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Lymphknotenkrebs

16.08.2001


Jede endgültige Krebsdiagnose zur bestmöglichen Behandlung der Betroffenen wird von Pathologen gestellt, die - anders als in weiten Teilen der Öffentlichkeit bekannt ist - ganz überwiegend für lebende Patienten arbeiten. Voraussetzung für die Erforschung von Krankheitsursachen, für Diagnostik und Therapie sowie für die internationale Vergleichbarkeit von Studienergebnissen ist eine weltweit einheitliche Klassifikation und Definition von Krankheiten. Für die meisten Tumoren gibt es seit zum Teil Jahrzehnten solche Schemata zur Einteilung der Unterarten. Nicht so beim Lymphknotenkrebs. In verschiedenen Staaten wurden unterschiedliche, sich teils widersprechende Einteilungen vorgenommen. In englischsprachigen Ländern etwa ignorierte man lange die modernen Ergebnisse der Immunologie, so dass die Lymphomformen in den USA und Europa nicht vergleichbar waren. Die Folge: Nicht alle Patienten an jedem Ort konnten die bestmögliche Therapie erhalten. Dies hat sich erst durch die Arbeiten von Prof. Dr.med. Harald Stein geändert, Leiter des Instituts für Pathologie am Universitätsklinikum Benjamin Franklin (UKBF) der FU Berlin, der im übrigen jüngst zum Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Pathologie ab 2002 gewählt worden ist, 1998 den Deutschen Krebspreis zugesprochen bekam und Rufe von Universitäten u.a. in den USA erhalten hat. Die Forschungen am UKBF über die Optimierung der Diagnostik und Therapie von Lymphomkrankheiten gehen weiter.

Die bekanntesten Formen des Lymphknotenkrebses (maligne Lymphome) sind der "Morbus Hodgkin" und die "Non-Hodgkin-Lymphome", ein Oberbegriff für rund 35 sehr verschiedene Lymphomkrankheiten. Schon seit 1969 hat sich Harald Stein mit der Charakterisierung hämatologischer Erkrankungen befasst; sein Doktorvater war Karl Lennert, der mit Hilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft das "Kieler Lymphknoten-Register" ins Leben gerufen hatte. Hierhin konnten sich andere Pathologen bei Unsicherheiten in der Lymphknotendiagnostik wenden. So entstand eine Sammelstelle von Gewebeproben, mit deren Hilfe die Erforschung des "Blutkrebses" auch in Europa vorangetrieben werden konnte. 1984 übernahm Harald Stein die Leitung der Pathologie am FU-Klinikum. Mit Unterstützung des Klinikumsvorstandes richtete er in Berlin-Steglitz eine Lymphom-Sammelstelle (nach Kieler Vorbild) ein und erhöhte die Zahl der externen Einsendungen. Im diesem Zusammenhang konnte das UKBF die Konsiliartätigkeit für niedergelassene Ärzte sowie für andere Klinikenund Institute im In- und Ausland anbieten und wurde so zum Referenzzentrum für Lymphknotenkrebs. Mittlerweile hatten und haben sich die immun- und molekularpathologischen Methoden enorm fortentwickelt. Damit stiegen die Ansprüche an die genaue Charakterisierung der malignen Lymphome im Sinne einer genaueren Diagnostik und zielgerichteten Therapie. In der Folge unterstützte die Deutsche Krebshilfe die weiteren Arbeiten. Die Einrichtung in Berlin erhielt die Bezeichnung Konsultations- und Referenzzentrum für Lymphknotenpathologie. Bis heute hat Prof. Stein Drittmittel von über 12 Millionen Mark einwerben und damit Arbeitsplätze u.a. für junge Wissenschaftler schaffen können.

Die Arbeit des Zentrums am UKBF war die Grundlage für die Gründung der Internationalen Lymphknotenstudiengruppe (ILSG) im Jahr 1990 zusammen mit Prof. Isaacson (London), an der sich führende Fachleute aus Europa und Übersee beteiligten. Die ILSG erarbeitete eine neue Systematik unter dem Namen Revised European American Lymphoma Classification (R.E.A.L.). 1993 gelang der Durchbruch zum internationalen Konsensus bei einer von Stein geleiteten Tagung. Von 1995 bis 2001 wurde diese "Neuordnung der Lymphome" von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) übernommen und aktualisiert. Diese WHO-Krankheitslehre der Lymphome ist nun, nach weiteren aufwendigen Arbeiten, soeben veröffentlicht worden. Herausgeber sind Harald Stein sowie drei amerikanische Autoren.

Die Inanspruchnahme des Berliner Konsultations- und Referenzzentrums wächst ständig - ebenso wie die Forschungen und die Verbesserung der Infrastruktur weitergehen. Gegenwärtig arbeitet zum Beispiel Privatdozent Dr. Michael Hummel aus Steins Institut gemeinsam mit dem Informatikzentrum Leipzig sowie den übrigen Deutschen Lymphomzentren und klinischen Studienzentralen am Aufbau eines deutschlandweiten EDV-Netzwerkes, um den noch langsamen und äußerst personalaufwendigen Datenaustausch zwischen den Zentralen für klinische Studien, anderen Krankenhäusern und niedergelassenen Pathologen und Onkologen zu verbessern. Dieses vom Bundesforschungsministerium unterstützte Projekt wird die Behandlung der Lymphom-Patienten erheblich verbessern, da sie nach Fertigstellung des Netzwerkes um Wochen schneller die bestmögliche Behandlungsformen erhalten können.

Ansprechpartner:
Prof. Dr.med. Harald Stein
Universitätsklinikum Benjamin Franklin (UKBF)
Institut für Pathologie
Hindenburgdamm 30, 12200 Berlin
Tel.: (030) 8445-2295, Fax: -4473
E-Mail: stein@medizin.fu-berlin.de
sowie
PD Dr. Michael Hummel
hummel@ukbf.fu-berlin.de

Literaturhinweis:
Harald Stein, Wolfgang Hiddemann:
Die neue WHO-Klassifikation der malignen Lymphome
in: Deutsches Ärzteblatt, 96. Jahrgang, Heft 49, S. A 3168 ff.

Dipl.Pol. Justin Westhoff | idw
Weitere Informationen:
http://www.mwm-vermittlung.de/

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