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Neurophysiologische Untersuchungen zur Entwicklung des Gehirns bei angeborener Gehörlosigkeit

28.06.2005


Wie sich angeborene Gehörlosigkeit auf die Entwicklung des Gehirns auswirkt, untersucht die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Andrej Kral, Institut für Neurophysiologie und Pathophysiologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Die Ergebnisse ihrer Forschungen wurden jetzt in renommierten internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht.


Jeder 1000. Neugeborene ist hörgeschädigt. Vielen Hörstörungen liegt ein Defekt der Hörschnecke (Cochlea) im Innenohr zugrunde. Diese wandelt normalerweise die Schallwellen in elektrische Impulse um und leitet sie an den Hörnerv weiter. Ist der Hörnerv erhalten, können Cochlea-Implantate die Funktion der Hörschnecke übernehmen. Allerdings hat sich gezeigt, dass taub geborene Patienten, die ein solches Gerät erst als Erwachsene erhalten, kein ausreichendes akustisches Sprachverständnis erreichen.

Zu diesen klinischen Erfahrungen haben die Wissenschaftler um Professor Kral nun die neurophysiologischen Hintergründe erforscht.


In Laborversuchen konnte gezeigt werden, dass sich bei angeborener Gehörlosigkeit die Bildung funktionstüchtiger Synapsen im Hörsystem zunächst verlangsamt. Wird die Gehörlosigkeit länger nicht behandelt, strukturiert sich das Hörsystem ohne Hörreize. Die so entstehenden neuronalen Schaltkreise sind jedoch nicht funktionstüchtig, da sie nicht an die Hörerfahrung angepasst werden konnten. (Cerebral Cortex, Mai 2005.)

In der zweiten Arbeit, die in Kooperation mit dem Callier Center for Communication Disorders der Universität Texas in Dallas entstand, wurden mittels Elektroenzephalographie (EEG) Kinder nach Cochlea-Implantation untersucht. Dabei zeigte sich, dass sich die auditorische Hirnaktivität von Kindern, die vor ihrem vierten Geburtstag implantiert worden waren, derjenigen von hörend Geborenen innerhalb weniger Monate nach Implantation angeglichen hatte. Bei Patienten, die erst nach dem siebten Lebensjahr ein Implantat erhalten hatten, blieb die auditorische Hirnaktivität abnormal. (Hearing Research 203, 2005.)

Informationen für Journalisten bei Prof. Dr. Andrej Kral, Tel. 040/42803-7046 oder -6170

Dr. Marion Schafft | idw
Weitere Informationen:
http://www.uke.uni-hamburg.de

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