Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

HIV-Infizierte leben länger mit zusätzlicher Virusinfektion

06.09.2001


Studie von MHH-Forschern heute im "New England Journal of Medicine" publiziert

Es klingt paradox: HIV-Patienten leben länger, wenn sie gleichzeitig mit dem so genannten GB Virus-C (GBV-C, auch als Hepatitis G Virus bekannt) infiziert sind. Darüber berichtet eine Studie, die in der heutigen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine" erscheint. Ein Forscherteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) um Dr. Hans Ludger Tillmann hatte 197 Patienten untersucht. Beteiligt waren die Abteilung Gastroenterologie und Hepatologie (Direktor: Professor Dr. Michael P. Manns) und die Abteilung Klinische Immunologie (Direktor: Professor Dr. Reinhold E. Schmidt). Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass Patienten mit HIV und gleichzeitiger GBV-C-Infektion später als andere an AIDS erkranken und danach auch länger überleben. Dies gilt ebenfalls, wenn die HIV-Infektion mit einer hochwirksamen antiviralen Therapie (HAART) behandelt wird. Ob GBV-C tatsächlich die Ursache für das längere Überleben ist, muss in weiteren Studien geklärt werden. Derzeit wird in der MHH die Wechselwirkung beider Viren untersucht. In Zukunft könnten sich hier neue Perspektiven in der Therapie der HIV-Infektion und der AIDS-Erkrankung eröffnen.

GBV-C wurde 1995 bei der Suche nach Hepatitisviren entdeckt. Zum Erstaunen der Forscher löste der Erreger allerdings sehr selten Leberentzündung aus. GBV-C wird über Blut, Sperma oder von der Mutter auf das Neugeborene - und vermutlich auch durch Schmierinfektionen (fäkal-oral) - übertragen. Bei einem Drittel der GBV-C-Infizierten lässt sich das Virus dauerhaft im Blut nachweisen, ohne offensichtlich zu einer Erkrankung zu führen.

1998 publizierten die MHH-Forscher im "Journal of Infectious Disease" erstmals den möglichen Zusammenhang zwischen HIV und GBV-C. Andere Arbeitsgruppen bestätigten mittlerweile die Ergebnisse. Die aktuelle Studie zeigt, dass es einen umgekehrten Zusammenhang zwischen der Menge von GBV-C im Blut und der HIV-Anzahl gibt: Wird beispielsweise viel GBV-C gemessen, finden sich nur wenig HI-Viren. Hingegen besteht kein Zusammenhang mit bestimmten Zellen des Immunsystems, den CD4-Zellen. Die HIV-Viruslast und die CD4-Zellzahl und stellen wichtige Prognosefaktoren für die HIV-Infektion dar.

Das Forschungsprojekt der MHH-Abteilungen Gastroenterologie und Hepatologie sowie Klinische Immunologie ist eingebettet in das Kompetenznetz Hepatitis (HEP-NET), das im Oktober 2001 startet und mit 25 Millionen Mark vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Sprecher ist Professor Michael P. Manns aus der MHH.

Weitere Informationen geben gern 

Dr. Hans Ludger Tillmann, Telefon: (0511) 532-3005, E-Mail:  Tillmann@tx-amb.mh-hannover.de

 und 

Privatdozent Dr. Matthias Stoll, Telefon: (0511) 532-3637, E-Mail: Stoll.Matthias@mh-hannover.de

Dr. Arnd Schweitzer | idw

Weitere Berichte zu: GBV-C HIV-Infektion MHH Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kommunikation ist alles – auch im Immunsystem
28.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie der Stoffwechsel im Zellkern (Krebs-)Gene kontrolliert
28.11.2017 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

11.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Jenaer Wissenschaftler für Prostatakrebs-Forschung ausgezeichnet

11.12.2017 | Förderungen Preise

Der Buche in die Gene schauen - Vollständiges Genom der Rotbuche entschlüsselt

11.12.2017 | Biowissenschaften Chemie