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Akademie Leopoldina veröffentlicht Empfehlungen zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten

14.06.2005


Etwa 30 Prozent aller Todesfälle weltweit sind Folge von Infektionskrankheiten. Ein großer Teil geht dabei auf das Konto von AIDS, Hepatitis, Tuberkulose, Malaria und anderen, seit langem bekannten Infektionen. Hinzu kommen neue Probleme, zu denen insbesondere eine beständig ansteigende Zahl therapieresistenter Bakterien oder neue pandemische Influenzaviren gehören. Trotzdem wird die Bedrohung durch Infektionskrankheiten - gerade auch in den Industrieländern - häufig unterschätzt.



Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina hat in den vergangenen Jahren mehrere internationale Symposien in Würzburg und Heidelberg zum Thema Infektionskrankheiten durchgeführt. Sie hat danach im vergangenen Jahr eine Kommission eingesetzt zur Erarbeitung von Empfehlungen zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Diese Empfehlungen liegen nun vor.



Die Empfehlung mit dem Titel "Infectious diseases - importance of co-ordinated activity in Europe" richtet sich vornehmlich an die Europäische Union. Sie entstand unter Beteiligung von Experten mehrerer europäischer Länder unter Vorsitz des Leopoldina-Präsidenten und Virologie-Professors Dr. med. Volker ter Meulen, Würzburg. Herausgeber ist das European Academies Science Advisory Council (EASAC), ein Zusammenschluss mehrerer nationaler Akademien aus EU-Ländern. EASAC sieht es als seine Aufgabe an, sich in Form von Empfehlungen und Stellungnahmen zu gesellschaftlichen relevanten Themen zu äußern. Adressaten sind dabei die Europäische Union, aber auch die Regierungen einzelner EU-Länder. Volker ter Meulen stellt diese Empfehlung am 14. Juni 2005 EU-Parlamentariern in Brüssel vor. Sie sind im Internet unter www.easac.org bzw. www.leopoldina-halle.de/easac-report05.pdf abrufbar.

Eine zweite Empfehlung - herausgegeben vom Präsidium der Leopoldina unter dem Titel "Empfehlungen zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten" (www.leopoldina-halle.de/infections.pdf) - geht spezifischer auf die Belange der Bundesrepublik Deutschland ein.

Die EASAC-Empfehlungen regen an, folgendes auf EU-Ebene zu verwirklichen:

  • Verbesserte Überwachung und rascherer Nachweis von Infektionskrankheiten, um im Bedarfsfall schneller reagieren zu können;
  • europaweite Koordination nationaler Strukturen im Gesundheitswesen bzw. Aufbau entsprechender nationaler Strukturen, wo sie noch fehlen;
  • Weiterentwicklung von Impfstoffen, Diagnose- und Therapieverfahren, für die auch eine aktive Forschungs- und Entwicklungstätigkeit seitens der Industrie notwendig ist;
  • verbesserte Aus- und Fortbildung von Forschern und Ärzten auf dem Gebiet der Infektionsforschung.

Die wichtigsten Empfehlungen der Leopoldina sind:

  • Ausbau der Nationalen Referenzzentren zur Erfassung des gesamten Spektrums von Infektionserregern bei Mensch und Tier; Vernetzung der Überwachungssysteme auf nationaler und internationaler Ebene.
  • Zügige Realisierung des Alarmplans für importierte gefährliche Infektionen; Ausbau klinischer Zentren für die intensivmedizinische Behandlung derartiger Erkrankungen; Errichtung weiterer Hochsicherheitslaboratorien zur Untersuchung der Erreger;
  • Ausbau der Forschung an human- und tierpathogenen Mikroorganismen, Viren und Prionen, die Gesundheitsprobleme hervorrufen; Neu- und Weiterentwicklung von Methoden zur Untersuchung von Mikroorganismen; Entwicklung neuer Tiermodelle; Weiterentwicklung bio-informatorischer Techniken und Methoden.
  • Konsequente Umsetzung der novellierten Approbationsordnung für Ärzte in der Infektiologie; Ausbau und Internationalisierung von Graduierten- und Postgraduiertenprogrammen für Naturwissenschaftler und Mediziner.

Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina:

Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (gegründet 1652 in Schweinfurt) mit Sitz in Halle an der Saale (seit 1878) ist eine überregionale Gelehrtengesellschaft mit gemeinnützigen Aufgaben und Zielen. Sie ist die älteste naturwissenschaftliche Akademie in Deutschland. Sie trägt durch die Jahresversammlungen, fachspezifische Meetings und Symposien, monatliche Vortragssitzungen und die vielfältigen persönlichen Kontakte der Mitglieder "zum Wohle des Menschen und der Natur" bei. Ihr gehören etwa 1 200 Mitglieder in aller Welt an. Drei Viertel der Mitglieder kommen aus den Stammländern Deutschland, Schweiz und Österreich, ein Viertel aus weiteren ca. 30 Ländern. Zu Mitgliedern werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus naturwissenschaftlichen und medizinischen Disziplinen sowie aus den Kultur- und den empirischen Geistes-, Verhaltens- und Sozialwissenschaften gewählt, die sich durch bedeutende Leistungen ausgezeichnet haben. Unter den derzeit lebenden Nobelpreisträgern sind 32 Mitglieder der Leopoldina.

Die Leopoldina wird von einem ehrenamtlichen Präsidium geleitet. Präsident ist Professor Dr. Volker ter Meulen, klinischer Virologe und Immunologe aus Würzburg. Vizepräsidenten sind der Psychologie-Professor Dr. Paul B. Baltes (Berlin), der Virologie-Professor Dr. Harald zur Hausen (Heidelberg) und die beiden Chemie-Professoren Dr. Gunter S. Fischer (Halle/Saale) und Dr. Ernst-Ludwig Winnacker (München). Letzterer ist zugleich Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Bonn. Die laufenden Geschäfte der Leopoldina führt eine Generalsekretärin, die Neurobiologie-Professorin Dr. Jutta Schnitzer-Ungefug. Die Leopoldina erhält ihre finanziellen Zuwendungen für die satzungsgemäßen Aufgaben zu 80 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu 20 Prozent vom Land Sachsen-Anhalt.

Prof.Dr. Jutta Schnitzer-Ungefug | idw
Weitere Informationen:
http://www.leopoldina-halle.de

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