Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verletzungen im Alter

02.09.2005


Im Zuge der permanenten Forschritte in der medizinischen Versorgung wird die Lebenswartung in den nächsten Jahren weiter steigen. Gleichzeitig wird sich dadurch das zahlenmäßige Verhältnis zwischen älteren und jüngeren Menschen erheblich verschieben. Vor diesem Hintergrund werden gesundes Älterwerden und selbstständiges Leben künftig eine der zentralen Herausforderungen unserer Gesellschaft darstellen. Eine der Hauptursachen für Krankheit, Behinderung und Pflegebedürftigkeit im Alter sind Verletzungen, wie insbesondere Knochenbrüche. Mit der besonderen Problematik von Verletzungen im Alter beschäftigen sich rund 300 Mediziner unterschiedlicher Fachgebiete vom 8. bis 10. September 2005 bei einem Kongress an der Universität Münster. Lokaler Tagungsleiter ist Prof. Dr. Michael J. Raschke, Direktor der Klinik für Unfall, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Münster (UKM) und derzeitiger Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Alterstraumatologie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie.



Die häufigste Ursache für Knochenbrüche im Alter sind Stürze in Kombination mit Osteoporose. Spezielle Implantate erlauben hier mittlerweile sehr gute operative Behandlungsmöglichkeiten. Allerdings ist es mit der Operation allein meistens nicht getan. Denn die Menschen in höherem Lebensalter leiden neben ihrer Verletzung häufig auch unter anderen Erkrankungen. Daher wird künftig eine fachübergreifende medizinische Erstversorgung mit anschließender geriatrischer Rehabilitation zur vollständigen Wiedereingliederung einen immer größeren Stellenwert bekommen, wie Raschke betont. Dieser Tatsache trägt der Kongress in Münster Rechnung. Bewusst wurden dazu als Referenten nicht nur Unfallchirurgen, sondern auch Vertreter anderer Disziplinen, wie Orthopäden, Rehabilitationsmediziner und Geriater eingeladen, die sich aus ihrer Perspektive und Erfahrung heraus mit dem Thema Alterstrauma auseinandersetzen.



Denn diese Problematik wird künftig weiter an Bedeutung gewinnen. "Geriatrische Frakturen werden mehr und mehr an der Spitze des Krankenhausbettenbedarfs stehen, weit vor Herzinfarkt und Schlaganfall zusammen", betont Prof. Raschke. Ziel der Veranstaltung in Münster ist es, neue interdisziplinäre Konzepte und Lösungsmodelle vorzustellen und im fachübergreifenden Dialog zu diskutieren. Dabei spielen nicht nur medizinische, sondern auch ökonomische Faktoren eine wichtige Rolle. Denn der steigende Kostendruck im Gesundheitswesen und die Neuordnung der Krankenhausfinanzierung, die zu einer Verkürzung der Liegezeiten geführt hat, machen ein Umdenken erforderlich. So stellt sich die Notwendigkeit, kostengünstigere Behandlungsverfahren zu entwickeln und den Patienten gleichzeitig noch frühzeitiger zu mobilisieren beziehungsweise in die Reha zu entlassen.

Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass gerade als Folge von Osteoporose erlittene Knochenbrüche, wie sie bei älteren Menschen sehr häufig sind, in der Regel komplexe Muster aufweisen und schwer zu behandeln sind, stellt diese Aufgabe keine geringe Herausforderung dar. Die moderne Unfallmedizin ist daher heute bestrebt, Osteoporose möglichst frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Gesundheitsökonomische Berechnungen des Statistischen Bundesamtes belegen, dass dadurch die Kosten für die Behandlung von Knochenbrüchen im Alter erheblich gesenkt werden können. Dies könnte von großer gesundheitsökonomischer Bedeutung sein, denn die Kosten für akute stationäre Alterstraumatologie drohen zu explodieren. Bereits 2002 beliefen sich die jährlichen Aufwendungen für Verletzungen von Patienten jenseits des 65. Lebensjahres auf 4,15 Milliarden Euro. Vorsichtige Berechnungen zeigen, dass bis zum Jahr 2030 eine Steigerung um 62,4 Prozent auf dann 6,74 Milliarden Euro zu erwarten ist. Für 2050 wurde sogar eine Steigerung um gut 87 (7,77 Milliarden Euro) gegenüber dem Jahr 2002 errechnet.

Die Entwicklung neuer Lösungsmodelle im Bereich der Alterstraumatologie ist aber nicht nur im Hinblick auf gesundheitsökonomische Aspekte von großer Bedeutung. Vielmehr geht es auch um eine Verbesserung der Situation betroffener Patienten. Denn die Situation beim Alterstrauma stellt sich derzeit noch dramatisch dar: Ein Viertel der Patienten mit Fraktur im Bereich des Hüftgelenks verstirbt innerhalb des ersten Jahres. Ein weiteres Viertel bleibt dauerhaft pflegebedürftig. Und jeder zweite Patient kann ohne Hilfe nicht mehr laufen beziehungsweise behält eine langfristige Behinderung zurück. Nur rund ein Drittel der Betroffenen sind nach einem Jahr sozial wieder voll eingegliedert.

Auf dem Programm des Kongresses im Schloss zu Münster stehen Übersichtsvorträge über den aktuellen Stand der Prophylaxe, der Therapie spezieller Frakturformen und der Rehabilitation. Zusätzliche Workshops ermöglichen einen Einblick in modernste Therapieverfahren bei Knochenbrüchen als Folge von Osteoporose. Darüber hinaus werden in einer Expertensitzung zum Thema "Was ist machbar - was ist finanzierbar?" führende Vertreter aus Politik, Industrie sowie Krankenhaus- und Sozialökonomie über Lösungsansätze und Strategien vor dem Hintergrund begrenzter finanzieller Ressourcen diskutieren. Teilnehmer dieser Runde ist unter anderem der neue nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Profitieren wird von dem Kongress aber auch die Bevölkerung in und um Münster. Für sie steht am 10. September von 15 bis 17 Uhr ein Patientenseminar auf dem Programm, bei sie sich über Fragen rund um Verletzungen im Alter, Therapiekonzepte und vorbeugende Maßnahmen eingehend informieren können.

Jutta Reising | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de/
http://www.alterstrauma.de/

Weitere Berichte zu: Alterstrauma Alterstraumatologie Osteoporose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften