Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Ich möchte heute lieber nur mit Ihnen reden!"

02.09.2005


"Forschungsoffensive", Teil 8: Zeitbudgets statt Leistungskataloge für ambulante Pflegedienste von Wittener Pflegewissenschaftlern in München erfolgreich getestet



Wenn der Pflegedienst morgens kommt, steht der Ablauf zumeist schon fest: Zähneputzen, waschen, anziehen, Frühstück zubereiten. So sieht der Alltag für viele, die Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten, bisher aus. Denn die Pflegedienste arbeiten nach so genannten Leistungskatalogen, in denen beschrieben ist, was sie mit der Pflegekasse abrechnen dürfen und was nicht. "Reden mit dem Patienten, zuhören, einfach als soziale Kontaktperson da sein, das alles kommt in diesen Katalogen nicht vor ", bedauert Bernhard Holle, Pflegewissenschaftler an der Universität Witten/Herdecke. "Die Pflegedienste setzen diese Kataloge in enge Zeitvorgaben für ihre Mitarbeiter um, da bleibt kaum Spielraum zur individuellen Gestaltung von Pflegesituationen". Der wäre aber für Alleinstehende, Demenzkranke und schwerstpflegebedürftige Menschen dringend nötig.



Um unter anderem diesen Spielraum für Kommunikation zu schaffen, haben Pflegewissenschaftler der Universität Witten/Herdecke jetzt in München ein anderes Finanzierungsmodell erfolgreich getestet: Der Pflegedienst wird anders als bei der gängigen Komplexvergütung quasi im Stundenlohn bezahlt und kann mit dem Pflegebedürftigen oder Angehörigen entscheiden, was nötig ist und in der zur Verfügung stehenden Zeit gemacht werden soll. Das kann dann eben auch mal das persönliche Gespräch sein, in dem man sich die Sorgen von der Seele redet. Diese Möglichkeit ist im Gesetz zwar vorgesehen, allerdings gibt es dafür keine angemessene Finanzierungsmöglichkeit und daher wird sie kaum genutzt. Bernhard Holle: "Das liegt daran, dass Pflegedienste neben ihrer sozialen und caritativen Aufgabe immer auch wirtschaftlich denken müssen. Das geht auf die bisherige Art am besten, ist aber für die Patienten und ihre Familien nicht immer die beste Lösung." Und wer soll für einen Menschen ohne Familie oder Nachbarn den Koffer packen, wenn der ins Krankenhaus muss? Wer erledigt Behördengänge und Bankgeschäfte? Wenn keiner da ist, könnte das auch der Pflegedienst machen, aber das kann er bisher nicht mit der Pflegekasse abrechnen.

Für Holle und sein Team ist aber auch klar, dass dieses, auch in anderen Forschungsprojekten zur Zeit erprobte und politisch diskutierte Modell einer Versorgung mit so genannten personengebundenen Budgets, Schulungen und Fortbildungen auf Seiten der Pflegekräfte voraussetzt: "Der professionell Pflegende muss dann entscheiden und aushandeln können, wie die notwendige und fachlich geplante Pflege mit den Wünschen des Patienten in Einklang gebracht werden kann. Hier bietet die neue Finanzierungsform die Möglichkeit einer situationsgerechteren Versorgung in vielen Pflegesituationen. Eine Umsetzung der Regelung über den Rahmen des Forschungsprojektes hinaus erscheint daher für bestimmte Pflegesituationen durchaus wünschenswert."

Weitere Informationen bei Bernhard Holle, 02302/926-361, bholle@uni-wh.de

Dr. Olaf Kaltenborn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de

Weitere Berichte zu: Pflegesituation Pflegesituationen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Innovative Antikörper für die Tumortherapie
20.02.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Nervenschmerzen zukünftig wirksamer behandeln
20.02.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit den Betriebsräten Sozialpläne

21.02.2017 | Unternehmensmeldung

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten