Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rückfall bei Knochenkrebs verhindern

03.05.2005


Deutsche Krebshilfe fördert internationale Studie



Das Osteosarkom ist die häufigste Krebserkrankung der Knochen. Vor allem Kinder und Jugendliche erkranken daran. Etwa zwei Drittel aller Osteosarkom-Patienten können mit einer Kombination aus Chemotherapie und Operation geheilt werden. Bei den übrigen Patienten tritt der Tumor jedoch nach Abschluss der Behandlung schnell wieder auf. Die Heilungschancen sinken dadurch dramatisch. Im Rahmen einer europäisch-amerikanischen Studie soll die Therapie nun weiter optimiert werden. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt diese Studie mit rund 790.000 Euro.



Bei der Behandlung des Osteosarkoms erhält der Patient bereits vor der Operation eine mehrwöchige Chemotherapie. Durch diese präoperative Therapie soll sich zum einen der Tumor verkleinern, um besser operabel zu sein. Zum anderen sollen die Zellgifte vereinzelte Krebszellen zerstören, die sich vom Haupttumor gelöst haben und an entfernten Stellen im Körper Metastasen bilden können. Bei etwa einem Drittel der Patienten schlägt die Chemotherapie jedoch nicht an, so dass sich danach noch Tumorzellen im Körper - insbesondere in der Lunge - befinden. Diese Patienten haben eine sehr schlechte Prognose.

Im Rahmen der von der Deutschen Krebshilfe geförderten europäisch-amerikanischen "EURAMOS-1 Studie" (European and American Osteosarcoma Study) wird nun untersucht, ob eine deutlich intensivere Chemotherapie die Krebszellen wirkungsvoller vernichtet. Diese Therapie, bei der zwei zusätzliche Medikamente eingesetzt werden, hat jedoch deutlich mehr Nebenwirkungen als die herkömmliche Standardtherapie. So wird unter anderem die körpereigene Abwehr stark geschwächt und in seltenen Fällen auch die Nierenfunktion eingeschränkt. Die Studie prüft daher, ob die Überlebenschancen durch die intensivere Behandlung tatsächlich erhöht werden und die stärkeren Nebenwirkungen somit gerechtfertigt sind.

Bei denjenigen Patienten, bei denen die Standard-Chemotherapie besser wirkt, wird zusätzlich untersucht, ob die Gabe von Interferon Alpha die Heilungschancen verbessern kann. Interferone sind körpereigene Substanzen, welche die Verständigung zwischen Immunzellen vermitteln und die körpereigene Abwehrreaktion verstärken. Dadurch werden die Krebszellen möglicherweise wirkungsvoller bekämpft.

An der EURAMOS-1 Studie, an der 1.260 Patienten teilnehmen, sind mehrere renommierte Studiengruppen aus Europa und Nord-Amerika beteiligt. Diese Kooperation ist eine konsequente Weiterentwicklung der bisherigen, seit den 80-er Jahren durchgeführten Therapie-Optimierungsstudien der Cooperativen Osteosarkomstudiengruppe (COSS). Die COSS-Gruppe koordiniert seit 25 Jahren die weitere Entwicklung der Therapie des Osteosarkoms in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Studienzentrale hat ihren Sitz an der Universitätsklinik Münster und wird dort seit vielen Jahren von der Deutschen Krebshilfe gefördert.

"In den letzten 25 Jahren hat die COSS-Studiengruppe immer erfolgreichere Therapiekonzepte entwickelt. Ihre Heilungserfolge beim Osteosarkom gehören seit langem zu den besten weltweit", erklärt Privatdozent Dr. Stefan Bielack, Leiter der COSS-Studiengruppe an der Klinik und Poliklinik für Kinderheilkunde des Universitätsklinikums Münster. "Durch die europäisch-amerikanische Zusammenarbeit im Rahmen der EURAMOS-1 Studie werden sich die Therapieoptionen für die jungen Patienten weiter verbessern." Die Teilnahme der COSS-Gruppe an der EURAMOS-1 Studie wird durch die Deutsche Krebshilfe ermöglicht.

Die COSS-Gruppe kooperiert im EURAMOS-Projekt mit der nordamerikanischen Children’s Oncology Group, der European Osteosarcoma Intergroup und der Scandinavian Sarcoma Group. An der EURSAMOS-1 Studie sind insgesamt zwölf europäische Länder, die USA und Kanada beteiligt. Sie wird im Rahmen des Programms "Pan-Europäische Klinische Studien" der European Science Foundation durchgeführt. Interessierte Osteosarkom-Patienten und deren Angehörige können sich an die deutsche COSS-Studienzentrale wenden: PD Dr. Stefan Bielack, Universitätskinderklinik Münster, Telefonnummer 02 51/83 52 424, E-Mail coss@uni-muenster.de.

Interviewpartner auf Anfrage!

Infokasten: Klinische Studien

In klinischen Studien, auch Therapiestudien genannt, werden Behandlungsverfahren an einer größeren Zahl von Patienten statistisch geplant, systematisch überprüft und sorgfältig ausgewertet. Eine Ethikkommission kontrolliert, ob alle Schutzbestimmungen eingehalten werden und erteilt den Studienärzten die Zustimmung für ihr Vorhaben. Die Broschüre "Klinische Studien" der Deutschen Krebshilfe, die umfassende Informationen zu diesem Thema enthält, kann kostenlos angefordert werden bei der Deutschen Krebshilfe, Postfach 1467, 53004 Bonn.

Projekt-Nr.: 106624 (50-2723)

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Berichte zu: COSS-Gruppe Chemotherapie EURAMOS-1 Krebszelle Osteosarkom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz im Kampf gegen Prostatakrebs entdeckt
24.05.2018 | Universität Bern

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics