Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Prostatakrebs: Stahl oder Strahl - der Patient hat die Wahl

25.05.2005


Im Frühstadium kann Prostatakrebs in 70 Prozent der Fälle durch eine alleinige Strahlentherapie geheilt werden, berichten Experten auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie in Karlsruhe. Auch in fortgeschrittenen Stadien profitieren die Patienten noch von einer Bestrahlung nach der Operation, wie neue Studien nun erstmals belegen.



Prostatakrebs ist die häufigste Tumorerkrankung des Mannes. Pro Jahr diagnostizieren Ärzte alleine in Deutschland bei mehr als 31.000 Männern diesen Tumor der Vorsteherdrüse. In früheren Jahren waren zumeist ältere Männer betroffen. Aufgrund neuer Methoden zur Früherkennung - etwa durch den Nachweis des prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut - wird die Diagnose heute zunehmend häufiger auch bei jüngeren Männern gestellt.



Hat sich der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose noch nicht über das Organ hinaus ausgebreitet und keine Fernabsiedelungen (Metastasen) gebildet, empfiehlt der Arzt in der Regel die Operation. Bei dieser so genannten "radikalen Prostatektomie" werden die Vorsteherdrüse, die Samenbläschen und die benachbarten Lymphknoten entfernt. Gefürchtete Nebenwirkungen dieser Operation sind Impotenz und Harnträufeln.

Erweitertes Arsenal. Die Strahlentherapie stellt darum eine Alternative dar, die zunehmend genutzt wird. In den letzten Jahren haben die Radioonkologen in diesem Bereich ihr Arsenal erweitert. Die externe Strahlentherapie mit einem Linearbeschleuniger - die Bestrahlung von außen - ist zwar weiterhin die Standardbehandlung. Auf dem Vormarsch befindet sich jedoch auch die so genannte Brachytherapie, bei der die Mediziner eine strahlende Quelle direkt in die Prostata einbringen.

Therapeutisches Nachladen. Dabei gibt es wiederum zwei verschiedene Methoden: Bei der so genannten Afterloadingtherapie wird die Prostata mit Nadeln gespickt, die an eine radioaktive Strahlenquelle angeschlossen werden. Diese Therapie dauert nur wenige Minuten, die Nadeln werden anschließend wieder entfernt. Meist wird diese Technik als Ergänzung zu einer externen Bestrahlung eingesetzt, um die Strahlendosis in einem eng umschriebenen Bereich zu erhöhen.

Kleine Stifte. Bei der Langzeitbehandlung werden kleine radioaktive Stifte ("Seeds") in die Prostata eingebracht. Dort verbleiben sie lebenslänglich und geben ihre Strahlung so lange ab, bis die Radioaktivität abgeklungen ist. Ein Vorteil dieser Behandlung besteht darin, dass - im Gegensatz zum Afterloading - nur eine einmalige Therapiesitzung erforderlich ist. Diese Behandlung ist jedoch nur für kleine Tumoren mit günstiger Prognose sinnvoll.

Heilung durch Strahl auch ohne Stahl. Ergebnisse einer ausschließlichen Strahlentherapie mit verschiedenen Techniken werden von mehreren Forscherteams auf dem Jahreskongress der DEGRO in Karlsruhe vorgestellt.

- An der Medizinischen Hochschule Hannover behandelten Strahlentherapeuten 226 Patienten mit einer externen Strahlentherapie. Die Mehrzahl erhielt parallel eine zusätzliche Hormonbehandlung über einige Monate. Nach knapp fünf Jahren betrug das krankheitsfreie Überleben je nach Risikogruppe zwischen 67 und 76 Prozent.

- Strahlentherapeuten aus Hamburg berichten über einer Gruppe von 253 Patienten, die ähnlich behandelt wurden: Die Männer erhielten eine externe Bestrahlung und jeder zweite eine zusätzliche Hormontherapie. Auch hier waren 70 Prozent der Patienten nach fünf Jahren krankheitsfrei.

- Eine interessante Vergleichsstudie präsentieren Strahlentherapeuten der Universität Würzburg. Um die Dosis in der Prostata zu erhöhen, wurden 41 Patienten mit einer herkömmlichen externen Strahlentherapie behandelt, weitere 43 Patienten erhielten nach einer niedrigeren von außen eingestrahlten Dosis als umschriebene Dosisaufsättigung eine Brachytherapie in Form einer kurzfristigen Afterloading-Spickung. Bei der ausschließlich von außen bestrahlten Gruppe waren nach drei Jahren 75 Prozent der Patienten krankheitsfrei. Bei den zusätzlich gespickten Patienten konnten die Ärzte in 86 Prozent Tumorfreiheit feststellen. Diese Zeiten sind zwar noch zu kurz um endgültige Aussagen zu treffen, deuten jedoch daraufhin, dass eine zusätzliche Spickung vorteilhaft sein kann.

- Auch an der Kölner Universitätsstrahlenklinik wurde dieser Weg beschritten. Ärzte kombinierten die externe Strahlentherapie mit der kurzzeitigen Spickung. Sie behandelten 86 Patienten und stellten fest, dass je nach Ausgangssituation die krankheitsfreien 5-Jahresüberlebensraten für die Hochrisikopatienten bei 41 Prozent, jedoch für Patienten mit niedrigem Risiko bei 100 Prozent lagen.

Fortgeschrittene Tumoren: Bessere Heilungschancen durch Stahl plus Strahl. Ob bei größeren Prostatakarzinomen eine Strahlentherapie im Anschluss an eine Operation die Chancen eines Patienten weiter verbessert, war unter Experten lange umstritten.

Nun präsentieren Radioonkologen in Karlsruhe erstmals eine bundesweite Studie, bei der sie die Therapieverfahren - alleinige Operation bzw. Operation mit nachfolgender Bestrahlung - einem Vergleich unterzogen. Es beteiligten sich 10 Zentren unter der Federführung von Professor Thomas Wiegel (Ulm).

Insgesamt 385 Patienten mit Tumoren, die die Prostatakapsel bereits überschritten hatten, wurden nach dem Zufallsprinzip der einen oder anderen Therapieform zugeordnet. Die Patienten wurden entweder nur operiert und nachbeobachtet, oder sie erhielten zusätzlich eine Strahlentherapie.

Die Auswertung nach vier Jahren ergab eine eindeutige Verbesserung zugunsten der bestrahlten Männer. Diese waren zu 80 Prozent tumorfrei, während bei den ausschließlich Operierten nur 60 Prozent keine Hinweise auf einen Rückfall zeigten.

Fazit der Experten: Bei Patienten mit kapselüberschreitendem Prostatakrebs kann eine postoperative Bestrahlung das Rückfallrisiko deutlich senken. Bemerkenswert dabei ist, dass diese Therapie kaum Nebenwirkungen zeigte.

Hoffnung bei Rückfall nach Operation. Wenn bei einem Patienten nach radikaler Prostataoperation das prostataspezifische Antigen (PSA) im Blut langsam wieder ansteigt, so ist dies meist Ausdruck eines erneuten Tumorwachstums im Operationsgebiet. Ein sehr steiler Anstieg der Werte deutet hingegen eher auf Fernabsiedelungen hin.

Bei einer geringfügigen PSA-Erhöhung kann der Arzt mit radiologischen Methoden den Tumor oft noch nicht nachweisen: Dieser ist zwar groß genug, um PSA zu produzieren, aber noch zu klein für die Bildgebung. In dieser Situation kann eine Strahlentherapie doch noch zur Heilung führen. Im Städtischen Klinikum Karlsruhe wurden 63 Patienten mit Wiederanstieg ihres PSA bestrahlt. Nach einer Nachbeobachtungszeit von knapp vier Jahren hatten sich bei 39 Prozent aller Patienten die Laborwerte wieder normalisiert, nur bei drei Patienten wuchs der Tumor in der Prostataregion weiter. Die Ergebnisse waren umso besser, je niedriger das PSA bei Behandlungsbeginn war.

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://awmf.org

Weitere Berichte zu: PSA Prostata Prostatakrebs Strahlentherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie