Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Herz-Rhythmusstörungen im Kindesalter

10.08.2001


Prof. Dr. Peter Schneider


Herzzentrum der Uni Leipzig


Erstmals ist es möglich, nicht mehr nur die Symptome der Herzrhythmusstörung zu behandeln, sondern einige Formen der Krankheit zu heilen. Die in den USA und Europa entwickelte Katheterablation ist seit einiger Zeit auch in Deutschland im Vormarsch, kann hier aber nur an wenigen Zentren durchgeführt werden. Knackpunkt der Katheterablation ist die Unterbrechung der als Impulsleiter fungierenden überflüssigen Leitungsbahnen.

Unser Herz schlägt in einem bestimmten Rhythmus. 70 bis 80 mal in der Minute. Eine "Zündkerze" im Herzen gibt über den sogenannten Sinusknoten einen entsprechenden Impuls ab. Der gleichmäßige Herzschlag sorgt dafür, dass unser Blut im Körper zirkulieren kann. Wenn wir uns anstrengen oder aufregen, schlägt unser Herz schon mal schneller; wir spüren es "bis zum Hals schlagen". Gerät unser Herz für immer oder immer mal wieder ohne erkennbaren Anlass beträchtlich aus dem Rhythmus, sprechen die Mediziner von Herzrhythmusstörungen. Bei einigen Arrhythmieformen kann das Herz bei Frequenzen von bis zu 300 mal pro Minute flattern. Für den Betroffenen erscheint das Herzrasen unangenehm bis bedrohlich. Längerfristig wird das Herz geschädigt und in besonders krassen Fällen können Herz-Rhythmusstörungen zum Tode führen.

Etwa 70-80 % aller Fälle sind auf "versprengte" Leitungsbahnen zurückzuführen. D.h., der elektrische Impuls wird nicht nur von einer Leitungsbahn weitergeleitet, sondern auch von Nebenbahnen. Man kann die Symptome mit Medikamenten behandeln, die ein Leben lang genommen werden müssen - mit den nie ganz auszuschließenden Nebenwirkungen. Das ist besonders bedeutsam, wenn bereits Kinder unter Herzrhythmusstörungen leiden. Prof. Dr. Peter Schneider, Direktor der Klinik für Kinderkardiologie am Herzzentrum, Universität Leipzig, sieht aber nicht nur ein gesundheitliches, sondern auch ein soziales Problem. "Die Kinder müssen Situationen meiden, die die gefürchtete Herzrhythmusstörung auslösen können: Sport und aufregende Erlebnisse. Sie werden darin von Eltern und Erziehern unterstützt oder sogar angehalten. Und geraten dadurch ins Abseits. Auch die Berufswahl wird dadurch eingeschränkt."

Eine neue Behandlungsmethode kommt da wie gerufen. Erstmals ist es möglich, nicht mehr nur die Symptome der Krankheit zu behandeln, sondern einige Formen der Herzrhythmusstörung zu heilen. Die in den USA und Europa entwickelte Katheterablation ist seit einiger Zeit auch in Deutschland im Vormarsch, kann hier aber nur an wenigen Zentren durchgeführt werden. Knackpunkt der Katheterablation ist die Unterbrechung der als Impulsleiter fungierenden überflüssigen Leitungsbahnen.

Wie der Name sagt, muss dies nicht über eine aufwendige Herz-Operation erfolgen, sondern endoskopisch über einen Katheter. Dieser muss punktgenau an der Stelle positioniert werden, an der sich die Neben-Leitungsbahn befindet. Üblicherweise werden mehrere Katheter über Venen, manchmal über Arterien, von der Leistengegend her in das Herz eingebracht. Das kann der Arzt über ein Röntgengerät verfolgen.

Am Herzzentrum Leipzig wird bei vielen Untersuchungen mit einem Spezialsystem gearbeitet. Dabei übernimmt ein Sensor in der Katheterspitze, der von elektromagnetischen Wellen gesteuert wird, die Arbeit. Die Belastung mit Röntgenstrahlen wird daher auf sehr niedrigem Level gehalten. Das ist besonders bei Kindern wichtig. Mit Hilfe eines für den Laien nur schwer durchschaubaren Computerprogrammes kann der Spezialist die Katheterspitze mit viel Fingerspitzengefühl millimetergenau auf der zu unterbrechenden Leitungsbahn platzieren. Der gesamte Vorgang wird dreidimensional auf dem Bildschirm abgebildet. Wenn der Punkt erreicht ist, muss blitzschnell ein Stromstoß über eine weitere Vorrichtung an der Katheterspitze dorthin gejagt werden, der die Leitungsbahn für immer unterbricht. Der Patient ist gesund - auch für den behandelnden Arzt immer wieder ein beglückendes Gefühl. Dabei hat der Patient gar nicht viel gemerkt, obwohl er keine Narkose bekommt. Ein Kribbeln in der Herzgegend, ein wenig Ablenkung durch eine freundliche Assistentin. Das war´s für ihn.

Die Spezialisten für dieses neue Verfahren heißen Rhythmologen oder Elektrophysiologen. Es sind speziell ausgebildete Kardiologen, die neben profunden medizinischen und PC-Kenntnissen Geschicklichkeit, schnelles Denken und Entscheidungsfreudigkeit mitbringen müssen. Am Herzzentrum wird diese Aufgabe von Priv.-Doz. Dr. Hans Kottkamp und Priv.-Doz. Gerhard Hindricks wahrgenommen. Für sie ist Interdisziplinarität eine entscheidende Grundlage der Arbeit. Die erfolgreiche Behandlung von Herzrhythmusstörungen bei Kindern z.B. fußt auf einer vorangegangenen exakten Diagnose durch den Kinderkardiologen. Dieser muss auch entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt für den Eingriff gekommen ist. "Denn manchmal "verwachsen" sich solche Störungen bei Kindern noch.", so Prof. Schneider.

Am 8. September 2001 wird er am Herz-Zentrum Leipzig eine wissenschaftliche Veranstaltung zum Thema "Herzrhythmusstörungen im Kindesalter" durchführen. Mit dabei sind auch die Eltern der kleinen Patienten, die von dieser Erkrankung betroffen sind. "Denn", so Prof. Schneider, "Wissen über eine Krankheit bedeutet, die Krankheit besser in den Griff zu bekommen."

Dr. Bärbel Adams | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mikrobiologen entwickeln Methode zur beschleunigten Bestimmung von Antibiotikaresistenzen
13.02.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Überschreiben oder Speichern? Die Gewissensfrage zur Vergesslichkeit
13.02.2018 | PhytoDoc Ltd.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zukunft wird gedruckt

19.02.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer HHI präsentiert neueste VR- und 5G-Technologien auf dem Mobile World Congress

19.02.2018 | Messenachrichten

Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus

19.02.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics