nein": "Bei der Entstehung von Magenkrebs spielen viele Faktoren eine Rolle!" Da sich die meisten Menschen bereits im Säuglings- oder Kleinkindalter mit dem Bakterium infizieren, wurde auch die Möglichkeit einer Schutzimpfung diskutiert. Doch PD Dr. Stephan Miehlke, Medizinische Klinik und Poliklinik der Carl Gustav Carus Universität Dresden, dämpfte die Hoffnungen: "Von einer Impfung gegen Helicobacter pylori sind wir noch weit entfernt."

Die Dr. Mildred Scheel Akademie, eine Tochterorganisation der Deutschen Krebshilfe, ist eine Fort- und Weiterbildungsstätte für alle, die täglich beruflich oder ehrenamtlich mit Krebskranken zu tun haben. Neben Ärztetagungen zu aktuellen medizinischen Themen veranstaltet die Akademie Seminare für Krankenpflegepersonal, Altenpfleger, Sozialarbeiter, Psychologen, Selbsthilfegruppen sowie Betroffene und ihre Angehörigen.

Dr. med. Eva M. Kalbheim-Gapp | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de/

Weitere Berichte zu: Helicobacter pyleri Helicobacter pylori Infektion Magenkrebs

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist
30.03.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist

30.03.2017 | Medizin Gesundheit

Flipper auf atomarem Niveau

30.03.2017 | Physik Astronomie

Europaweite Studie zu „Smart Engineering“

30.03.2017 | Studien Analysen