Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zelltod und Transkription: eine gefährliche Liaison

31.05.2005


Unter Transkriptionsfaktoren versteht man eine große Gruppe von Eiweißen (Proteinen) des Zellkerns, die an die Steuerelemente von Genen binden und deren Aktivität kontrollieren. Viele dieser Transkriptionsfaktoren sind als sog. "Onko-Proteine" beschrieben worden. Das heißt, dass sie ganz wesentlich an der Entartung normaler Zellen zu Krebszellen beteiligt sind. Andere Transkriptionsfaktoren wiederum wirken als "Tumorsuppressoren", deren Verlust zur Entstehung von Krebszellen und Tumoren führt. Zu beiden Gruppen gehören offenbar die NFAT-Transkriptionsfaktoren, deren Struktur und Funktion in unserer Abteilung intensiv studiert wird.



NFAT (die Abkürzung des englischen Fachausdrucks `Nuclear Factor of Activated T Cells`)-Transkriptionsfaktoren sind vor allem in T-Lymphozyten, einer Klasse weißer Blutkörperchen, aktiv. Dort steuern sie die Produktion von Lymphokinen. Dies sind Botenstoffe, die die Immun(Körper)-Abwehr kontrollieren. NFAT-Faktoren kontrollieren jedoch auch den Zelltod von T-Lymphozyten. Es ist bekannt, dass ein verzögerter oder gar ausbleibender Zelltod oft zur Entstehung von Krebszellen beiträgt. Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Serfling fand, dass die meisten der NFAT-Eiweiße den Zelltod von T-Lymphozyten beschleunigen. Andererseits gibt es jedoch bestimmte NFAT-Eiweiße - und vor allem solche, die vom nfatc1-Gen synthetisiert werden - die dem Zelltod entgegen (d.h. anti-apoptotisch) wirken und so aller Wahrscheinlichkeit nach Onko-Proteine darstellen.



Interessanterweise werden nun diese anti-apoptotischen NFATc1-Proteine induzierbar synthetisiert, alle anderen NFATc1-Proteine jedoch nicht. Maßgeblich daran beteiligt ist ein Steuerelement, ein induzierbarer Promotor, des nfatc1-Gens, dessen Aktivität wiederum durch NFAT-Faktoren kontrolliert wird. Wir nehmen an, dass diese "Autoregulation" der NFATc1-Synthese, die in T-Lymphozyten in kürzester Zeit zu sehr hohen NFATc1-Konzentrationen führt, an der Entstehung von Krebszellen und damit an der Entstehung von Lymphomen (d.h. Lymphdrüsenkrebs) ganz wesentlich beteiligt ist. Hinweise dafür sind (1.) die aberrante NFATc1-Synthese in vielen menschlichen Lymphomen, (2.) die verstärkte Bildung von Lymphomen in Mäusen, in denen nfatc-Gene zerstörte wurden, und (3.) die Beeinflussung der NFATc1-Autoregulation durch Krebsviren, wie durch HTLV-1. Die molekularen Mechanismen der NFATc1-Autoregulation und ihre Bedeutung für die Lymphomenstehung beim Menschen werden in unserer Arbeitsgruppe intensiv untersucht. Ihre genaue Kenntnis sollte die Entwicklung kausaler Therapien fördern, die eine gezielte Heilung dieser Erkrankungen ermöglichen.

Kontakt:
Prof.Dr.Edgar Serfling
Pathologisches Institut
Josef-Schneider-Str.2
97080 Würzburg
Tel. 0931 / 201-47431
Fax 0931 / 201-47131
serfling.e@mail.uni-wuerzburg.de

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 300.000,--€.

Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 150 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers zurück, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Berichte zu: Krebszelle Lymphom T-Lymphozyt Transkriptionsfaktor Zelltod

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie