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Liposomen-Taxis sollen Wirkstoffe in entzündete Gelenke bringen

01.07.2005


Forscher der Universität Jena erarbeiten im Verbund mit der Industrie neuartige Therapie bei Rheuma



Sprechen Ärzte von Rheuma, meinen sie in der Regel Rheumatoide Arthritis. Entgegen der weitläufigen Meinung ist sie keine Alterserscheinung, sondern eine schwere Erkrankung, die alle Altersgruppen betreffen kann. Die Krankheit äußert sich durch starke, anhaltende Schmerzen in den Gelenken vor allem der Finger, Zehen aber auch in den Knien. Sie entstehen durch Entzündungen, die ihrerseits durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems ausgelöst werden. Die genauen Ursachen sind bisher unbekannt. Behandelt wird derzeit mit entzündungshemmenden Medikamenten (z. B. Glucocorticoide), die oft lebenslang eingenommen werden müssen und starke Nebenwirkungen haben. Einen neuartigen nebenwirkungsärmeren Therapieansatz verfolgt ein Verbundprojekt, das offiziell heute (01.07.) startet und an dem Forscher aus drei Instituten der Friedrich-Schiller-Universität Jena und die Biolitec AG Jena beteiligt sind.

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Mit Hilfe von Liposomen, das sind mikroskopisch kleine Hohlkügelchen, soll ein licht-reaktiver Wirkstoff direkt in die Zellen der Gelenke transportiert werden. Der Wirkstoff wird dann vor Ort mittels Laserlicht aktiviert und führt dazu, dass Zellen von innen heraus zerstört werden. Dabei sollen u. a. auch die übereifrigen Immunzellen ausgeschaltet werden, die Entzündungssignale aussenden. Ohne Entzündungssignale keine Entzündung, ohne die, keine Schmerzen. Dieses Konzept soll nun in ein marktreifes Produkt umgesetzt werden. Das Thüringer Wirtschaftsministerium fördert die Arbeiten der vier Projektpartner bis 2008 mit insgesamt 965.670 Euro. Jeder der Beteiligten bringt sein besonderes Know-how zu einem Teilaspekt in das neue Projekt ein.

So werden die Pharmazietechnologen der Universität Jena um Prof. Dr. Alfred Fahr Liposomen entwickeln, die sich gut als Transportvehikel eignen. "Die mit dem Wirkstoff beladenen Liposomen sollen für eine genügend lange Zeit nicht vom Körper abgebaut werden. Das Liposomen-Taxi soll den Arzneistoff aufnehmen, ohne Verkehrsunfall bis an den Zielort bringen und dann dort in Ruhe aussteigen lassen", illustriert Fahr. Dazu müssten in die Doppelmembran, aus der die Liposomen bestehen, u. a. stabilisierende Bausteine, aber auch Erkennungssignale eingebracht werden, die dafür sorgen, dass sie nur spezifisch an die Zellen der entzündeten Gelenke binden.

PD Dr. Ingrid Hilger vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Jenaer Uniklinikums wird im Labor untersuchen, wie wirkungsvoll aber auch wie gefährlich die verschiedenen Liposomen-Taxis und ihre Fracht für Gelenkzellen und andere an der Entzündung beteiligte Immunzellen sind. Erst wenn feststeht, welche der designten Liposomen ihre Arbeit besonders zuverlässig verrichten, wird die Gruppe des Immunpathologen Prof. Dr. Rolf Bräuer aktiv. Sie wird die Wirksamkeit des neuen Verfahrens weiter testen.

Die Firma Biolitec AG, die das Gesamtvorhaben koordiniert, verfügt über einen photodynamischen Wirkstoff, der heute bereits zur gezielten Behandlung von Kopf- und Halstumoren eingesetzt wird. Der Stoff wird in die Krebszellen eingeschleust und entfaltet, anders als bei Chemotherapien, seine zelltötende Wirkung ausschließlich in dem Bereich, in dem er mittels Laserlicht aktiviert wurde. "Im Rahmen des neuen Projekts soll nun eine photodynamische Therapie entwickelt werden, die eine frühzeitige, minimal-invasive und risikoarme Behandlung der Gelenkschmerzen bei Rheumatoider Arthritis ermöglicht", erklärt Dr. Susanna Gräfe von der Biolitec AG. Dazu braucht es neben den Liposomen, die dafür sorgen, dass der Wirkstoff sich nur in entzündeten Gelenken ansammelt, geeignete Instrumente zur Bestrahlung. Die Firma entwickelt Laserlichtquellen und feine optische Lichtleitfasern, die eine Aktivierung des Wirkstoffs auch in schwer zugänglichen Gelenken ermöglicht.

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de
http://www.biolitec.com

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