Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Herz-CT-Diagnostik: Schnell, deutlich und nicht invasiv

02.05.2005


Um das Herzinfarkt-Risiko genau bestimmen zu können, werden heute immer öfter moderne Mehrschicht-Computer-Tomographen (CT) eingesetzt. Die Untersuchung geht schnell und zeigt selbst kleinste Gefäßveränderungen detailgetreu. Patienten könnte durch diese Methode eine invasive Diagnostik durch einen Herzkatheter erspart werden. Über die Forschritte dieser nicht-invasiven Darstellung der Herzkranz-Gefäße berichten Radiologen auf dem Deutschen Röntgenkongress in Berlin.



Nur für zehn Sekunden muss ein Patient in der Röhre des Computer-Tomographen die Luft anhalten, damit die sich drehende Spirale sein Herz mitsamt seinen umliegenden Gefäß-Verästelungen klar darstellen kann. In dieser kurzen Zeitspanne nimmt der so genannte 64-Zeiler, ein Mehrschicht-CT der neuesten Generation, gleichzeitig zweimal 64 Schnittbilder pro Sekunde auf. Auf ihnen ist deutlich erkennbar, welche Gefäße durch Kalkablagerungen verengt oder mit fettigen Ablagerungen, den so genannten "Soft"-Plaques, belastet sind.

... mehr zu:
»Gefäß »Herzkranzgefäß


Beide Varianten weisen auf eine koronare Herzkrankheit (KHK) hin. Sie bedeuten große Gefahr für das Herz und bergen das Risiko für einen Herzinfarkt. Nach fünf bis zehn Minuten kann der Patient den Untersuchungsraum wieder verlassen. "Das schafft selbst ein kurzatmiger Mensch, der zum Beispiel gerade operiert wurde oder mit Brustschmerzen in die Notfall-Ambulanz eingeliefert wird", kommentiert Dr. med. Patrik Rogalla vom Institut für Radiologie am Universitätsklinikum Charité, Berlin.

Ein weiterer Vorteil des 64-Zeilen-CT: Auch die Herzfrequenz muss heutzutage nicht mehr so stark abgesenkt werden, sondern die Untersuchung kann bei etwa 70-80 Herz-Schlägen pro Minute durchgeführt werden. Noch vor zwei Jahren musste die Herzfrequenz meist auf weniger als 65 Schläge pro Minute gesenkt werden.

Innerhalb von zehn Sekunden tastet der 64-Zeilen-CT das Herz in hauchdünnen Schichten von bis zu 0,5 Millimetern ab. Am Computer werden diese Schichtaufnahmen zu dreidimensionalen Bildern des Herzens zusammengesetzt. Dann kann das geschulte Auge des Radiologen auch Verzweigungen der Herzkranzgefäße von nur 1,5 bis 2 Millimeter Durchmesser auf Veränderungen hin prüfen. Rogalla: "Die Technik ist in den vergangenen zwei, drei Jahren rasant fortgeschritten. Selbst kleinste Gefäßveränderungen lassen sich detailgetreu abbilden. Auch die Artefakte, die ein Bild verfälschen können - meist Unschärfen an den Gefäßrändern - bedingt durch den Herzschlag während der Untersuchung - treten kaum noch auf."

Gefährliche "Soft"-Plaques aufspüren. Um auch so genannte "Soft"-Plaques erkennen zu können, die ein Gefäß kaum einengen, wird zusätzlich ein Kontrastmittel über eine Vene in der Ellenbeuge gespritzt. Diese weichen, fettreichen Ablagerungen sind noch nicht verkalkt. Sie sind oftmals weitaus gefährlicher, weil sie einreißen und ein Gefäß verstopfen können. Diese neue Variante der schnellen CT-Untersuchung liefert mitunter bessere Ergebnisse als die für den Patienten belastendere Methode der Herzkatheter-Untersuchung. Und sie ist - trotz einer etwas höheren Strahlenexposition im Vergleich zu einem herkömmlichen CT - für die Patienten weniger riskant und weniger zeitaufwändig.

"Außerdem könnte dieses computergestützte Diagnose-Verfahren einen Großteil der zu rein diagnostischen Zwecken durchgeführten, in Deutschland etwa 650.000 Herzkatheter-Untersuchungen pro Jahr überflüssig machen", so Rogalla.

Sichere Ausschluss-Diagnostik. Grundsätzlich eignet sich die CT-Untersuchung des Herzens, bei ausgewählten Patienten mit einer mehr als 98-prozentigen Sicherheit das Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit (KHK) auszuschließen. Das gilt besonders für jene Patienten, die ein erhöhtes Risiko für eine Herzerkrankung tragen. Dazu zählen neben Rauchern: Patienten mit zu hohem Blutdruck (Hypertonie), zu hohen Blutfettwerten (Cholesterin) und bei Zuckerkrankheit (Diabetes). Sinnvoll ist die Untersuchung auch bei bestimmten "untypischen" Beschwerden von Frauen, bei denen Ärzte nicht sofort an eine Herzerkrankung denken: Schmerzen im Arm, Rücken oder Magen, oder ein gelegentliches Ziehen in der Brust. Auch bei einer Vorbelastung durch herzkranke Familienmitglieder, Veränderungen im Elektrokardiogramm (EKG) mit Hebung der ST-Strecke, oder bei einer eingeschränkten Pumpleistung mit Mangeldurchblutung des Herzens ist eine Klärung sinnvoll.

Der Nutzen einer Untersuchung im Mehrschicht-Computer-Tomographen als Methode zur Darstellung der Herz-Kranz-Gefäße ist mittlerweile für Patienten mit angeborenen Anomalien der Herzkranzgefäße, zur Kontrolle von Bypässen und zum Nachweis von Verkalkungen in den Herzkranzgefäßen klar belegt. "Als Screening-Methode eignet sich das Verfahren aber noch nicht,", so Rogalla. Er sieht den größten Vorteil in der Möglichkeit, "die hohe Anzahl der rein diagnostischen, invasiven Herzkatheter-Untersuchungen deutlich zu reduzieren."

Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.roentgenkongress.de
http://www.awmf.org

Weitere Berichte zu: Gefäß Herzkranzgefäß

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Speicherdauer von Qubits für Quantencomputer weiter verbessert

09.12.2016 | Physik Astronomie