Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auto-Antikörper lösen Erkrankung des Zentralnervensystems aus

18.05.2005


Forscher von der Neurologischen Klinik der Universität Würzburg haben erstmals bewiesen, dass Auto-Antikörper eine Erkrankung des Zentralnervensystems (ZNS) auslösen können. Während das für einige Krankheiten des peripheren Nervensystems schon seit Jahrzehnten feststeht, waren alle bisherigen Versuche fehlgeschlagen, etwas Vergleichbares am ZNS zu belegen.


In der Zeitschrift "Lancet" berichtet die Forschergruppe um die Professoren Claudia Sommer und Klaus Toyka über eine Patientin, die am "Stiff person Syndrom" erkrankt ist. Bei diesem Leiden versteift sich die Muskulatur erst anfallsartig, später dauerhaft. In Verbindung damit treten Platzangst sowie eine übergroße Schreckhaftigkeit auf. Wenn die Krankheit voll ausgeprägt ist, können die Betroffenen nicht mehr gehen und stehen.

"Diesem Syndrom liegt eine seltene Immunerkrankung des Gehirns zu Grunde", erklärt Professor Sommer. Wie bei rund zehn Prozent der Betroffenen fanden sich auch im Blut der Würzburger Patientin große Mengen Auto-Antikörper gegen das Protein Amphiphysin. Dieses spielt an den Schaltstellen zwischen Nervenzellen sowie zwischen Nerven und Muskeln eine Rolle. Mit Antikörpern wehrt das Immunsystem im Normalfall Eindringlinge ab, etwa Bakterien oder Viren. Auto-Antikörper aber richten sich fälschlicherweise gegen den eigenen Körper - in diesem Fall gegen das genannte Protein.


Durch Blutwäschen gelang es den Würzburger Medizinern, die Anzahl der Auto-Antikörper bei der Frau zu verringern und die Beschwerden deutlich zu lindern. Aus dem Blut der Patientin isolierten sie den schädlichen Antikörper, ein Immunglobulin G. Nun wollten sie herausfinden, ob dieser Antikörper die Krankheit direkt auslösen kann, und übertrugen ihn auf gesunde Ratten. Zugleich setzten sie deren Blut-Hirn-Schranke außer Funktion, so dass der Antikörper in großer Menge ins Gehirn eindringen konnte.

Ergebnis: Nur die mit dem Immunglobulin der Patientin behandelten Nager entwickelten ein Krankheitsbild mit Muskelsteifigkeit und Muskelverkrampfungen, welches das "Stiff person Syndrom" in Teilen widerspiegelt. Im Blut der Tiere fanden die Wissenschaftler entsprechende Mengen des übertragenen Immunglobulins wieder. Außerdem stießen sie vor allem in Gehirn und Rückenmark auf Ablagerungen des Antikörpers.

Mit diesem Experiment haben die Forscher gezeigt, dass nach der Öffnung der Blut-Hirn-Schranke eine antikörpervermittelte Erkrankung des Zentralnervensystems auf ein Versuchstier übertragen werden kann. Im Fachblatt "Lancet" kommentiert der Neurologe Ted Burns von der University of Virginia: "Diese Studie ist wichtig, weil sie zeigt, dass alleine Auto-Antikörper dazu in der Lage sind, die Erkrankung in Gang zu bringen." Die Würzburger Mediziner wollen nun untersuchen, welche Rolle andere Auto-Antikörper bei Erkrankungen des Zentralnervensystems spielen.

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de
http://www.thelancet.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie