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Kann man die Lunge ungeborener Kinder schneller reifen lassen?

18.05.2005


280.000 Euro für Göttinger Tandem-Projekt der Abteilung Pädiatrie I des Bereichs Humanmedizin der Universität Göttingen und dem Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie



Viele Probleme unreifer Frühgeborener entstehen, weil ihre Lunge noch nicht funktionsfähig ist. Ab ihrer Geburt müssen diese "Frühchen" lange intensivmedizinisch betreut und zunächst künstlich beatmet werden; eine Betreuung, die von vielen Komplikationen bedroht ist.

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Göttinger Wissenschaftler und Kliniker aus der Abteilung Pädiatrie I des Bereichs Humanmedizin der Universität Göttingen und dem Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie wollen im Rahmen eines Tandemprojektprojektes nebenwirkungsarme Wirkstoffe entwickeln, die bei einer drohenden Frühgeburt die Lungenreifung des Kindes bereits während der Schwangerschaft beschleunigen können. Die Max-Planck-Gesellschaft bewilligte hierfür 280.000 Euro für zunächst drei Jahre.

Wenn die Lunge Frühgeborener bei der Geburt noch unreif ist, fallen die Lungenbläschen nach der Geburt häufig in sich zusammen. Der Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxyd zwischen Blut und Atemluft wird dadurch erschwert oder unmöglich. Die derzeitige Behandlung solcher "Frühchen" beschränkt sich auf die künstliche Beatmung und die Anwendung stabilisierender Substanzen (so genannter "surfactant") im Beatmungsschlauch.

Seit einigen Jahren versucht man, bei drohender Frühgeburt die Lungenreifung des Kindes bereits vor der Geburt zu beschleunigen, indem man der schwangeren Mutter vorbeugend Kortison verabreicht. Dadurch gelingt es oft, die künstliche Beatmung mit ihren Komplikationen (wie Lungen-schäden oder Hirnblutungen) zu verkürzen oder sogar zu vermeiden. Leider ist diese Maßnahme nicht immer erfolgreich und verursacht zum Teil schwere Nebenwirkungen beim Kind.

Im Rahmen der Verbundforschung übertragen die Wissenschaftler biomedizinisches Grundlagenwissen über die molekularen Mechanismen der Lungenreifung in die patientenorientierte klinische Praxis. Erkenntnisse aus der Forschung an der Fruchtfliege "Drosophila" sollen in die Entwicklung von Medikamenten für den Menschen einfließen. Bereits seit zwei Jahren kooperieren Dr. Markus Stahl, Abteilung Pädiatrie I (Direktor Prof. Dr. Lothar Schweigerer) am Bereich Humanmedizin und PD Dr. Reinhard Schuh, Leiter der Arbeitsgruppe Tracheale Entwicklung in der Abteilung Molekulare Entwicklungsbiologie (Direktor Prof. Dr. Herbert Jäckle) am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie.

Die Wissenschaftler vergleichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den molekularen Mechanismen der Tracheen- beziehungsweise Lungenreifung bei Insekten und Säugetieren. Bei der Vertiefung der Erkenntnisse über die Entwicklung der Tracheen (Atmungsorgane der Insekten) und der Übertragung des Wissens auf den Wirbeltierorganismus kooperieren die Wissenschaftler mit der Arbeitsgruppe Molekulare Zelldifferenzierung von Prof. Dr. Ahmed Mansouri, Abteilung Molekulare Zellbiologie (Direktor Prof. Dr. Peter Gruss, beurlaubt, kommissarischer Direktor Prof. Dr. Michael Kessel) am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie.

Bisher ist unklar, wie Kortison in die molekularen Prozesse der Lungenreifung eingreift. Die Wissenschaftler und Kliniker aus Göttingen untersuchen deshalb, wie die Lungenentwicklung im Embryo durch die Gene gesteuert wird und wie das Kortison in diese molekularen Prozesse eingreift. Fernziel der Verbundforschung ist die Entwicklung von Wirkstoffen, die zwar die Lungenentwicklung gezielt fördern, nicht aber die Nebenwirkungen des Kortisons aufweisen und somit zukünftig eine nebenwirkungsarme Behandlung unreifer Frühgeborener ermöglichen.

Die Max-Planck-Gesellschaft ist bestrebt, im Rahmen ihrer Tandemprojekte die Zusammenarbeit zwischen Grundlagenforschern und wissenschaftlich ausgewiesenen externen Kliniken zu fördern. Ziel der Tandemprojekte ist der Transfer biomedizinischen Grundlagenwissens in die patientenorientierte klinische Praxis. Das nun geförderte Projekt ist eines von insgesamt zehn solchen Projekten bundesweit und das zweite Tandemprojekt am Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen.

Stefan Weller | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de

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