Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

RUB-Studie: Konfrontation hilft Essgestörten, den eigenen Körper anzunehmen

13.06.2005


Konfrontation hilft den eigenen Körper annehmen


Studie: Patientinnen mit Essstörungen profitieren
Kurse und Studie starten: Teilnehmerinnen gesucht

... mehr zu:
»Essstörung


Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper ist für Patienten mit Essstörungen der erste Schritt, sich wieder mit sich selbst anzufreunden. Das zeigte eine Studie, die Dr. Silja Vocks in der Arbeitseinheit Klinische Psychologie und Psychotherapie der Ruhr-Universität durchführte. Negative Emotionen und Gedanken gegenüber dem eigenen Körper ließen messbar nach, während die Probandinnen sich unter gezielter Anleitung im Spiegel betrachteten. In einer weiteren Studie zur Optimierung der Essstörungstherapie wird Dr. Vocks mittels funktioneller Kernspintomographie ermitteln, welche Hirnbereiche bei Essgestörten für die gestörte Körperwahrnehmung verantwortlich sind und wie diese psychotherapeutisch günstig beeinflusst werden können. Für die Studie sucht sie noch Teilnehmerinnen, die an Magersucht oder Ess-Brech-Sucht (Bulimie) leiden, Informationen unter: 0234/32-23106.

Mit dem eigenen Körper auf Kriegsfuß

Menschen mit Essstörungen stehen mit ihrem Körper auf Kriegsfuß. Sie überschätzen ihre Körpermaße, empfinden sich selbst gegenüber negative Gefühle wie Angst oder Ekel, plagen sich mit negativen Gedanken und Verhaltensweisen: So messen und wiegen sie sich z.B. ständig und verstecken ihren Körper vor anderen. Um diesem Problem auf den Grund zu gehen, konfrontierte Dr. Silja Vocks in ihrer Studie vor und nach einer Psychotherapie 21 essgestörte und 30 gesunde Frauen 40 Minuten vor dem Spiegel mit ihrem Körper. Währenddessen wurden alle zehn Minuten physiologische Parameter - Herzfrequenz, Hautleitfähigkeit und der Spiegel des Stresshormons Kortisol - gemessen. Außerdem wurden die Studienteilnehmerinnen nach ihren Emotionen und Gedanken befragt.

Negative Gedanken und Gefühle lassen nach

Während die physiologischen Parameter bei beiden Gruppen gleich waren und blieben, hatten essgestörte Frauen erwartungsgemäß wesentlich stärker ausgeprägte negative Gefühle und Gedanken gegenüber ihrem Körper als Gesunde. Diese Reaktionen ließen aber nach, je länger sich die Probandinnen im Spiegel betrachteten. Bei einer wiederholten Messung nach Beendigung einer umfassenderen Therapie verstärkte sich der Effekt noch weiter. "Dieses Ergebnis zeigt, dass die Konfrontation mit dem eigenen Körper als Unterstützung einer Therapie gegen Essstörungen Sinn macht", folgert Silja Vocks. Sie bietet seit 2003 an der Ruhr-Universität verhaltenstherapeutische Körperwahrnehmungskurse für Frauen mit Essstörungen an, in denen die Teilnehmerinnen lernen, sich wieder mit ihrem Körper anzufreunden und ihn nicht mehr als Feind zu begreifen. Verschiedene wissenschaftliche Studien belegen den Erfolg dieser Therapie: So verbessert sich hierdurch nicht nur die Einstellung zum eigenen Körper, sondern auch das gestörte Essverhalten wird reduziert und das allgemeine Selbstwertgefühl gesteigert.

Welche Hirnbereiche beteiligt sind

Um den Zusammenhang zwischen und Essstörungen weiter zu untersuchen, ermittelt die Psychologin jetzt in einer weiteren Studie, welche Hirn-Bereiche bei Gesunden und Essgestörten bei der Betrachtung des dem eigenen Körpers aktiv sind und wie diese durch eine gezielte Therapie günstig beeinflusst werden können. Sie nutzt dazu die funktionelle Kernspintomographie. Für die Studie, die im Sommer anläuft, sucht sie noch Teilnehmerinnen.

Weitere Informationen

Dr. Silja Vocks, Arbeitseinheit Klinische Psychologie und Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, GAFO 03/924, Tel. 0234/32-23106, E-Mail: vocks@kli.psy.ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Berichte zu: Essstörung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten