Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mikroskopische Einblicke für Blinde

03.06.2005


Ein Blick durch das Lichtmikroskop genügt, um anhand von Gewebeproben das Aussehen und die Anordnung von Zellen und Interzellularsubstanz zu bestimmen. Diese Faktoren geben Aufschluss über die Art und manchmal auch über die Ursache einer Erkrankung. Wie aber erlangen blinde oder hochgradig sehbehinderte Schüler, Studierende, Ärzte oder Biologen die Kenntnisse, die man bislang fast ausschließlich visuell erhält?

... mehr zu:
»Gewebe »Pathologie

Mit dieser Frage haben sich Dr. Mathias Wagner und Prof. Dr. Klaus Remberger vom Institut für Allgemeine und Spezielle Pathologie am Universitätsklinikum des Saarlandes beschäftigt und dabei zusammen mit anderen Wissenschaftlern der Universitäten Dortmund (Frank Weichert, Prof. Dr. Heinrich Müller), Lübeck (Dr. Roland Linder), Frankfurt (Dr. Dr. Constantin Landes, Prof. Dr. Dr. Rober Sader), Marburg (Dr. Werner Liese) und Saarbrücken (Andreas Groh, Prof. Dr. Alfred K. Louis) neue Lernmethoden, insbesondere für die Aus- und Weiterbildung von Blinden und hochgradig Sehbehinderten, entwickelt. In einem weltweit einzigartigen Projekt ist es ihnen hierfür gelungen, digitalisierte Abbildungen histologischer Schnittpräparate fühlbar zu machen. Zunächst erstellen die Forscher dreidimensionales virtuelles Gewebe, das anschließend mit einem speziellen Gerät (einem so genannten Haptic Device) ertastet werden kann. Im Gegensatz zu realen Schnittpräparaten können diese Gewebe animiert oder beliebige Areale hervorgehoben werden. Über mehrere Jahre verteilt wurden in diesem Zusammenhang zunächst zahlreiche Studien durchgeführt, die scheinbar nichts mit der Erstellung und Visualisierung virtuellen Gewebes zu tun zu haben. Hierbei erwarben die Forscher jene Detailkenntnisse, die für eine erfolgreiche Umsetzung eines solchen Vorhabens unabdingbar sind.

Das im Rahmen dieses Projekts verwandte Haptic Device ist ein Gerät, das an einer Haltevorrichtung so etwas ähnliches wie einen Füllfederhalter trägt, der über ein digital steuerbares Gelenk im dreidimensionalen Raum bewegt wird und die virtuelle Gewebeoberfläche abtastet. Farb- und Texturinformationen aus primär zweidimensionalen Informationen werden so um eine dritte Dimension erweitert und über das Haptic Device in taktil erfassbare Signale umgewandelt. So lässt sich zum Beispiel feststellen, ob das Ertastete hart oder weich ist oder welche Farbe es hat. Optional können dynamische Abläufe auch mit akustischer Unterstützung vermittelt werden, was ein deutlicher Vorteil gegenüber jenen Methoden ist, die bisher in der biologischen Aus- und Weiterbildung von Blinden und hochgradig Sehbehinderten verwandt wurden. Dies hat Dr. Mathias Wagner und Prof. Dr. Klaus Remberger den VISU-Förderpreis „Neue Medien in der Lehre“ eingebracht.


Die Arbeit mit virtuellen Zellen und Geweben eröffnet der Pathologie erstmalig das hochaktuelle Feld der Systembiologie und wird künftig auch eine Rolle in anderen Bereichen der Medizin spielen, so z. B. bei virtuellen Operation zur Ausbildung von Chirurgen.

Kontakt:
Institut für Allgemeine und Spezielle Pathologie
Dr. med. Mathias Wagner
Universitätsklinikum des Saarlandes
Gebäude 26
66421 Homburg-Saar
Tel.: (0 68 41) 1 62 38 64
E-Mail: trouth@gmx.net

Helga Hansen | Newsletter 9-2005
Weitere Informationen:
http://www.innovation.saarland.de

Weitere Berichte zu: Gewebe Pathologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Wie das Wissen in der Technik entsteht

17.01.2017 | Förderungen Preise

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik