Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fehlendes Rezeptormolekül verursacht Tumorwachstum

15.06.2005


Ansatz bringt neue Möglichkeiten der Therapie



Wissenschaftler der Medizinischen Universität Wien haben entdeckt, dass das Fehlen eines Rezeptormoleküls zum Wachstum von Tumoren des Eierstocks beiträgt. Das Forscherteam hat auch die mögliche genetische Ursache für das Fehlen des Rezeptormoleküls, das einen wichtigen Faktor zur Regulierung des Zellwachstums darstellt, entdeckt, berichten sie im Fachjournal Molecular Cancer Research.



Das Team um Michael Krainer von der Medizinischen Universität Wien konnte belegen, dass der programmierte Zelltod (die so genannte Apoptose), ein wichtiger Mechanismus der Zellregulierung, auch bei Zellen bestimmter Tumore der Eierstöcke nicht funktioniert, weil ein Signal von den Zellen nicht aufgenommen werden kann: Ein als DR4 bezeichnetes Rezeptormolekül auf diesen Zellen fehlt. DR4 ist aber für das Binden des Signalmoleküls TRAIL, das in diesen Zellen die Apoptose einleitet, verantwortlich.

Zunächst war den Forschern nicht klar, was bei der Signalübertragung fehlte, ob es das Signal oder das Rezeptormolekül war. "Zur Klärung dieser Frage wurden von uns zehn verschiedene Proben von Tumoren der Eierstöcke untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass bei 40 Prozent der Proben keine oder nur sehr wenige Rezeptormoleküle von DR4 vorhanden sind", so Krainer. In weiteren Untersuchungen wurde dann gezeigt, dass gerade diese Zellen besonders schlecht auf TRAIL reagierten. Damit war geklärt, dass das Fehlen des Rezeptors und nicht des Signals maßgeblich zum Tumorwachstum beitragen kann.

Die Wissenschaftler fanden auch heraus, dass bei 75 Prozent der Proben das Gen so modifiziert wurde, dass es nicht einsatzbereit war. "Einige Bausteine des Gens waren durch Anhängen von Methyl-Gruppen verändert worden. Diese Methylierung ist zwar ein durchaus üblicher Weg, um Gene in Zellen ruhig zu stellen, in den betroffenen Tumorzellen muss diese aber wohl zum falschen Zeitpunkt erfolgt sein", erklärt der Experte. Das Forschungsteam erhielt die Bestätigung der Testergebnisse an 36 verschiedenen Tumorgeweben, die direkt von Patientinnen stammten. Diese Zellen repräsentieren nämlich im Vergleich zu den für experimentelle Arbeiten üblicherweise verwendeten Zellkulturen die tatsächlichen Erkrankungsursachen wesentlich besser. In 20 Prozent der untersuchten Gewebe wurde auch hier eine erhöhte Methylierung des Gens und ein Fehlen von DR4 festgestellt.

Die vom Wissenschaftsfonds FWF unterstützte Arbeit ebnet mit der wichtigen Erkenntnis, dass die Methylierung des Gens für DR4 zur Entstehung von Tumoren beitragen kann, den Weg für zukünftige Therapien. Diese könnten das gestörte Signaltransfer-System DR4 - TRAIL manipulieren, um die Krebszellen dem ursprünglich programmierten Zelltod zuzuführen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.meduniwien.ac.at
http://mcr.aacrjournals.org
http://www.fwf.ac.at

Weitere Berichte zu: DR4 Eierstock Gen Methylierung Rezeptormolekül TRAIL Tumorwachstum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Spezialisten-Zellen helfen Gedächtnis auf die Sprünge
17.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Impfstoffe zuverlässig inaktivieren mit Elektronenstrahlen

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Darmkrebs: Wenn die Wachstumsbremse fehlt

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Riesensalamander, Geckos und Olme – Verschwundene Artenvielfalt in Sibirien

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie