Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ursache für Schlaganfälle geklärt

11.08.2005


Rostocker Neurologen: Seltener Gendefekt häufig verantwortlich für Schlag-anfall bei jüngeren Patienten



Eine genetisch bedingte Stoffwechselkrankheit ist bei jüngeren Patienten häufig die Ursache für Schlaganfälle. Diese Befunde um das Team von Prof. Dr. Arndt Rolfs aus der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Rostock werden jetzt in der renommierten medizinischen Zeitschrift LANCET publiziert. Es handelt sich dabei um einen Defekt namens Morbus Fabry, infolge dessen den Patienten ein spezielles Enzym im Stoffwechsel fehlt. Eine mehrjährige bundesweite Studie der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Rostock belegt nun, dass ein erheblicher Teil vor allem jüngerer Schlaganfallpatienten unter diesem Enzymmangel leidet. Aufgrund dieser Erkenntnisse lassen sich Schlaganfälle nun teilweise gezielt therapieren - und die Gefahr neuerlicher Infarkte deutlich vermindern.

... mehr zu:
»Morbus »Schlaganfall


"Morbus Fabry ist eigentlich eine seltene Krankheit", sagt Professor Dr. Arndt Rolfs. "Als wir aber jugendliche Schlaganfallpatienten auf diese Krankheit hin untersuchten, stellten wir fest, dass etwa fünf Prozent der Betroffenen diesen Enzymmangel aufwiesen." Dafür wurden zwischen 2001 und 2004 mehr als 700 jugendliche Patienten untersucht. Die im Rahmen der bundesweit durchgeführten Studie untersuchten Betroffenen waren zwischen 18 und 55 Jahren alt. Fünf Prozent aller Ursachen - das klinge zunächst wenig. Es ist damit aber mit deutlichem Abstand die wichtigste Einzelursache für Schlaganfälle bei jüngeren Patienten - insbesondere bei solchen, die nicht die typischen Risikofaktoren haben wie hoher Blutdruck, Nikotin, Übergewicht und hohe Fette - und ist insbesondere seit ca. zwei Jahren durch eine sog. Enzymersatztherapie gezielt therapierbar. Dies bedeutet eine Revolution in der Erforschung des Schlaganfalls, da bislang meist gerade bei den jüngeren Patienten kaum Ursachen für den Schlaganfall gefunden wurden, diese Gruppe aber besonders hart von den Konsequenzen eines Schlaganfalls getroffen sind, und jetzt am deutlichsten von einer neuen Therapie profitieren könnten. Vor dem Hintergrund der meist geringen Kenntnisse über den M. Fabry ist die gezielte Aufklärung von besonderer Bedeutung.

Die Konsequenzen dieser Erkenntnisse sind bahnbrechend: "Einer großen Anzahl von jüngeren Patienten mit Schlaganfall kann zukünftig geholfen werden, um insbesondere einen weiteren Schlaganfall zu verhindern", sagt Professor Rolfs. Junge Schlaganfallpatienten sollten künftig auf Morbus Fabry untersucht werden, um dann eine spezielle Enzymtherapie einleiten zu können, die das Auftreten weiterer Schlaganfälle verhindert. Beim rechtzeitigen Nachweis von Morbus Fabry - insbesondere im Rahmen von Familien, bei denen bereits bei einzelnen jüngeren Mitgliedern ein Schlaganfall aufgetreten ist, könnte dann der Hirnschlag verhindert werden.

Morbus Fabry, benannt nach dem deutschen Arzt Johannes Fabry (1860-1930), ist eine Erbkrankheit, die durch ein fehlerhaftes Gen hervorgerufen wird. Dieses Gen bewirkt das Fehlen eines Enzyms, das für den Abbau von Fettsubstanzen zuständig ist. Diese normalerweise abgebauten Fette lagern sich im Körper an - in verschiedenen Geweben und vor allem in den Blutgefäßen, die auf diese Weise verengt werden. Häufig betroffen sind die Nieren, das Herz, das Nervensystem und die Verdauungsorgane. Folge der Erkrankung ist auf lange Sicht neben dem Schlaganfall ein Organversagen von Herz und Niere. Von daher muss auch bei Patienten mit unklarer Herzerkrankung und Nierenversagen mit Blutwäsche an das Vorliegen eines M. Fabry gedacht werden.

Professor Dr. Arndt Rolfs
Leitender Oberarzt
Klinik und Poliklinik für Neurologie
Gehlsheimer Straße 20
18147 Rostock
Tel. 0381/4949540
mailto:arndt.rolfs@med.uni-rostock.de

Dr.-Ing. Karl-Heinz Kutz | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-rostock.de

Weitere Berichte zu: Morbus Schlaganfall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen