Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Brustkrebsprävention: Jede vierte Frau zieht Brustamputation bei erhöhtem Risiko in Betracht

15.06.2005


Jede vierte Frau in Deutschland erwägt im Falle eines erhöhten Brustkrebsrisikos, sich vorsorglich beide Brüste amputieren zu lassen. Das ist das Ergebnis einer internationalen Umfrage, die das Marktforschungsinstitut NOP World im April diesen Jahres durchführte. Mehr als 1500 gesunde Frauen weltweit wurden im Auftrag der Wohltätigkeitsorganisation Cancer Research UK befragt, ob sie sich vor einer Brustkrebserkrankung fürchten und welche Maßnahmen sie in Betracht ziehen würden, um ihr Brustkrebsrisiko zu senken. Eine Alternative zu diesem radikalen Schritt kann die medikamentöse Vorbeugung sein. Diese Möglichkeit wird derzeit im weltweiten IBIS-II-Programm untersucht.

Die Umfrage der Frauen im Alter ab 45 zeigt, dass Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko ein starkes Bedürfnis haben, ihr Risiko zu senken. Nahezu die Hälfte der Frauen hat Angst vor einer möglichen Brustkrebserkrankung. Bei den Frauen, die in Australien und England befragt wurden, war der Wunsch nach einer Risikosenkung besonders dringend: In diesen Ländern würde jede dritte Frau im Falle eines erhöhten Brustkrebsrisikos eine Amputation beider Brüste erwägen - und zwar vorsorglich, also ohne überhaupt an Brustkrebs erkrankt zu sein. Aber auch in Deutschland kommt dieser radikale Schritt für jede Vierte in Frage. "Diese wichtigen Umfrageergebnisse stellen weltweit eine große Herausforderung für die Verantwortlichen der Gesundheitssysteme dar. Die Tatsache, dass Frauen erwägen, ihr Brustkrebsrisiko mithilfe einer vorsorglichen Amputation beider Brüste zu senken, zeigt uns, wie wichtig es ist, diesen Frauen weniger radikale, aber effektive Alternativen anzubieten", kommentiert Professor Dr. Wolfgang Eiermann, Direktor der Frauenklinik vom Roten Kreuz in München, die Daten der Umfrage. "Wir als Krebsexperten müssen nicht nur Brustkrebs-Patientinnen die wirksamsten Therapien anbieten, sondern wir müssen uns auch darum kümmern, Maßnahmen zu entdecken und zu erforschen, mit denen wir bei gesunden Frauen die Gefahr einer Brustkrebserkrankung abwenden können." Einen solchen Versuch stellt auch das IBIS-II-Programm dar.

Vorbeugung mit Brustkrebsmedikament Anastrozol

Im laufenden IBIS-II-Programm wird geprüft, wie wirksam eine Antihormontherapie mit dem etablierten Krebsmedikament Anastrozol das Brustkrebsrisiko reduzieren kann. Grundlage für das Programm sind die überaus positiven Ergebnisse der so genannten ATAC-(Arimidex, Tamoxifen Alone or in Combination)-Studie, die vor kurzem abgeschlossen und publiziert wurde. Diese Daten lassen vermuten, dass der Wirkstoff Anastrozol das Potenzial hat, bis zu 80 Prozent der hormonsensiblen Brusttumoren zu verhindern. Experten schätzen, dass jedes Jahr weltweit 1,2 Millionen Frauen die Diagnose Brustkrebs erhalten und über 400.000 Frauen an dem bösartigen Tumor sterben. Professor Dr. Manfred Kaufmann, Direktor der Universitätsfrauenklinik in Frankfurt am Main und Studienleiter der IBIS-II-Studie in Deutschland erklärt: "In der ATAC-Studie haben wir herausgefunden, dass Anastrozol sehr effektiv einen Brustkrebsrückfall - ein sogenanntes Rezidiv - verhindert. Sogar noch wirksamer schützt Anastrozol die andere, noch nicht betroffene Brust vor einem Krebsbefall! Diese Ergebnisse und sein gutes Verträglichkeitsprofil machen Anastrozol zu einem geeigneten Kandidaten für die Brustkrebsvorbeugung bei gesunden Frauen."

Reduzierung des Risikos mit Tabletten für jede zweite Frau denkbar

Für fast jede zweite Umfrageteilnehmerin kam im Falle eines erhöhten Risikos eine tägliche Tabletteneinnahme zur Brustkrebs-Vorbeugung in Frage. Außerdem gab die Hälfte der Frauen an, Interesse an einer Studie zu haben, in dessen Rahmen ein solches Medikament untersucht wird. Das laufende IBIS-II-Programm bietet Frauen weltweit die Möglichkeit einer Studienteilnahme."Das IBIS-II-Programm ist gerade für Frauen, die ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben, extrem wichtig", erläutert Privatdozent Dr. Gunter von Minckwitz von der Universitätsfrauenklinik Frankfurt am Main. "Es ist von großer Bedeutung, dass Frauen an dieser Untersuchung teilnehmen - nicht nur zum eigenen Nutzen, sondern auch zum Nutzen ihrer Töchter, ihrer Familie und aller anderen Frauen auf der ganzen Welt. Viele Menschen nehmen bereits vorsorglich Medikamente ein, um eine Herzerkrankung oder einen Schlaganfall zu verhindern. Das IBIS-II-Programm untersucht, ob nicht auch die Gefahr einer Brustkrebserkrankung mithilfe einer medikamentösen Therapie erfolgreich abgewehrt werden kann."

Maitreya Gipser | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.gbg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

nachricht Künftige Therapie gegen Frühgeburten?
19.07.2017 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Latest News

NASA looks to solar eclipse to help understand Earth's energy system

21.07.2017 | Earth Sciences

Stanford researchers develop a new type of soft, growing robot

21.07.2017 | Power and Electrical Engineering

Vortex photons from electrons in circular motion

21.07.2017 | Physics and Astronomy