Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schweizer Konferenz widmet sich "prospektivem Gedächtnis"

27.07.2005



Internationale gerontopsychologische Tagung der Uni Zürich


Sich in die Zukunft erinnern - wie soll das gehen? Den meisten Leuten ist gar nicht bewusst, wie häufig sie sich im Alltag nach vorne und nicht in die Vergangenheit erinnern. Der Lehrstuhl Gerontopsychologie der Universität Zürich widmete sich während dreier Tage dem "prospektiven Gedächtnis" - an der II. Conference on Prospective Memory im Kongresshaus Zürich , die heute, Mittwoch, zu Ende geht.

Beim "prospektiven Gedächtnis" handelt es sich um eine Gedächtnisleistung, die in die Zukunft gerichtet ist und nicht nur bei alten Leuten so oft fehlschlägt. "Etwas über die Hälfte der Gedächtnisaufgaben im Alltag sind prospektiver Natur", schätzt der Gerontopsychologe und Mitorganisator Matthias Kliegel.


Einige Beispiele: Frau Schwarz stellt die Espressomaschine auf den Herd, schaltet die Herdplatte ein und will nur schnell die Post durchschauen, um anschliessend Kaffee zu trinken - und schreckt, völlig versunken in einen Zeitungsartikel, auf, als der Kaffee kochend über den Rand geschwappt ist. Oder wenn Herr Müller den Brief, den er unbedingt einwerfen wollte, in der Tasche vergisst, hat sein prospektives Gedächtnis versagt.

Die Situationen, in denen Menschen auf ihr prospektives Gedächtnis angewiesen sind, sind zahlreich. Und sie verändern sich im Laufe eines Menschenlebens stark. So fassen bereits Kleinkinder bestimmte Absichten und setzen diese dann unmittelbar um (zum Beispiel den Lieblingsteddy holen und einem auf Besuch weilenden anderen Kind zeigen - gelegentlich "vergessen" auch sie ihre ursprüngliche Absicht und lassen sich von anderem, zum Beispiel einem Ball, ablenken).

Während das prospektive Gedächtnis von Kindern noch wenig erforscht ist, weiss man mittlerweile über das nach vorne gerichtete Erinnern im Alter Einiges. Um die Gedächtnisleistungen älterer Menschen zu untersuchen, kommen unter anderem bildgebende Verfahren im neurowissenschaftlichen Bereich zum Zug sowie Experimente, die das Verhalten testen, verknüpft mit Resultaten aus Untersuchungen mit der Elektro-Enzephalographie (EEG).

Die internationale Gruppe um die Zürcher Psychologin Melanie Zeintl stellte ihre Experimente mit 65- bis 80-jährigen vor; die Hypothese, dass sich der Alterungsprozess und insbesondere das nachlassende Arbeitsgedächtnis ("working memory") stärker auf das prospektive Gedächtnis auswirken als auf das freie Erinnern, konnte die Gruppe dabei bestätigen.

Die Forschung dazu, wie normale Menschen sich an Zukünftiges erinnern, ist noch jung, und das, obwohl die Gedächtnisforschung an den Universitäten eine lange Tradition besitzt. "Die Gedächtnisforscher hatten diesbezüglich Scheuklappen auf", findet Matthias Kliegel vom Psychologischen Institut der Universität Zürich. Kliegel leitet zusammen mit Mike Martin eine Arbeitsgruppe, die sich seit einigen Jahren mit dem prospektiven Gedächtnis beschäftigt. Zürich sei mittlerweile führend auf diesem Gebiet, schätzt er die Situation ein.

Christoph Soltmannowski | pressetext.schweiz
Weitere Informationen:
http://www.unipublic.unizh.ch
http://www.research-projects.unizh.ch/phil/unit62300/area754/p3617.htm

Weitere Berichte zu: Gedächtnis Gedächtnisleistung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Gravitationswellen: Sternenglanz für Jenaer Forscher

19.10.2017 | Physik Astronomie

Materie-Rätsel bleibt weiter spannend: Fundamentale Eigenschaft von Proton und Antiproton identisch

19.10.2017 | Physik Astronomie

Einzelne Rezeptoren auf der Arbeit

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie