Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Navigationssystem verbessert die Lungenkrebsdiagnostik

22.06.2005


Im Blindflug zielsicher in der Lunge unterwegs



Lungenkrebs schonender zu diagnostizieren soll eine neue Navigationsmethode helfen, die jetzt am RUB-Klinikum Bergmannsheil als erster Universitätsklinik in Deutschland erprobt wird. Das neuartige, in Israel entwickelte Gerät erzeugt aus den Daten einer Computertomographie eine 3D-Darstellung der Lunge, in der sich der untersuchende Arzt während einer Bronchoskopie sicher orientieren kann. So lassen sich auch verdächtige Herde, die noch klein oder ungünstig gelegen sind, zielsicher für eine Gewebsentnahme ansteuern. Bisher gelingt das nur bei ca. der Hälfte der Herde ohne einen größeren operativen Eingriff. Eine prospektive Studie mit der neuen Navigationsmethode startet jetzt mit zunächst 50 Patienten.



Kleine Herde machen große Probleme

Über 40.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Lungenkrebs. Je früher der Krebs erkannt und behandelt wird, desto größer sind die Überlebenschancen für den Patienten. Mögliche Tumoren sind als sog. Rundherde im Röntgenbild erkennbar. Ob es sich bei einem solchen Herd aber tatsächlich um bösartige Krebszellen handelt, zeigt erst die Untersuchung einer Gewebeprobe. "Bislang stehen wir aber vor dem Dilemma, dass wir, je eher der Patient kommt und je kleiner die Herde noch sind, umso größere Schwierigkeiten haben, diese zu untersuchen", erklärt Dr. Christoph Heyer vom Institut für Radiologie. Kleine und ungünstig gelegene Herde sind mit dem Bronchoskop schwer zu erreichen, manche Bereiche der Lunge schlecht einzusehen. Häufig bleibt nichts anderes übrig, als das verdächtige Areal mit invasiven Methoden - etwa der transthorakalen Biopsie oder der offenen Lungenoperation - anzugehen. Dank des neuen Systems sollen sich auch diese Problemfälle künftig mit schonenden Methoden untersuchen lassen.

3D-Darstellung am Monitor

Vor der eigentlichen Untersuchung wird eine Computertomographie der Lunge angefertigt, und die dabei gewonnenen Bilddaten werden ins System eingelesen. Für die Gewebsentnahme wird der Patient dann auf einer speziellen Unterlage platziert, die ein elektromagnetisches Feld erzeugt. Das ermöglicht es, die Spitze der endoskopischen Sonde zu verfolgen. Aus den CT-Bildern und den Koordinaten der Sonde erzeugt das Navigationssystem eine dreidimensionale Darstellung am Monitor, in der sich der Arzt während des Eingriffs verorten kann. So ist eine zielsichere Bewegung innerhalb der Lunge möglich. Während der Untersuchung ist der Patient im Gegensatz zur Bronchoskopie unter Röntgendurchleuchtung keiner Strahlung ausgesetzt.

Riskante Eingriffe vermeiden

"Sollte sich das System bewähren, wird es riskantere Eingriffe vermeiden helfen und unser ohnehin breites Spektrum in der Lungenkrebsdiagnostik erheblich erweitern", so Dr. Jörg Walther aus der Klinik für Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin. Das Bergmannsheil betreibt das Gerät als einzige Klinik in Kombination mit einem 16-Zeilen-Mehrdetektor-CT, das besonders hochauflösende Bilder erzeugt. Dank der engen Kooperation der RUB-Klinik für Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin (Direktor: Prof. Dr. Gerhard Schultze-Werninghaus) und des Instituts für Radiologie und Nuklearmedizin (Direktor: Prof. Dr. Volkmar Nicolas) bietet das Bergmannsheil als eines von wenigen Krankenhäusern in Deutschland bereits die CT-gesteuerte transbronchiale Lungenbiopsie an.

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.rub.de

Weitere Berichte zu: Lungenkrebsdiagnostik Navigationssystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Lymphdrüsenkrebs programmiert Immunzellen zur Förderung des eigenen Wachstums um
22.02.2018 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Forscher entdecken neuen Signalweg zur Herzmuskelverdickung
22.02.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics