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Wie der Mensch ein Gesicht erkennt

31.08.2005


Prof. Dr. Stefan R. Schweinberger zum Psychologie-Professor an der Universität Jena ernannt



Prosopagnosie heißt eine seltene Krankheit, bei der die Betroffenen ein Gesicht nicht mehr einer bestimmten Person zuordnen können. Spätestens nachdem Stefan R. Schweinberger während eines Krankenhauspraktikums einem Patienten mit dieser Störung begegnete, war seine Neugier auf Hirnforschung und Neuropsychologie geweckt. Daraus entwickelte sich ein andauerndes Interesse für die Frage, wie das System Gehirn und seine Wahrnehmungsweisen funktionieren, die den Lebensweg des gebürtigen Kempteners geprägt hat. Heute ist sein Spezialgebiet die Gesichtserkennung, die der 42-Jährige jetzt als neuer Lehrstuhlinhaber für Allgemeine Psychologie I an der Universität Jena betreibt.



Das Gesicht spielt auch bei der Kommunikation eine wichtige Rolle. Studien haben bewiesen, dass die visuelle Information des sprechenden Gesichts die akustische Sprachwahrnehmung stark beeinflusst. So wird z. B. in lautem Umfeld das Sprachverständnis durch den Blick auf das andere Gesicht erheblich verbessert. Andererseits kennt auch jeder das Problem, zwar ein Gesicht zu erkennen, aber den zugehörigen Namen nicht parat zu haben. Wie die Gesichterwahrnehmung funktioniert, wo sie gespeichert wird und wie die Wiedererkennung mit anderen Informationen verknüpft wird, gehört zu den zentralen Forschungsfragen von Prof. Schweinberger.

Bereits während seiner Promotion (1991) an der Universität Konstanz beschäftigte er sich mit der "Neuropsychologie der Gesichtserkennung". In seiner Habilitation (1997) ergänzte er dieses Thema um die Bereiche Namen und Stimmen.

Inzwischen hat Schweinberger, der permanent an der Schnittstelle zwischen Psychologie und Medizin arbeitet, drei neuronale Verbindungszentren mitidentifiziert. Unter anderem das Gehirnareal, das nach 250 Millisekunden ein Gesicht indirekt erkennt. Erkenntnisse, die Schweinberger als Grundlage für weitere Gehirnforschung sieht, die aber in der Medizin in ferner Zukunft ebenso bei der Behandlung von Patienten helfen könnten.

In Jena, wohin er mit Familie inzwischen umgezogen ist, will Prof. Schweinberger an dieser Schnittstelle weiterforschen. Seinen Lehrstuhl in Glasgow, den er seit 2000 inne hatte, hat er dafür verlassen. Denn an der Friedrich-Schiller-Universität sei "die technische Ausstattung für meine Forschungen exzellent". Außerdem lockten den passionierten Bergsteiger die überragenden Ergebnisse der Jenaer Psychologen bei allen Rankings, die gute Atmosphäre am Institut für Psychologie sowie die von den Kolleginnen und Kollegen behandelten "spannenden Forschungsthemen", die eine gute Vernetzung seiner Projekte zur Aufmerksamkeits-, Sprach-, Gedächtnis- und natürlich zur Gesichterforschung ermöglichen.

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

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