Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Natürliches Cannabinoid beschleunigt Osteoporose

25.05.2005


Mäuse-Versuch soll ultimatives Medikament finden




Ein natürliches im menschlichen Körper vorkommendes Cannabinoid soll britischen Forschern zufolge Knochenschwund (Osteoporose) beschleunigen. Mit dieser Erkenntnis hoffen die Wissenschaftler nun ein neues Medikament gegen die schmerzhafte Erkrankung zu finden, berichten sie in der jüngsten Ausgabe des Fachmagazins Nature.



Unter Osteoporose versteht man eine Abnahme der Knochenmasse, -struktur und -funktion, die zu einer schmerzhaften mechanischen Instabilität des Skelettes mit der Gefahr von Knochenbrüchen führt. Die wichtigsten Formen der Osteoporose sind die postklimakterische und die Altersosteoporose. Jede zweite Frau über 50 Jahren ist mittlerweile von dieser Erkrankung betroffen. Die Forscher machen das Sinken des Östrogenspiegels dafür verantwortlich. Bisher wurden Hormonersatztherapien angeboten, die aber zum Teil zu erhöhtem Brustkrebs- und Herzinfarktrisiko führen. Die britischen Forscher haben nun damit spekuliert, dass Cannabinoide, die beim Knochenaufbau eine wesentliche Rolle spielen, auch beim Abbau beteiligt sind. Im Mäuseversuch bestätigten sich die Befürchtungen.

Die Cannabinoid-Rezeptoren und Zellen namens Osteoklasten (Knochenfresszellen) scheinen jedenfalls eine wesentliche Rolle bei der Bildung der Erkrankung zu spielen. Die Osteoklasten entlassen normalerweise Säuren, die alte und weiche Knochen auflösen und die Bildung neuer fördern. Die Stoffe, die dann übrig bleiben, erlauben dann einen neuen Knochenwuchs. Nun konnten die Forscher feststellen, dass überaktive Osteoklasten zu Knochenschwund führen können, da sie bestehende Knochen ausdünnen. Mit chemischen Stoffen, die die Cannabinoid-Rezeptoren blockierten, wurde auch die Osteoklasten-Bildung verlangsamt.

"Bis jetzt weiß niemand genau, welche Rolle das Östrogen im Knochen spielt", so Stuart Ralston von der University of Edinburgh, der an der Studie mitgearbeitet hat. Der Forscher vermutet aber, dass das fehlende Östrogen zu einer Zunahme der natürlichen Cannabinoide führt und das führt wiederum zu einem stärkeren Abbau durch die Osteoklasten. Pharmahersteller testen nun Appetithemmer, die die Cannabinoid-Rezeptoren blockieren, auch für Osteoporose Patienten. Die Forscher glauben, dass ähnliche Medikamente auch beim Knochenschwund wirken könnten. Unklar ist, ob das Rauchen von Marihuana ebenfalls Osteoporose fördert oder nicht. Denn die Cannabinoide, die der Körper selbst produziert, unterscheiden sich von jenen im Marihuana deutlich.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nature.com

Weitere Berichte zu: Cannabinoid Knochenschwund Osteoklast Osteoporose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Abstoßung von Spenderorganen: Neue Biomarker sollen Komplikationen verhindern
15.12.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Antibiotikaresistenzen durch Nanopartikel überwinden?
15.12.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik