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Damit die ’’Dritten’’ nicht wie neu aussehen

07.06.2005


An der Universität Leipzig wurde Trainingsmethode zur Zahnfarbendifferenzierung entwickelt



Irgendwann trifft es jeden: Ein Zahn hat ausgedient und muss durch eine Schöpfung des Zahntechnikers ersetzt werden. Wen der Schmerz auf den Stuhl des Stomatologen getrieben hat, den plagen bei dieser Mitteilung zumeist erst einmal andere Sorgen. Aber spätestens wenn das Übelste vorbei ist und es um das Aussehen des Neulings geht, dann steht die Frage: Passt der zu seinen Nachbarn? Damit Zahnärzte, stomatologische Schwestern und Zahntechniker ihren Blick in Sachen Zahnfarbe schärfen können, wurde an der Universität Leipzig jetzt eine spezielles Trainingsmethode entwickelt. Diese Methode wurde kürzlich auf einem internationalen Workshop vorgestellt und fand großes Interesse.

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’’Bisher hing es vom Naturtalent und der Erfahrung des Arztes ab, inwieweit die Farbe eines neu einzupassenden Zahnes so bestimmt wurde, dass er nicht als künstlich auffiel’’, erzählt Prof. Dr. Holger A. Jakstat, Leiter der Vorklinischen Propädeutik und Werkstoffkunde am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kiefernheilkunde der Universität Leipzig. ’’Aber die Zahnfarbe zu bestimmen, ist eine große Kunst und die kann man - wie andere Künste auch - erlernen. Ausgangpunkt unserer Überlegungen war, dass jegliche Farbdifferenzierung auf dem Vergleich basiert. Der Student muss also mit höchstmöglicher Sicherheit sagen können: ’Dieser Zahn hat die selbe Farbe wie jener’. Technische Messvorrichtungen können das menschliche Auge hier keinesfalls ersetzen, denn jeder Zahn birgt in sich noch Tausende Nuancen. Es kommt also auf den Gesamteindruck an. Den gewinnt man durch das gleichzeitige Erfassen der drei Dimensionen Helligkeit, Farbton und Farbintensität.’’

Um ein Instrumentarium zu schaffen, das dieses systematische Vergleichs-Training ermöglicht, entwarf das Team um Jakstat drei Etappen. Die erste ähnelt einem Computerspiel. Der Student sitzt irgendwo an seinem PC, loggt sich in den Uni-Computer ein und ruft das ’’Spiel’’, das Softwareprogramm ’’Toothguide Trainer’’ auf. Seine Aufgabe beseht dann darin, Abbildungen von Zähnen einander zuzuordnen. Das funktioniert fast genauso wie es die Studienanfänger von anderen Games gewöhnt sind, mit verschieden komplizierten Levels und einem Punktestand. Jeder kann spielen und unterbrechen so oft er möchte, aber einmal im Semester muss jeder das ganze Programm durchziehen.

Der nächste Schritt ist das Üben mit der ’’Toothguide Training Box’’ (TTB), die die Wissenschaftler der Universität Leipzig gemeinsam mit der Vita Zahnfabrik Bad Säckingen konstruiert haben. In dieser Box sind auf einem Rad rund 50 verschiedene Zähne aus keramischen Material aufgesteckt. Dieses ’’Zahnrad’’ dreht sich und stoppt computergesteuert. Der durch ein Loch zu sehende Zahn muss dann per Knopfdruck mit einem ebenfalls auf beweglichen Halterungen befestigten Pendants verglichen werden. Diese Übung ist schwieriger als Computerbilder zuzuordnen, denn das Zahnmodell kann beispielsweise durch die unterschiedliche Beleuchtung unterschiedlich glänzen.

Die dritte Stufe wird dann bereits am Patienten - in diesem Fall einem Kommilitonen - trainiert. Dieser ’’Patient’’ hält sich vor seine natürlichen Zähne eine Verblendungschale in Form der Schneidezähne, und schon treten sie auf, all die praktischen Probleme: die Mundhöhle ist ungleichmäßig beleuchtet, Speichel legt sich über die Zähne, der Patient wackelt und grummelt. Nun muss der künftige Stomatologe die Zähne im Munde den Zähnen auf dem Tableau in seiner Hand zuordnen. Da die beiden elektronisch verbunden sind, kommt prompt das ’’Richtig’’ oder Falsch’’.

Wenn die Studenten der Universität Leipzig die Trainingsprogramme absolvieren, sind sie gleichzeitig Objekte einer neuen Studie. Nach 90-minütiger Übungszeit mit dem ’’Toothguide Trainer’’ und weiteren 90 Minuten mit der ’’Toothguide Training Box wurde die Treffsicherhit nachweisbar um 33 Prozent verbessert, bei farbfehlsichtigen Probanten um 28,8 Prozent. ’’Wir wollen außerdem herausbekommen, welche Menschen in welchen Situationen welche Farben am sichersten bestimmen können. Beispielsweise konnten unsere Untersuchungen bisher eine in der Literatur oft verbreitete Behauptung nicht bestätigen, dass Farbfehlsichtigkeit - immerhin leidet etwa jeder zwölfte Mann darunter - ein starkes Handicap beim Erlernen der Zahnfarbenbestimmung sei. Aber da sind wir noch am Forschen, denn die Anzahl unserer entsprechenden Studenten ist bislang zu gering. Oder nehmen sie die Vielfalt der möglichen Beleuchtungen am Arbeitsplatz des Zahntechnikers. Eventuell gibt es Lampenarten, die genauere und solche die nur ungenaue Bestimmungen zulassen.’’

Was ist nun aber, wenn der hundertprozentig passende Zahn gefunden wurde und einige Jahre im Mund des Menschen verbleibt, stimmt die Farbe auf ewig? ’’Erfahrungsgemäß stimmt sie mindestens solange, bis die Brücke oder die Krone ausgewechselt werden muss. Das hängt natürlich auch davon ab, welchen Einflüssen die Zähne ausgesetzt sind. Wer viel raucht, schwarzen Tee trinkt oder stark färbende Säfte, dem kann es passieren, dass sich künstliche und natürliche Zähne anders verfärben. Ähnlich ist es bei denen, die es ganz besonders gut meinen und sich in der Apotheke Bleichmittel besorgen. Bei solchen Prozeduren machen die künstlichen Materialien nicht mit und haben dann inmitten ihrer gebleichten Nachbarn einen anderen Ton.’’ Marlis Heinz

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Holger Jakstat
Telefon: 0341 97-21302
E-Mail: jakh@medizin.uni-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/prothetik

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