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Geteiltes Organ rettet zwei Menschenleben

25.08.2005


Transplantationszentrum Heidelberg führt erstmals "Full-Splitleber-Transplantation" durch / Neue Lebensqualität für dreijährigen Jungen aus Mannheim


Die Leber eines Erwachsenen kann unbeschadet in zwei Teilstücke geteilt werden. Bei der "Full-Split-Operation" werden die Leberhälften eines verstorbenen Organspenders zwei Empfängern eingepflanzt (die linke kleinere Hälfte erhielt Philip, die größere rechte Hälfte eine 47-jährige Frau). Bei einer Lebendspende verbleibt eine Hälfte im Körper des Spenders und die andere Hälfte wird transplantiert. Die Organteile wachsen jeweils zu einer vollständigen und funktionstüchtigen Leber heran.
Abb.: Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg


Der kleine Philip aus Mannheim war der erste, der davon profitierte: Das Transplantationszentrum Heidelberg hat sein Behandlungsspektrum bei der Lebertransplantation erneut ausgebaut. Erstmals wurde eine so genannte "Full-Split-Operation" bei einem dreijährigen Jungen durchgeführt.


Damit werden am Zentrum unter Leitung von Professor Dr. Dr. h.c. Markus W. Büchler alle medizinisch verfügbaren Operationstechniken für Lebertransplantationen angeboten - ein für den gesamten süddeutschen Raum herausragendes Leistungsspektrum. Die "Splitleber-Transplantation" wird nur an wenigen Zentren in Deutschland durchgeführt.

Neun Lebertransplantationen bei Kindern im Heidelberger Zentrum


In enger Zusammenarbeit mit der Heidelberger Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin haben die Experten in den vergangenen eineinhalb Jahren insgesamt neun Kindern eine neue Leber transplantiert; jüngster Patient war der erst sieben Monate alte Patrick aus Ludwigshafen.

Nach wie vor stehen zu wenige Lebertransplantate zur Rettung schwerkranker Patienten zur Verfügung; jeder Dritte stirbt während der Wartezeit auf ein Organ. Vor allem Kinder leiden unter dem Mangel an Spenderorganen.

Da die Leber eines Erwachsenen unbeschadet in zwei Teilstücke geteilt werden kann, kann sie zwei Menschen das Leben retten. Mit der modernen Splittechnik kann somit die Zahl der transplantierten Organe gesteigert werden. Dabei wird je ein Teil einem Erwachsenen und einem Kind - oder auch zwei Erwachsenen - eingepflanzt. Die Organteile wachsen im Körper des Empfängers zu einer vollständigen und funktionstüchtigen Leber heran.

Der dreijährige Philip litt an "Morbus Byler", einer seltenen erblichen Krankheit, bei der keine fettlöslichen Vitamine aufgenommen werden können und Gallensalze auf Dauer die Leber zerstören. Unbehandelt führt sie innerhalb weniger Jahre zum Tode. Medikamente, Vitamingaben und eine Operation, bei der ein künstlicher Gallenausgang angelegt wurde, nützten bei Philip nichts. Eine Leberzirrhose, die das Organ zerstört, hatte sich bereits entwickelt.

Doch das rettende Transplantat kam rechtzeitig: Die fast 300 Gramm schwere linke Leberhälfte eines verstorbenen Organspenders, die Professor Dr. Jan Schmidt, Geschäftsführender Oberarzt am Heidelberger Transplantationszentrum und Leiter der Viszeralen Organtransplantation, in einer fünfstündigen Operation erfolgreich transplantierte. Das Transplantat hat ein neues Kind aus Philip gemacht. "Extrem müde und immer unzufrieden" war er nach Angaben seiner Mutter zuvor. Morbus Byler ist zudem mit einem quälenden Juckreiz verbunden, der Kind und Eltern viele schlaflose Nächte bereitete.

Die rechte Leberhälfte erhielt eine 47-jährige Frau mit einer schweren entzündlichen Lebererkrankung. Auch ihr geht es sehr gut. Beide Patienten konnten mittlerweile bereits aus der Klinik entlassen werden.

Die neue Leber wächst mit / Nur noch zwei Medikamente nötig

"Philip ist richtig aufgeblüht seit der Operation", sagt seine Mutter. "Für mich ist er jetzt gesund; endlich erlebe ich ein Kleinkind wie andere Mütter", freut sich die Krankenschwester aus Mannheim: "Und wenn das auch nur für Monate gewesen wäre - mir wäre es die Operation wert gewesen." Auch einen Teil ihrer eigenen Leber hätten die Eltern gerne gespendet, wenn es für Philip kein Fremdorgan gegeben hätte.

Der Dreijährige wird mit seiner neuen Leber erwachsen werden, davon sind die Kinderärzte Dr. Henning Lenhartz, Dr. Jochen Meyburg und Dr. Guido Engelmann vom Team der Heidelberger Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin überzeugt. Schließlich gibt es Betroffene, bei denen seit der Lebertransplantation fast 30 Jahre vergangen sind. Letztlich soll Philip nur noch zwei Medikamente einnehmen: eines, das eine Abstoßung der Leber verhindert, und eines, das den Gallenfluss in Gang hält und auch die Leberzellen vor Abstoßung schützen soll.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Jan Schmidt
Transplantationszentrum Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 62 04
E-Mail: jan_schmidt@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

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