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Hormonersatztherapie kann keinen Krebs auslösen, allenfalls bereits vorhandene Tumoren im Wachstum stimulieren

10.08.2005


Rund ein Viertel aller Frauen, die unter Wechseljahresbeschwerden leiden, nehmen künstliche Hormone gegen Hitzewallungen und seelische Verstimmungen ein. Seitdem jedoch mit der "Million Women Study" und der "Women’s Health Initiative" zwei große Studien einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Hormonen und einem erhöhten Risiko für Brustkrebs feststellten, ist die Hormonersatztherapie (HET) umstritten. Eine Forschergruppe um den Charité-Pathologen Professor Dr. Manfred Dietel hat die Studien jetzt geprüft und bezweifelt in einem wissenschaftlichen Aufsatz,(x) dass Östrogene und Gestagene tatsächlich Brustkrebs auslösen. "Die Homonersatztherapie hat keinen Einfluss auf die primäre Neubildung von Brustkrebs", bilanziert Erstautor Manfred Dietel. "Die Daten lassen nur den Schluss zu, dass die Hormone das Wachstum bereits vorhandener hormonsensitiver Brusttumoren stimulieren." Experten schätzen, dass etwa 60-70 Prozent aller Mammakarzinome auf Hormone ansprechen.



Dank des schnelleren Wachstums könne der Tumor bei Vorsorgeuntersuchungen früher entdeckt und operiert werden; es gebe sogar Hinweise, dass Tumoren einen günstigeren Verlauf zeigen, wenn die erkrankten Frauen Hormone einnehmen. Manfred Dietel: "Nach bisherigen Erkenntnissen kommen wir zu dem Schluss, dass Hormone in den Wechseljahren keinen gesundheitlichen Nachteil bezüglich der Entstehung von Brustkrebs bringen." Voraussetzung sei allerdings, dass Vorsorge- und Mammographieuntersuchungen regelmäßig wahrgenommen würden.

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Im Kernpunkt der methodenkritischen Betrachtung von Manfred Dietel und den Gesundheitssystemforschern Michael Lewis und Samuel Shapiro stehen die Gesetzmäßigkeiten der Tumorbiologie. So steht fest, dass die erste Tumorzelle nach ihrer Bildung einen Zeitraum von mindestens fünf, wenn nicht gar zehn Jahren benötigt, um über Zellteilung auf eine Tumormasse von 0,5 bis einem Zentimeter Durchmesser anzuwachsen - ab dieser Größe können Brusttumoren bei der Mammographie überhaupt erst entdeckt werden.

Studien, die ein erhöhtes Krebsrisiko bei der Einnahme von Hormonen feststellten, haben jedoch lediglich Untersuchungszeiträume zwischen einem und sechs Jahren zugrunde gelegt. "Diese Untersuchungszeiträume sind zu kurz, um tatsächlich Rückschlüsse auf einen Zusammenhang zwischen der Neubildung eines Brustkrebstumors und der Einnahme von Hormonen ziehen zu können", so Manfred Dietel.

Kerstin Ullrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.charite.de/mediamed

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