Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Psychische Erkrankungen mit fließenden Grenzen

25.08.2005


Experten treffen sich zu Symposion zu Persönlichkeitsstörungen



Ab Freitag, dem 26. August 2005, kommen Experten aus der ganzen Bundesrepublik nach Rostock, um am "3. Hansesymposium Psychiatrie" teilzunehmen. Im Mittelpunkt der Tagung mit dem Titel "State of the Art" steht das Thema Persönlichkeitsstörungen. Fragen der Diagnose und Behandlung dieser psychischen Erkrankungen anhand neuester Methoden werden dabei erörtert. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Therapie des Borderline-Syndroms gelegt. In Workshops werden unter anderem neue Behandlungsansätze erprobt. Veranstaltet wird die Tagung von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Rostock. Erwartet werden etwa 250 Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet.



Persönlichkeitsstörungen sind sehr weit verbreitet. "10 Prozent der Menschen leiden unter diesen psychischen Störungen", schätzt Professor Dr. Sabine Herpertz, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Univer-sitätsklinikum Rostock und Organisatorin des 3. Hanse-Symposiums Psychiatrie. "Unter den Patienten, die wegen anderer Probleme an unserer Klinik behandelt werden, leiden sogar 30 bis 40 Prozent unter Persönlichkeitsstörungen." Gemeint sind damit Störungen der Persönlichkeitsentwicklung, aus denen psychische Probleme erwachsen. Persönlichkeitsstörungen treten gewöhnlich erstmals im jugendlichen Alter auf und begleiten die meisten Menschen zeitlebens. Unsicherheit, Ängstlichkeit oder Schüchternheit gehören zu den Symptomen und sind bei der selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung Namen gebend. "Die Grenzen zwischen gewöhnlichen Charaktereigenschaften und einer Krankheit, die den Menschen daran hindert, seine Lebensaufgaben zu meistern, sind fließend", sagt Professor Herpertz.

Gewöhnlich treten Persönlichkeitsstörungen besonders in Krisensituationen zuta-ge. Etwa bei der Partnersuche, wenn die Betroffenen sich als minderwertig und unattraktiv empfinden, oder wenn schwierige Lebensentscheidungen anstehen. "Wenn zum Beispiel jemand mit 40 Jahren seinen Arbeitsplatz verliert, kann sich eine massive Persönlichkeitsstörung manifestieren, die nicht zum Tragen kam, so lange der Lebenszustand des Betroffenen stabil war", sagt Frau Professor Herpertz und verweist auf die spezifischen Probleme im Nordosten der Bundesrepublik. "In einer strukturschwachen Gegend wie Mecklenburg-Vorpommern lassen sich solche Krisensituationen oft schlechter kompensieren." Professor Herpertz plädiert daher dafür, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen und Kurse zur Stress- oder Angstbewältigung zu veranstalten, damit Menschen frühzeitig mit ihren Schwächen umzugehen lernen, aber auch ihre Stärken entdecken und bewusster nutzen.

Ein Schwerpunkt des 3. Hanse-Symposiums Psychiatrie ist die Erforschung des Borderline-Syndroms - einer schwerwiegenden psychischen Erkrankung, bei der vor allem jugendliche Patientinnen und Patienten unter starken Stimmungsschwankungen leiden und sich sogar selbst Verletzungen zufügen. Am Universitätsklinikum Rostock wird die Erforschung und Behandlung dieser Krankheit vorangetrieben. So konnten die Rostocker Forscher eine Region im so genannten limbischen System ausfindig machen, die bei emotionaler Belastung besonders stark reagiert und es gelang ihnen der Nachweis, dass eine aus den USA stammende neue Psychotherapie zu einer Normalisierung der entsprechenden Hirnregionen führt. Nicht zuletzt aufgrund dieser Forschungsergebnisse wird die Behandlung mit diesem psychotherapeutischen Ansatz für Borderline-Patienten am Universitätsklinikum angeboten.

Das Hanse-Symposium ist eine jährliche Veranstaltung, die in diesem Jahr zum dritten Mal stattfindet. Als Referenten wurden Spezialisten aus dem ganzen Bun-desgebiet eingeladen. Neben Vorträgen werden Workshops zu neuen Therapieansätzen, aber auch zu Fragen der Schuldfähigkeitsbegutachtung oder Straftätertherapie veranstaltet. Erwartet werden etwa 250 Teilnehmer.

3. Hanse-Symposium Psychiatrie. "State of the Art" - Persönlichkeitsstörungen. 26 bis 27. August 2005, Hotel Neptun, Rostock-Warnemünde

Ansprechpartner:

Für den Inhalt
Frau Dr. Viola Habermeyer
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Rostock
Gehlsheimer Straße 20
18147 Rostock
Tel. 0381/4944908

Frau Professor Dr. Sabine Herpertz
Direktorin der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Rostock
Gehlsheimer Straße 20
18147 Rostock
Tel. 0381/4949500

Für das Klinikum
Prof. Dr. Peter Schuff-Werner
Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Rostock
Rembrandtstraße 16/17
18057 Rostock
Tel. 0381/4945011

Professor Dr. Gabriele Nöldge-Schomburg
Dekanin
Medizinische Fakultät
Universität Rostock
Rembrandtstraße 16/17
18057 Rostock
Tel. 0381/4945001
Fax. 0381/4945002

Dr.-Ing. Karl-Heinz Kutz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Berichte zu: Persönlichkeitsstörung Poliklinik Psychiatrie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten