Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Radiologie: Aufbruch in die Zukunft mit dem Durchblick des Jahrhunderts

02.05.2005


Angetrieben vom rasanten technischen Fortschritt in der Geräte-Entwicklung und Computertechnik befinden sich radiologische Methoden in Diagnostik und Therapie auf dem Vormarsch. "Die wenig belastenden Diagnosemethoden und minimal-invasive Therapien der Radiologen haben begonnen, invasive Verfahren in einigen Bereichen zu ersetzen", erklärt der Berliner Radiologe Professor Karl-Jürgen Wolf, Präsident des Röntgenkongresses in Berlin. Der Jubiläumskongress anlässlich des 100. Geburtstages der Deutschen Röntgengesellschaft wendet sich mit dem Blick zurück in die Zukunft der Bildgebung.



Die Radiologie ist eine medizinische Fachrichtung, die stark von technischen Neuerungen und einer hohen Innovationsrate geprägt wird. "Die Halbwertzeit des radiologischen Fachwissens beträgt in solchen Spezialgebieten oft nur drei bis fünf Jahre", erklärt Professor Karl-Jürgen Wolf, Präsident des Deutschen Röntgenkongresses 2005. Wolf leitet die Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Charité - Campus Benjamin Franklin. Entsprechend groß ist der Bedarf der Radiologen, sich über die neuesten Forschungsergebnisse in ihrem Fach zu informieren. Darum steigen die Besucherzahlen des Deutschen Röntgenkongresses seit Jahren an. In diesem Jahr, zum Jubiläumskongress in Berlin, werden mehr als 7000 Teilnehmer erwartet.

... mehr zu:
»Radiologie


Das Programm der Tagung spiegelt die rasante technische und wissenschaftliche Weiterentwicklung des Faches wider. So geht z.B. in der Computertomographie (CT) der Trend zu immer mehr Detektorzeilen, d.h., die Geräte werden schneller und liefern Aufnahmen in besserer Auflösung. Sie ermöglichen es, die Bilddaten großer Körpervolumina quasi "in einem Atemzug" zu erfassen. Auch in der Magnetresonztomographie (MRT) gibt es wesentliche Fortschritte, die inzwischen beispielsweise den ganzen Körper in einem Untersuchungsgang abbilden lassen. "Die neuen Strategien", erklärt Wolf, "ermöglichen die Darstellung des menschlichen Körpers in relativ kurzer Zeit mit bester Qualität. Dies öffnet ein neues Fenster der Diagnostik." Dadurch werde sich die Therapie bei bestimmten Krebsarten verändern, prophezeit der Tagungspräsident.

"Allerdings müssen die neuen diagnostischen Möglichkeiten mit Bedacht eingesetzt werden", betont Wolf. Denn noch stehen Studien mit großen Patientenzahlen aus, die zweifelsfrei belegen, dass die neuen Möglichkeiten das Krankheits- oder Mortalitätsrisiko reduzieren. Bei häufigen Erkrankungen sind solche Untersuchungen von gesunden Menschen oder Patienten mit Risikofaktoren in der Zukunft dann geeignet, wenn ein Befund therapeutische Konsequenzen hat und ein falsch-positiver Befund nicht dazu führt, dass die Patienten durch eigentlich unnötige weitere oder gar invasive Eingriffe belastet werden.

Auch in der Herzdiagnostik gibt es neue Entwicklungen. Wolf: "Die Untersuchung des Herzens mit CT und MRT macht zwar die Katheterdiagnostik nicht überflüssig, doch sie kann bei bestimmten Konstellationen den Eingriff ersetzen oder zumindest ergänzen. Darum nehmen diese neuen Möglichkeiten und Strategien breiten Raum im Kongressprogramm ein.

Von der Diagnostik zur Therapie. Seit einigen Jahren kommt in der Radiologie - neben der Diagnostik - ein weiterer Schwerpunkt hinzu, der sich inzwischen ebenfalls rasant entwickelt: Die interventionelle, sprich: die therapeutische Radiologie. Gesteuert von den Bildern, die Röntgen- oder Utraschall-Geräte, Computer- oder Magnetresonanz-Tomographen liefern, führen Radiologen inzwischen an vielen Organsystemen minimal-invasive Eingriffe aus, die Patienten Operationen ersparen. Die Therapien sind weniger belastend und können in vielen Fällen ambulant durchgeführt werden.

Seit Mitte der sechziger Jahre hat sich dieses neue Standbein in der Radiologie entwickelt - ausgehend von der Wiedereröffnung verschlossener oder verengter Blutgefäße unter Röntgenkontrolle. Inzwischen setzen Radiologen ihre Strategien nicht nur zur Eröffnung, sondern auch zum Verschließen von Blutgefäßen im Gehirn ein, die zu platzen drohen oder bereits eine Blutung verursacht haben. Etabliert ist inzwischen auch die minimal-invasive Behandlung bestimmter Tumoren und Metastasen, etwa in der Leber, die aufgrund ihrer Ausbreitung und Lage nicht operabel sind. Jüngster Trend ist auf diesem Gebiet die Embolisation gutartiger Tumoren der Gebärmutter (Myome). Auf der Tagung werden erste Langzeitergebnisse dieser neuen Methode vorgestellt, die in Deutschland seit wenigen Jahren eingesetzt wird. "Eine bessere Bildgebung wird es auch ermöglichen, Medikamente ganz gezielt in einen Tumor zu schleusen und dort freizusetzen", erklärt Wolf.

Die Radiologie, der Durchblick des Jahrhunderts, wird in der Eröffnungsveranstaltung dieses Jubiläumskongresses von prominenten Rednern gewürdigt: Prof. Dr. h.c. Lothar Späth wird aus seinen Erfahrungen heraus über den Stellenwert der Technologieentwicklung sprechen. Der Wissenschaftshistoriker E. Peter Fischer von der Universität Konstanz wird Welt- und Menschenbilder seit den Tagen von Röntgen Revue passieren lassen.

Neue Modelle für die Radiologie der Zukunft. Der Diskurs der Tagung wird jedoch nicht nur von dem Blick auf medizinische Errungenschaften und Neuerungen geprägt. Auch die gesundheitspolitische Entwicklung wird die Radiologen beschäftigen. So hat sich die in den letzten Jahren geübte Strategie des "Outsourcings" radiologischer Abteilungen aus den Krankenhäusern nach Einschätzung des Kongresspräsidenten nur mit Einshränkung bewährt: "Das Outsourcing hat die Radiologie nicht automatisch billiger gemacht", so sein Fazit. Zwar würden die Klinikverwaltungen durch die Auslagerung die Investitionen in neue Geräte sparen, müssten dafür aber den Wirtschaftsbetrieb der ausgelagerten Abteilungen finanzieren, in den die Investitionen natürlich auch einfließen und bezahlt werden müssen. Ein denkbares Modell der Zukunft ist für Wolf darum die Partnerschaft zwischen Firmen und Kliniken, neudeutsch privat-public partnership genannt. Dabei werden Verträge mit Industriefirmen über die Nutzung moderner Geräte abgeschlossen. Abgerechnet wird dann pro Patient, der untersucht bzw. behandelt wird.

Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.awmf.org
http://www.roentgenkongress.de

Weitere Berichte zu: Radiologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise