Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Parkinson-Forscher analysieren Pigmente in Gehirnzellen

01.08.2005


Publikation in "Molecular and Cellular Proteomics"



Bei der Parkinson-Krankheit scheinen Pigmente eine Rolle zu spielen. Sie liegen in einer speziellen Region des Gehirns als winzige Körner vor, ihre Funktion ist bislang unbekannt. Wissenschaftler von der Uni Würzburg haben mit Bochumer Kollegen nun erstmals ermittelt, aus welchen Proteinen diese so genannten Neuromelanin-Körnchen zusammengesetzt sind.

... mehr zu:
»Nervenzelle »Neuromelanin »Pigment


Parkinson trifft vor allem ältere Menschen. Bei der Erkrankung sterben in einer schwarz gefärbten Region des Mittelhirns nach und nach Nervenzellen ab, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Diesen Stoff aber benötigt der Mensch für die willkürliche Steuerung seiner Bewegungen. Der Tod der Zellen führt darum bei Parkinson-Patienten zu typischen Symptomen wie einem ständigen Zittern oder nicht kontrollierbaren, sich wiederholenden Handbewegungen.

Offenbar hat das Neuromelanin Einfluss auf das Absterben der Nervenzellen, wie der Biochemiker Florian Tribl von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uni Würzburg erklärt. Die kleinen Dopamin-Fabriken enthalten nämlich unterschiedlich viel von diesem Pigment. Je mehr davon in ihnen vorhanden ist, umso eher sterben sie im Verlauf der Krankheit ab.

Obwohl das Neuromelanin also offensichtlich wichtig ist, sind bis heute noch etliche Fragen ungeklärt. Wie ist sein genauer molekularer Aufbau? Warum wird es nur in einigen Nervenzellen produziert? Wird es für eine bestimmte Aufgabe hergestellt oder ist es ein Abfallprodukt? Und was ist seine genaue Funktion?

Dass die Wissenschaft so wenig über dieses Pigment weiß, hat mehrere Gründe. Zum einen tritt Neuromelanin vor allem bei Menschen und Primaten auf, so dass es kein geeignetes Tiermodell für Studien gibt, wie Tribl sagt. Außerdem liege das Pigment als amorpher, unlöslicher Feststoff vor, was seine Analyse sehr erschwere.

Um mehr über diesen geheimnisvollen Stoff zu erfahren, verfolgten die Würzburger Forscher Florian Tribl, Manfred Gerlach und Peter Riederer die Idee, komplette Neuromelanin-Körnchen aus dem Gehirn zu isolieren und zu untersuchen. Das Gewebegut erhielten sie von der Österreichisch-Deutschen Hirnbank. Gemeinsam mit Katrin Marcus und Helmut E. Meyer vom Medizinischen Proteom-Center der Uni Bochum gelang es dann erstmals, die Proteine der Neuromelanin-Körnchen zu analysieren. Die Ergebnisse sind im Fachblatt "Molecular and Cellular Proteomics" beschrieben.

Aufgrund der Proteinzusammensetzung kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die Pigmentkörnchen kein Abfallprodukt der Zelle sind. "Wir vermuten, dass sie gezielt nach einem genetischen Programm gebildet werden, um bestimmte Aufgaben zu erfüllen", so Tribl. Jetzt müssen weitere Untersuchungen folgen. Dabei wird zum Beispiel nach Enzymen gesucht, die an der Synthese der Körnchen beteiligt sein könnten. Diese Forschungsarbeiten werden unter anderem durch die Österreichische Akademie der Wissenschaften gefördert.

Florian Tribl, Manfred Gerlach, Katrin Marcus, Esther Asan, Thomas Tatschner, Thomas Arzberger, Helmut E. Meyer, Gerhard Bringmann, Peter Riederer: "Subcellular Proteomics of Neuromelanin Granules Isolated from the Human Brain", Molecular & Cellular Proteomics 2005, 4(7): Seiten 945-957.

Weitere Informationen: Florian Tribl, T (0931) 201-77300, Fax (0931) 201-77220, E-Mail: florian.tribl@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: Nervenzelle Neuromelanin Pigment

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome
28.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten