Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Substanz lässt Knochen wachsen

27.06.2005


Rostocker „Wundermittel“ wird mit Erfolg bundesweit an Patienten eingesetzt



Mit einer neuartigen Substanz gelingt es, Knochen im menschlichen Körper zu regenerieren. Entstehen etwa bei Zahn-Operationen Verluste an Knochensubstanz im Kiefer, so lassen sich diese durch das neue Material schließen. Dabei fungiert die Substanz nicht einfach als Lückenfüller, sondern regt den Körper an, die Verluste aus eigener Kraft zu ersetzen. Entwickelt wurde die Substanz durch die Rostocker Firma Artoss, eine Ausgründung der Universität Rostock, und die Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum Rostock. Im Januar wurde die Substanz für den Markt zugelassen, seitdem kommt sie auch Patienten zugute. Bundesweit fanden sich bereits rund 400 Anwender. Derzeit kümmert sich die Firma um den Vertrieb in der ganzen Europäischen Union.

... mehr zu:
»Knochen »Poliklinik


„Zunächst einmal brauchen wir ein Loch – und dann so genannte Startersubstanzen, die dem Körper gewissermaßen die Idee geben, Knochen an der Stelle wachsen zu lassen, wo er fehlt“, beschreibt Professor Dr. Dr. Dr. h.c. Karsten Gundlach, Direktor der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum Rostock, die Funktionsweise der neuen Substanz. Gundlach bezeichnet sie augenzwinkernd als „Wunderstoff“, weil sie nicht einfach dazu dient, beispielsweise nach einer Zahn-Operation das entstandene Loch zu füllen, sondern weil die Substanz aus Kalzium und Phosphat dafür sorgt, dass der Körper es von selbst vornimmt. „Und körpereigene Substanzen sind immer besser als Fremdmaterial“, so Professor Gundlach. Die einmal eingebrachte Substanz wird nach und nach wieder abgebaut.

Begonnen wurde mit der Entwicklung des Stoffs bereits vor sechs Jahren in der Rostocker Zahnklinik. Vor zwei Jahren gründete sich die Firma Artoss aus, um die Substanz eigenständig zu vermarkten. Im Januar erfolgte die Zulassung für den Markt. „Das Feedback ist erschlagend“, sagt Dr. Walter Gericke, Geschäftsführer von Artoss. Binnen weniger Monate fanden sich etwa 400 Anwender bundesweit. Jetzt peilt die Firma den EU-Markt an – und auf lange Sicht den Weltmarkt. Die Zulassung für 25 Länder hat Gericke bereits in der Tasche. Derzeit arbeiten bei Artoss sieben Mitarbeiter, aber noch in diesem Jahr solle das Personal aufgestockt werden, so Gericke.

„Das neue Produkt ist viel besser als das, was sonst auf dem Markt ist“, lobt Professor Gundlach, der die Substanz in Rostock als erster anwendete. „Wir haben seit Februar zwischen 30 und 40 Patienten behandelt. Die Ergebnisse sind sehr gut, das Material lässt sich hervorragend verarbeiten und ist überaus gewebeverträglich“, so Gundlach. Vor allem werde die Substanz bei kleineren Defekten eingesetzt – entstanden etwa durch Parodontose, der, so Professor Dr. Dr. Kai-Olaf Henkel, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, häufigsten Erkrankung der erwachsenen Bevölkerung. Aber auch größere Reparationen seien möglich: Nach der Entfernung von Tumoren oder Zysten sei es gelungen, selbst hühnereigroße Defekte repariert worden.

Ansprechpartner

Für den Inhalt:
Professor Dr. Dr. Dr. h.c. Karsten Gundlach
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie
Universitätsklinikum Rostock
Schillingallee 35
18057 Rostock
Tel. 0381/4946552

Für das Klinikum
Prof. Dr. Peter Schuff-Werner
Ärztlicher Direktor
Universitätsklinik Rostock
Rembrandtstraße 16/17
18057 Rostock
Tel. 0381/4945011

Artoss GmbH
Dr. Walter Gericke
Friedrich-Barnewitz-Str. 3
18119 Rostock
Tel. 0381/54345701

Ingrid Rieck | Universitätsklinik Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Berichte zu: Knochen Poliklinik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften