Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wann Hormone für den Mann?

04.09.2001


Fragen an den Tagungspräsidenten, Professor Dr. Severin Lenk

In einer Zeit, da die Menschen in unseren Zivilisationsgesellschaften immer älter werden, erreicht die modische "Anti-Aging" Bewegung nicht nur die Frau sondern langsam auch den alternden Mann. Vital, das heißt gesund und leistungsfähig im Alter sein und bleiben, ist das Ziel, das immer mehr aufgeklärte Männer vor Auge haben.
Auch die "Deutsche Gesellschaft für Urologie" hat dieses Thema in ihre Weiterbildungsveranstaltungen aufgenommen und klärt in diesem Jahr auf zahlreichen Konferenzen darüber auf. Professor Dr. Severin Lenk, von der "Klinik für Urologie" der Charité ist Präsident der 13. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Andrologie"(Männerheilkunde), die vom 6.- 8. September in Berlin tagt. Wir sprachen mit ihm:
?? Herr Professor Lenk, lässt sich altern durch anti-aging verzögern?
Lenk: Altern kann man dadurch nicht aufhalten. Aber altersspezifische Leiden lassen sich mildern oder ganz verhindern. Dazu gehören die Krankheiten, wie Diabetes, Fettsucht, und seine Folgen, Hochdruck oder Gelenkbeschwerden, die der Mensch selbst verhindern kann, durch Maßhalten beim Essen und Trinken, beim Rauchen und Alkoholkonsum und im Bemühen um körperliche Beweglichkeit und Sport. Auch die Ernährung scheint Einfluss zu haben, etwa auf die Entwicklung von Prostatakrebs beim älteren Mann. Auf jeden Fall sollte man anstreben, mit hoher Lebensqualität ins Alter zu gehen. Und rechtzeitig die im normalen Lebenslauf auftretenden Störungen, sofern sie Krankheitswert erlangen, behandeln lassen. Dann ist oft viel gewonnen.
?? An welche Störungen sind beim Manne zu denken?
Lenk: In der Bevölkerung ist bisher noch wenig bekannt, dass beim Manne im Laufe seines Lebens die Sexualhormonproduktion abnimmt und dass dies ein Problem werden kann.
Woran erkennt der Mann, dass ihm etwas fehlt? ?
Lenk: betroffene Männer klagen über Leistungsinsuffizienz und über Konzentrationsschwäche. Sie haben depressive Verstimmungen, die aber nicht ohne weiteres erkennbar sind, mitunter in ersten Linie im Arbeitsleben offenbar werden: Der Mann scheint überfordert, ist auf ein Mal nicht mehr in der Lage, seine bisherige Leistung zu erbringen, er sieht Mitarbeiter an sich vorüberziehen.
?? Die wenigstens denken dann an eine nachlassende Hormonproduktion in ihrem Körper....
Lenk: Es ist einfach noch zu wenig bekannt, dass männliche Sexualhormone auch das Denkvermögen, die Psyche und die Muskulatur beeinflussen, keineswegs nur die Sexualität. Der Arzt kann im Einzelfall feststellen, ob tatsächlich ein Hormondefizit besteht. Trifft das zu, so lässt sich durch Hormonsubstitution oft durchaus einiges bessern. Das wichtigste ist, dass der Hormonstatus überhaupt erhoben wird, wenn Beschwerden der genannten Art auftreten.
?? Welche Hormone interessieren in diesem Zusammenhang?
Bestimmt wird dabei nicht nur die Menge des männlichen Sexualhormons, des Testosterons, sondern auch die bestimmter Globuline, die in der Leber das Testosteron binden und es damit biologisch unwirksam machen. Außerdem messen wir auch Nebennierenrinden- Hormone, besonders das sogenannte De-hydro-epi-androsteron ( DHEA) und das Androsteronsulfat und ziehen aus allem zusammen dann unsere Schlüsse und leiten daraus unsere Therapieempfehlungen ab. Dazu ist es auch notwendig, stets die Höhe des sogenannten "Prosta-spezifischen Antigens" (PSA) zu bestimmen und in Abständen zu kontrollieren. Ein überhöhter Wert weist auf einen Prostata-Tumor hin. In solchem Fall ist eine Hormonbehandlung nicht möglich, weil Testosterone das Wachstum vorhandener Krebszellen in der Prostata fördern können.
Schließlich stellen wir auch die Konzentration von Östrogenen fest, die beim Umbau des Testosterons entstehen. Denn auch beim Mann führt ein Mangel an diesen "weiblichen" Hormonen zu erhöhter Brüchigkeit der Knochen, zur Osteoporose. Durch Hormonsubstitution mit Testosteron lässt sich aber das Fortschreiten der Osteoporose deutlich aufhalten, bzw. eine beginnende Osteoporose sogar rückgängig machen.
?? Mit Hormonmängeln bringen Männer aber vor allem eine Verminderung ihrer Sexualfunktionen in Zusammenhang. Ist das einseitig?
Lenk: Die Schwierigkeiten mit der Sexualität beginnen bei Männern oft schon nach dem 40. Lebensjahr, haben aber ihren Höhepunkt zwischen dem 50. Und 70. Die sogenannte "erektile Dysfunktion" die Unfähigkeit, eine normale Erektion zu bekommen, steht zwar beim Patienten meist im Vordergrund, sie lässt sich aber mit Hormonen kaum wesentlich bessern (außer in Fällen, wo ein ganz erheblicher Hormonmangel herrscht). Die Gründe für Erektionsschwäche sind zahlreich, unter anderem psychischer Art. Sie können durch Partnerprobleme bedingt sein oder körperliche Ursachen haben, etwa durch Gefäßerkrankungen oder Diabetes. Die Hormone sind dagegen eher zuständig für die Lust.
?? Welche Art der Hormontherapie steht denn zur Verfügung?
Lenk: Man gibt Testosteron als Tablette, als Pflaster oder als Spritze. Tabletten sind als Langzeittherapie ungeeignet, weil sie drei mal am Tag einzunehmen sind. Von den Pflastern muss der Mann täglich zwei kleben und die Spritzenbehandlung erfordert Injektionen im Abstand von zwei bis drei Wochen. Im Ausland sind Gele und Implantate, sogenannte Presslinge, die unter die Haut gespritzt werden und als Depot wirken, in Erprobung.
Ob das DHEA, das derzeit als Life-Style- Droge angesehen wird, mehr kann, muss sich noch zeigen. Unter der Gabe dieses schwachen Androgens aus der Nebennierenrinde werden Konzentrationsstörungen und Depressionen abgemildert, auf Libido und Sexualfunktionen hat die Substanz kaum Einfluss.
?? Was kann man alternden Männern mit Potenzproblemen raten?
Lenk: Bei der erektilen Dysfunktion kommen heutzutage eher örtlich am Penis wirksam werdende Substanzen, wie Viagra, in Betracht oder neue, zentral, also im Gehirn, angreifende Wirkstoffe wie die Apomorphine, die die Libido anregen und über diesen Weg zur Erektion führen.
Herzlichen Dank für das Gespräch.
Silvia Schattenfroh

_______

Charité
Medizinische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin
Dekanat / Pressereferat-Forschung
Dr. med. Silvia Schattenfroh
Augustenburger Platz 1
13 353 Berlin

FON: (030) 450-570-400
FAX: (030) 450-570-940
E-Mail: silvia.schattenfroh@charite.de

Dr. med. Silvia Schattenfroh | idw

Weitere Berichte zu: Diabetes Hormon Hormonsubstitution Osteoporose Testosteron

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Maßgeschneiderte Strategie gegen Glioblastome
26.09.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Neue Therapie gegen osteoporosebedingte Knochenbrüche
26.09.2016 | Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln quantenphotonischen Schaltkreis mit elektrischer Lichtquelle

Optische Quantenrechner könnten die Computertechnologie revolutionieren. Forschern um Wolfram Pernice von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sowie Ralph Krupke, Manfred Kappes und Carsten Rockstuhl vom Karlsruher Institut für Technologie ist es nun gelungen, einen quantenoptischen Versuchsaufbau auf einem Chip zu platzieren. Damit haben sie eine Voraussetzung erfüllt, um photonische Schaltkreise für optische Quantencomputer nutzbar machen zu können.

Ob für eine abhörsichere Datenverschlüsselung, die ultraschnelle Berechnung riesiger Datenmengen oder die sogenannte Quantensimulation, mit der hochkomplexe...

Im Focus: First quantum photonic circuit with electrically driven light source

Optical quantum computers can revolutionize computer technology. A team of researchers led by scientists from Münster University and KIT now succeeded in putting a quantum optical experimental set-up onto a chip. In doing so, they have met one of the requirements for making it possible to use photonic circuits for optical quantum computers.

Optical quantum computers are what people are pinning their hopes on for tomorrow’s computer technology – whether for tap-proof data encryption, ultrafast...

Im Focus: Quantenboost für künstliche Intelligenz

Intelligente Maschinen, die selbständig lernen, gelten als Zukunftstrend. Forscher der Universität Innsbruck und des Joint Quantum Institute in Maryland, USA, loten nun in der Fachzeitschrift Physical Review Letters aus, wie Quantentechnologien dabei helfen können, die Methoden des maschinellen Lernens weiter zu verbessern.

In selbstfahrenden Autos, IBM's Watson oder Google's AlphaGo sind Computerprogramme am Werk, die aus Erfahrungen lernen können. Solche Maschinen werden im Zuge...

Im Focus: Synthese-chemischer Meilenstein: Neues Ferrocenium-Molekül entdeckt

Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben zusammen mit Kollegen der Freien Universität Berlin ein neues Molekül entdeckt: Die Eisenverbindung in der seltenen Oxidationsstufe +4 gehört zu den Ferrocenen und ist äußerst schwierig zu synthetisieren.

Metallocene werden umgangssprachlich auch als Sandwichverbindungen bezeichnet. Sie bestehen aus zwei organischen ringförmigen Verbindungen, den...

Im Focus: Neue Entwicklungen in der Asphären-Messtechnik

Kompetenzzentrum Ultrapräzise Oberflächenbearbeitung (CC UPOB) lädt zum Expertentreffen im März 2017 ein

Ob in Weltraumteleskopen, deren Optiken trotz großer Abmessungen nanometergenau gefertigt sein müssen, in Handykameras oder in Endoskopen − Asphären kommen in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Laser für Neurochirurgie und Biofabrikation - LaserForum 2016 thematisiert Medizintechnik

27.09.2016 | Veranstaltungen

Ist Vergessen die Zukunft?

27.09.2016 | Veranstaltungen

Von der Probe zum digitalen Modell - MikroskopieTrends ´16

26.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nanotechnologie für Energie-Materialien: Elektroden wie Blattadern

27.09.2016 | Physik Astronomie

Ultradünne Membranen aus Graphen

27.09.2016 | Physik Astronomie

Ein magnetischer Antrieb für Mikroroboter

27.09.2016 | Biowissenschaften Chemie